Verlogener Aufschrei – Wenn Rechte den Feminismus entdecken

7. Januar 2016 - 22:55 | | Gesellschaft | 5 Kommentare
Cologne Köln Rheinland Kölner Dom Pixabay

„Pegida schützt!“ – Unter diesem Motto hat die aus verschiedenen Rechten bestehende Gruppe Pegida NRW für Samstag den 9. Januar eine Kundgebung vor dem Kölner Hauptbahnhof angemeldet. Unterstützt werden sie dabei von der rechtsextremen Pro Bewegung, NPD und anderen Organisationen. Die Demo richtet sich vermeintlich gegen die sexuellen Übergriffe in der Silvesternacht, Pegida versucht diese auszunutzen und sich selber als Retter darzustellen und sexuelle Gewalt als etwas prinzipiell migrantisches darzustellen. Doch gegen ihre Demonstration formiert sich Widerstand, aus dem Lager derjenigen, die schon immer gegen Sexismus und sexuelle Gewalt kämpften. Das Motto: „Nein zu rassistischer Hetze! Nein zu sexueller Gewalt!“

Sonja Ziegler, Sprecherin von Köln gegen Rechts, die die Gegenkundgebung angemeldet hat, erklärte gegenüber Report K: „Die gewalttätigen, sexuellen Übergriffe an Sylvester sind durch nichts zu entschuldigen. Die geheuchelte Empörung von Pegida und Co., die weitgehend selbst aus sexistischen und gewalttätigen Milieus entstammen, dient allerdings nur einem Zweck: die verständliche Empörung über die Angriffe zu nutzen, um eine rassistische, gewalttätige Stimmung gegen alle MigrantInnen und Flüchtlinge zu schüren.“ Unterstützt werden sie dabei vom gewerkschaftlich dominierten Bündnis „Köln stellt sich quer“, welches ebenfalls zur Gegenkundgebung um 12 Uhr am Breslauerplatz aufruft. Das Bündnis erklärte: „Unabhängig davon, wem die Täter um den Kölner Hauptbahnhof zuzurechnen sind, gilt es deutlich und unmissverständlich klarzumachen: Gewalt gegen Frauen ist immer ein Verbrechen! Die Geschehnisse in der Silvesternacht sind Anschläge auf unsere Grundwerte, unseren gesellschaftlichen Konsens, unsere Freiheit und die Menschenwürde. Dazu gehört der insbesondere der Schutz von Frauen vor sexueller Gewalt genauso wie der Schutz von Flüchtlingen. Die Ereignisse der Silvesternacht dürfen nicht von Rechtsextremen, Pro NRW, AFD und Pegida, für ihre eigenen Zwecke genutzt werden, wie dies bereits jetzt in den sozialen Netzwerken in Form von pauschaler Hetze gegen Migrantinnen, Migranten und Flüchtlinge geschieht. Angriffe auf Flüchtlingsheime, wie aktuell in Köln Mülheim sind unerträglich und dürfen sich nicht wiederholen. 850 festgestellte rassistisch motivierte Übergriffe auf Flüchtlingsheime sind 850 zu viel!“

Geheuchelte rechte Empörung

Dass die Empörung geheuchelt wird immer wieder deutlich wenn rechte Kräfte den Kampf gegen Sexismus als Genderblabla abtun odersich sexistisch äußern. Auch zu Übergriffen an Karneval oder dem Oktoberfest herrscht regelmäßig schweigen, denn es sind die jetztigen Täter, die dafür sorgen, dass sich die Rechten empören, ihnen geht es um den Kampf gegen Migranten, Frauenrechte und die Unversehrheit der Frauen sind dabei ein Mittel zum Zweck.

Auch dazu schweigen die Rechten und Rassisten: Laut einer Studie des Bundesfamilienministeriums erfährt jede siebte Frau in Deutschland in ihrem Leben sexuelle Gewalt. Jede vierte Frau – unabhängig von Bildungsstand oder sozialem Status – ist häuslicher Gewalt mit zum Teil lebensbedrohlichen Verletzungen ausgesetzt. Die Täter sind fast immer männlich, eine aussagekräftige Kategorisierung nach Religion, Herkunft, Bildungsstand oder sozialem Status existiert allerdings nicht.

Marion Wegscheider und Silke Stöckle machen daher deutlich: „Es gäbe also jeden Tag mehr als genug Gründe für einen gesellschaftlichen Aufschrei gegen Sexismus und sexuelle Gewalt in Deutschland. Beide Phänomene sind mit dem herrschenden Frauenbild eng verwoben…Was die gesellschaftliche Linke angeht, so muss absolute Klarheit darüber herrschen, dass die Frauenunterdrückung in Deutschland strukturell angelegt ist und wir uns im Kampf gegen sie keinesfalls durch Rassismus spalten lassen dürfen – wir müssen beiden Erscheinungen mit gleicherEntschlossenheit die Stirn bieten.“

Auch die Feministin Antje Schrupp machte im Interview deutlich: “ Es wird eben nicht über die sexuelle Belästigung geredet, sondern es wird über den vermuteten kulturellen Hintergrund der Täter geredet, die man noch gar nicht kennt. Es wird darüber geredet, ob angebliche politische Korrektheit verhindert hat, dass man sich über irgendwas nicht äußert. Es wird das Thema genutzt, um klassische rassistische Klischees auszuleben, entweder subtil oder ganz krass.“

Über den Autor

Ich habe 2009 die Freiheitsliebe gegründet aus dem Wunsch, einen Ort zu schaffen, wo es keine Grenzen gibt zwischen Menschen. Einen Ort an dem man sich mitteilen kann, unabhängig von Religion, Herkunft, sexuelle Orientierung und Geschlecht. Freiheit bedeutet immer die Freiheit von Ausbeutung. Als Autor dieser Webseite streite ich für eine Gesellschaft, in der nicht mehr die Mehrheit der Menschen das Umsetzen muss, was nur dem Wohlstand einiger Weniger dient.
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5 Kommentare

  • 1
    Greg sagt:

    Lieber Jamal

    Letztlich ist es jedem „Opfer“ egal, ob nun ein Idealbild ins Wanken geraten ist oder nicht. Insofern sollte man sich an Fakten und Wahrscheinlichkeiten halten und nicht sozialromantisch dahinträumen.

    Wenn es wahrscheinlich Millionen Menschen gibt, die aus diversen Gründen gerade Länder mit „Kulturkreisen“ meiden (evtl. ausserhalb Tourismusressorts) darf man davon ausgehen, dass wenn viele aber einwandern, ihre Lebensweisen nicht von heute auf Morgen abstreifen können. Klar können sie nicht gegen ihre Sozialisation, noch weniger können die Einheimischen etwas dafür, wie sie sind.

    Wenn also eine Debatte geführt werden soll, muss man sich eben auch mit dem Unangenhemen auseinandersetzen und die rosarote Brille absetzen.

    Leider finde ich die Geschprächskultur in Deutschland diesbezüglich etwas schizoid, der Weltkrieg ist seit langen zuende und man darf sich schützen,

    Was soll und kann den ein Staat tun, um die Wahrscheinlichkeit von subversicher Einwanderung Schwulen und Lesbenhasser, Zwangsbeschneider, … zu unterbinden?
    Wer soll letztlich die Verantwortung des Scheiterns und negativer Erlebnisse / die Konsequnezen tragen? Radikalisieren sich nicht gerade wegen des Todschweigens von Problemen die Menschen?

    „Als Autor dieser Webseite streite ich für eine Gesellschaft, in der nicht mehr die Mehrheit der Menschen das Umsetzen muss, was nur dem Wohlstand einiger Weniger dient.“

    Genau, Frau Dr. Merkel setzt sich eben nicht für IHR Volk ein, sonder für die US – Vasallen. Warum hat sie sich nicht schon vor Jahren für die rechtzeitige Bezahlung der UN – Hilfsprojekte vor Ort eingesetzt?

  • 2
    Claudia sagt:

    jap die reißen jetzt alle themen an sich. bleibt nur zu hoffen dass nicht allzu viele so blöd sind und der getarnten rechten unterstützung zusagt!
    trotz alle dem grüße aus dem santa christina grödnertal
    Claudia

  • 3
    Robert sagt:

    Frauenunterdrückung und Rassismus bekämpfen, das ist sehr wichtig. Wer gegen jede Form der Frauenunterdrückung, auch gegen die extremsten Formen der Frauenunterdrückung, protestiert, hat meine vollste Sympathie, von hiesigen Formen der Frauenunterdrückung bis zu grotesk extremen Formen wie dem Fahrverbot für Frauen in Saudi-Arabien.

    Wir müssen aber auch gegen den Rassismus kämpfen, wenn uns die Rechte der Frauen und Mädchen in muslimischen Familien geht! Es geht nicht an, dass wir uns dafür weniger oder gar nicht interessieren. Familien, in denen den Jungen eine herrschende Rolle und den Mädchen eine dienende Rolle beigebracht wird? Das dürfen wir nie mit dem rassistischen ‚Argument‘ einer ‚anderen Kultur‘ akzeptieren, wo das nun einmal so üblich ist..

    Einen ‚Aufschrei‘ von allen Gegnern des Rassismus und der Frauenunterdrückung habe ich vermisst, als der türkische Präsident Erdogan vor einiger Zeit die Gleichberechtigung als „unnatürlich“ und als einen Verstoss gegen den Islam anklagte. Er ist oberster Leiter des Präsidiums für Religiöse Angelegenheiten in der Türkei,

    http://www.zeit.de/politik/ausland/2014-11/tuerkei-erdogan-rede-gleichberechtigung

    Höchste Würdenträger des Islams erklären uns zwar, das ihre Religion es beispielsweise nicht gestattet, dass Frauen ein Auto fahren. Andere erklären uns, dass eine Gleichberechtigung gemäß des Korans unnatürlich ist. Aber Dritte erklären uns dann,, dass der Islam keine frauenverachtende Religion ist.

    • 3.1
      Lydia sagt:

      @ Robert: Und du findest es nicht rassistisch, hier wieder das Klischeebild vom „ritterlichen weißen Deutschen“ zu bedienen, der „unterdrückte Musliminnen“ vor ihrer bösen, sexistischen Religion rettet? Das Patriarchat ist weltweit, und auch unsere ach so aufgeklärte deutsche Gesellschaft ist alles andere als frei davon. Den Sexismus in Saudi-Arabien anzuprangern, um dadurch von Frauendiskriminierung hierzulande abzulenken, ist Heuchelei. Es gibt genug MuslimInnen, die Regime wie das in Saudi-Arabien ablehnen.

  • 4
    The Joker sagt:

    Die Glaubwürdigkeit eines Türstehers

    In Bezug auf die Kölner Ereignisse stützt sich die veröffentlichte Meinung u.a. auf die drastischen Schilderungen des Türstehers Ivan Jurcevic.
    Aber wie glaubwürdig ist Jurcevic?

    Hier sein dramatischer Auftritt im ZDF-Morgenmagazin vom 8. Januar. Er spricht darin – und auch später – von „bürgerkriegsähnlichen Zuständen“: https://www.youtube.com/watch?v=bAkLaiakhpE

    Ein weiteres Statement („Ich bin kein Rechter, aber…“) von seiner Facebook-Seite: https://www.facebook.com/ivan.jurcevic.56/videos/10204881795915947/

    Das Merkwürdige:
    In der Neujahrsnacht hatte er zu fortgeschrittener Zeit (3:59 Uhr) noch ganz unbeschwert das neue Jahr begrüßt: https://de-de.facebook.com/permalink.php?story_fbid=505191776329090&id=249754578539479
    Schreibt man so, wenn man sich gerade am Rande eines „Bürgerkriegs“ wähnte?

    Mittlerweile hat der Direktor des Excelsior Hotel Ernst, Henning Matthiesen, den in der Neujahrsnacht dort tätigen Jurcevic von dessen Fremdenfeindlichkeit distanziert: http://www.ksta.de/politik/tuersteher-schildert-silvesternacht-in-koeln-sote,15187246,33465300.html

    Auf seiner Xing-Seite bezeichnet Jurcevic sich u.a. als „Geschäftsführer“ und „Dipl.-Psyhologe“ (sic!): https://www.xing.com/profile/Ivan_Jurcevic2
    Im Web finden sich zudem Hinweise auf eine eher wenig erfolgreiche Vita als RTL-Soap-Darsteller. Immerhin war er wohl mal Kickbox-Weltmeister…