Türken Sam – Ich wollte dazugehören
Bücher über kriminelle Jugendliche mit Migrationshintergrund gibt es in Deutschland massenweise, meist von Politikern, Verbändern und Organisationen, selten von den Jugendlichen selbst. Eines der Bücher, die man wirklich lesen sollte, wenn man sich mit diesem Themenkomplex beschäftigen will und eine andere Sichtweise kennenlernen möchte, ist “Türken Sam” von Cem Gülay.
“Türken Sam” ist eine Autobiographie eines Deutschtürken, der alles gegeben hat um in der Gesellschaft angenommen zu werden. Es ist ein Buch über die Geschichte eines Jungen, den man wohl vor seinem Aufstieg in der Szene, als gut integriert bezeichnet hätte, auch wenn er das anders sieht. Seine Geschichte, ist eine Geschichte voller Ausgrenzung, Wut und Rassismus.
Kein Türke als Schulsprecher
Cem Gülay wollte Fußballer werden und spielte in den verschiedensten Hamburger Fußballclubs. Er galt als Talent, doch der Rassismus und die Ausgrenzung setzten ihm zu. So berichtet er über ein internationales Sichtungstunier bei dem er ausgeladen wurde, weil er “Türke” war und der Trainer mit einer deutschen Mannschaft spielen wollten. Er berichtet über die Machokultur unter jungen Männern und die Diskriminierung, die Frauen dabei tagtäglich über sich ergehen lassen müssen.
Cem machte sein Abitur und wurde Schülersprecher, der perfekte Werdegang für einen Jugendlichen, so hätten warscheinlich sogar konservative Politiker gemutmaßt. Nach seiner Wahl zum Schülersprecher muss er miterleben, dass er trotz seiner Bildung und seiner Beliebtheit in der Gesellschaft nicht angekommen ist , so sagt sein Direktor zu ihm: “Ich kann mir keinen türkischen Schülersprecher erlauben, weil viele deutsche Eltern dann ihre Kinder nicht mehr anmelden!” Ein Satz der Sam traf und ihm zeigte, dass er immernoch kein Teil der Gesellschaft war.
Ein Erlebnis, das sich jedes Wochenende vor den Türen der Discos wiederholte, wenn er und seine Freunde nicht reinkamen, weil sie nichts in Bild passten. Eine Ablehnung, die sich nach seinem Wandel zum Gangster, nicht wiederholen sollte.
Cem Gülay berichtet darüber wie sein Bruder von Nazis durch die Straßen gejackt wurde und er berichtet über den Rassismus unter Migranten. Er erzählt über die Schwächen der Gesellschaft, die es ihm nahezu unmöglich machten sich zu integrieren. Seinen Weg als Gangster wählte er, da dies in seinen Augen die einzige Chance für den Aufstieg war, wenn auch in einem schmutzigen Milieu.
Er berichtet über seinen Werdegang und die Möglichkeiten, die er als Gangster hatte. Türken-Sam ist ein Buch, das zeigt, wie schnell der Abstieg in die Kriminalität kommen kann, wenn man Jugendlichen von Kind an zeigte, dass sie nicht dazu gehören sollen/können. Türken-Sam endet mit den Worten “Ich wollte dazugehören, ich habe es niemals aufgegeben! Und wisst ihr was? Ob es euch gefällt oder nicht: Ich gehöre jetzt zu euch!” Worte die mutmachen, wenn dieses Buch nicht die Tristesse der Integrationspolitik und die Glorifizierung des Gangstertums in manchen Mileus zeigen würde.
Cem Gülay arbeitet heute als Sozialarbeiter in Berlin und hilft Jugendlichen nicht auf die schiefe Bahn zu kommen!
Türken Sam ist lesenswert, wenn es sich auch deutlich von den anderen Büchern unterscheidet, die wir vorgestellt haben.
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