Kommunisten in der Linken – Interview mit Andreas Heidrich -Reihe zu den Strömungen

11. September 2011 | Gesellschaft,Politik | 11 Kommentare

Das Team der Freiheitsliebe hat sich überlegt mit VertreterInnen der verschiedenen Strömungen innerhalb der Linken zu sprechen. Beginnen möchten wir die Interviewreihe mit der wohl linkesten Strömungen innerhalb der Linken, der Kommunistischen Plattform. Wir haben mit Andreas Heidrich gesprochen, Mitglied im LandessprecherInnenrat der Kommunistischen Plattform der Linken in NRW!

Die Freiheitsliebe: Was sind die grundsätzlichen Ziele der Kommunistischen Plattform?

Andreas Heidrich: Wir müssen auf jedenfall festhalten, dass wir in erster Linie Mitglieder der Partei die Linke. sind . Die Kommunistische Plattform ist ein offen tätiger Zusammenschluß von Kommunistinnen und Kommunisten in der Partei DIE LINKE, die auf der Grundlage von Programmatik und Satzung der Partei aktiv an der Basis und in Parteistrukturen wirken.
Die Bewahrung und Weiterentwicklung marxistischen Gedankenguts ist wesentliches Anliegen der Kommunistischen Plattform. Die Plattform tritt sowohl für kurz- und mittelfristig angestrebte Verbesserungen im Interesse der Nicht- und wenig Besitzenden innerhalb der kapitalistischen Gesellschaft als auch für den Sozialismus als Ziel gesellschaftlicher Veränderungen ein.
Antifaschismus und Antirassismus sind für die Kommunistische Plattform ein strategisches politisches Anliegen, und sie wendet sich gegen jegliche Art von Antikommunismus, von wem er auch ausgehen mag.

Der Programmentwurf

Die Freiheitsliebe: Die verschiedenen Strömungen haben sich auch zum Programmentwurf der Linken geäußert. Verschiedene Strömungen haben sich zu dem Entwurf geäußert, was hält die Kommunistische Plattform von dem Programmentwurf?

Andreas Heidrich: Der Entwurf, so wie er jetzt vorliegt, ist natürlich nicht zu 100% so wie wir ihn uns vorstellen. Aber wir sind zu dem Entschluss gekommen, dass viele grundsätzliche Sachen in dem Entwurf enthalten sind, die wir so akzeptieren können. Wir denken, dass wenn wir als kommunistische Platform ständig irgendwelche Anträge einbringen, nur Öl ins Feuer gießen würden, was den sogenannten Realos in unserer Partei in die Hände spielen und so die Roten Haltelimien gefährden würden. Das hatt vor allem mit dem Kräfteverhältnis innerhalb unserer Partei zu tun, Deswegen haben wir uns als KPF weitestgehend zurückgehalten .
Natürlich ist dies kein kommunistisches Programm, sondern das Programm einer Partei die Linke. mit Mitgliedern, welche teilweise völlig unterschiedliche Positionen vertreten. Der eigentliche Findungsprozess der Partei ist längst noch nicht abgeschossen. Wenn man dies berücksichtigt, kann man mit dem Entwurf, so wie er jetzt vorliegt, relativ zufrieden sein. Wichtig ist natürlich, dass die Roten Haltelinien drin sind, das heißt, dass wir uns an keiner Regierung beteiligen, die Kampfeinsätze im Ausland führt oder Sozialabbaue betreibt!
Man hätte allerdings die DDR stärker erwähnen sollen. In den Medien wird nur das Negative in der DDR erwähnt oder das Positive negativ dargestellt. D as bedeutet, dass die positiven Seiten trotz aller Schwierigkeiten, welche die DDR auch hatte , verschwiegen werden. Schließlich war die DDR der erste Versuch auf deutschen Boden einen Staat aufzubauen, der nicht die Interessen des Kpitals vertrit und der nicht auf der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen basierte. Weiterhin sollte erwähnt werden, welche Rolle die DDR auch zur Friedenserhaltung beigetragen hatt.

Die Freiheitsliebe: Auf  Zeitungen wie die Junge Welt trifft das sicher nicht zu. Was haltet ihr von dem Artikel zur Mauer?

Andreas Heidrich: Ein Artikel, wie der Artikel zur Mauer, spielt mit Sicherheit nur den Antikommunisten in die Hände! Man kann nicht die Augen davor verschließen, dass die Mauer auch viel menschliches Leid verursacht hatt. Zum Beispiel Menschen von ihrer Familie getrennt hat oder Menschenleben gekostet hatt. Wer allerdings schuld am Bau der Mauer war und wie sinnvoll sie zu der damaligen Zeit war,steht auf einem anderen Blatt. Daher kann man sich nicht bei der Mauer bedanken. Wir bedanken uns lieber bei den Menschen, die sich dafür eingesetzt haben einen Menschengerechten nichtkapitalistischen Staat aufzubauen.

Die Freiheitsliebe: Von verschiedenen Personen und Strömungen wird gefordert die Junge Welt zu boykottieren, wie steht die KPF dazu?

Andreas Heidrich: Daran werden wir uns mit Sicherheit nicht beteiligen, ganz im Gegenteil! Leider ist das Kräfteverhältnis innerhalb der Linken nicht so dass wir uns zuweit herauswagen sollten ohne der Jungen Welt zu schaden. Wir haben uns natürlich Gedanken gemacht, wie wir der Jungen Welt helfen können. Daher haben uns überlegt, dass alle Mitglieder der KPF den Abgeordneten einen Brief schreiben und diese Bitten die Kampange gegen die Junge Welt sein zu lassen. Es darf doch nicht sein, dass eine Partei, die sich als links versteht, eine Kampange gegen eine linke Zeitung macht.

Die Freiheitsliebe: Über die KPF und die AKL(Antikapitalistische Linke) wird immer gesagt, sie seien gegen jede Form der Regierungsbeteiligung. Wenn es nun aber eine Regierung gäbe, die weder Sozialabbau noch Stellenabbau betreibt, könntet ihr dann damit leben?

Andreas Heidrich: Natürlich wid es immer kurzfristige Entscheidungen geben. Ich gehe mal davon aus, dass es eine solche Regierung , mit den sogenannten etablierten Parteien, niemals geben wird. Wenn es eine solche Regierung geben sollte, dann müssten sich die anderen Partei um 180 Grad drehen.
Eine solche Regierung wäre nur möglich, wenn wir ein System hätten das nicht mehr nur dem Kapital einzelner dient.

Die Freiheitsliebe: In Mecklenburg-Vorpommern und Berlin stehen jetzt Wahlen an, in beiden Ländern könnte die Linke mitregieren. Was haltet ihr von der bisherigen Regierungsarbeit der Linken in Berlin?

Andreas Heidrich: Die Regierungsbeteiligung in Berlin finden wir ganz schlimm, denn sie beweist, dass man sich als kleinerer Partner immer den Wünschen und dem Druck der größeren Partei unterordnen muss. Die Anträge und Forderungen des kleinen Koalitionspartners werden in der Regel vom großen Koalitionspartner geschluckt.

Die Politik, die die Linke in Berlin mitträgt, ist für uns als KPF nicht akzeptabel. Sozial- und Stellenabbau sowie die Privatisierung von Wohnraum und Wasser sind für uns nicht tragbar.

Die Freiheitsliebe: Man liest auch immer wieder, dass die KPF Gesandte zu Veranstaltungen der DKP schickt und umgekehrt, wie kommt es, dass man dann Mitglied in der Linken ist?

Andreas Heidrich: Diese Frage kann ich nur für mich selber beantworten. Bei mir ist es so gewesen, dass ich mich nach einer Partei umgesehen haben, die eventuell in der Lage ist, etwas zum Wohl der Schwachen und Schwächsten in unseren Land zu verändern. Ich habe erkannt, dass das die DKP nicht sein kann . Schon aufgrund ihrer Mitgliederstärke und ihrer gesellschaftlichen Anerkennung. Als sich dann die WASG und die PDS zur Partei Die Linke . zusammengeschlossen haben, habe ich erkannt, dass es nun endlich wieder eine Partei geben kann, die groß genug ist, um wirklich etwas zu ändern.
Als ich in dann Mitglied der Partei war, habe ich festgestellt, dass es innerhalb der Partei auch Strömungen gibt, welche sich nicht für eine konsequente linke Politik im Sinne von Karl Marx einsetzten . Deswegen bin ich Mitglied der KPF geworden !

Die Freiheitsliebe: Wie sieht man innerhalb der KPF eine Zusammenarbeit mit anderen Strömungen wie z.B. der AKL?

Andreas Heidrich: Die AKL ist natürlich inhaltlich nicht mit der KPF vergleichbar, dennoch arbeiten wir gerne mit ihnen zusammen, wie natürlich auch mit allen anderen linken Strömungen.
Die AKL sieht es allerdings so, dass die KPF ein Teil der AKL ist. Das ist absolut nicht so, wie Sahra Wagenknecht auch nochmal klargestellt hat.
Einige unserer Mitglieder unterstützen allerdings die AKL. So haben einige den Aufruf der AKL unterschrieben . Da die AKL aber kein innerparteilicher Zusammenschluss ist, kann man dort auch nicht wirklich Mitglied werden! Ich finde es auch ganz richtig, dass wir und die AKL bei einigen Fragen zusammenarbeiten, da man so auch mehr Möglichkeiten hat etwas zu verändern.

Die Freiheitsliebe: Wenn man sich selbst als Sozialist oder Kommunist sieht, wieso sollte man, dann der Linken und der KPF beitreten?

Andreas Heidrich: Die Partei die Linke. stellt eine echte Alternative zu den anderen etablierten Pateien dar. Sie stellt, wie Oskar Lafontaine schon feststellte, eine echte Change für alle linken Kräfte in der BRD dar und ist eine Möglichkeit sich dem Sozialabbau, dem ökologischen systhememinenten Wahnsin und dem kriegerischem Charakter dieser Regierung entgegen zu stellen. Die KPF hatt es sich zum Ziel gemacht diesen antikapitalistischen Charakter der Partei DIE LINKE. zu erhalten.

Zum Abschluss würden wir dir gerne noch einige Stichworte nennen und du sagst uns, was dir zu diesen einfällt.
Wahlen in Berlin - Aufgrund ihrer angepassten Politik wird die Linke nicht allzu stark werden und ich denke, dass die Linke in Berlin daran selbst schuld ist!

Krieg in Libyen – Der Krieg in Libyen ist ein imperialistischer Angriffskrieg. Ich bin der Ansicht, dass dieser Krieg völkerrechtlich verurteilt werden muss, mit all seinen Akteuren.

Europäische Linke – Die Europäische Linke setzt sich aus vielen unterschiedlichen “linken” Parteieien aus ganz Europa zusammen. Daher ist es schwehr, ihr einen treffenden Charakter zuzuweisen. Für uns als Internationalisten ist es natürlich wichtig, mit allen linken Kräften weltweit zusammen zu arbeiten!

Die Freiheitsliebe: Wir danken dir für dieses Gespräch. Mehr Infos zur KPF findet man hier!

Über den Autor

Ich habe 2009 die Freiheitsliebe gegründet aus dem Wunsch, einen Ort zu schaffen, wo es keine Grenzen gibt zwischen Menschen. Einen Ort an dem man sich mitteilen kann, unabhängig von Religion, Herkunft, sexuelle Orientierung und Geschlecht. Freiheit bedeutet immer die Freiheit von Ausbeutung, als Autor dieser Webseite streite ich für eine Gesellschaft, in der nicht mehr die Mehrheit der Menschen das Umsetzen muss, was einer Minderheit nützt. Ihr findet mich auf: Facebook

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