Hartz IV – Gut gedacht, schlecht gemacht?

Hartz4 - Armut per Gesetz? - Bildquelle:http://www.flickr.com/photos/kietzmann/3070090061/sizes/m/in/photostream/

Hartz IV ist ein seit Jahren umstrittenes Programm. Fakt ist, dass die Verabschiedung der Hartz-Gesetzt – initiiert von Peter Hartz – die wohl die weitreichestens Sozialkürzungen in der Geschichte der BRD bedeutete. Wer arbeitslos wird, rutscht sofort in den Hartz-Sumpf ab, hat den den Status eines Nichtsnutz inne. Hartz IV, das bedeutet Isolation und Abschottung.

Als Rot-Grün bei dei den Bundestagswahlen 1998 knapp die Nase vor Schwarz-Gelb hatten, hoffte vorallendingen die Mittelschicht und die Arbeiterklasse auf die Stärkung ihrer Position durch die Verabschiedung sozialer Gesetze. Die SPD, ursprünglich eine linksgerichtete Arbeiterpartei und die Grünen, entstanden aus der Anti-Atom-Bewegung, waren zu diesem Zeitpunkt so sehr über sich hinausgewachsen, dass sie ihre Wurzeln weder sahen noch spürten. Der bald beschlossene Atomausstieg entpuppte sich als Farce.

Die Reform-Lüge

Aber noch viel schwerer wiegt der Fehler der Rot-Grünen-Koalition, welcher in der Sozialpolitik gemacht wurde. Hartz IV wurde ins Leben gerufen. Die damals vier Millionen Arbeitslosen sollten mittels Hartz IV auf die Hälfte schrumpfen, auf also zwei Millionen. Doch das Konzept ging nicht auf. Die Arbeitslosen konnten nicht vermittelt werden, die Angst der Hartz-Bezieher wuchs. Die Menschen wurden dadurch eher eingeschüchtert als motiviert zu arbeiten. Wem das Fell über die Ohren gezogen wird, kann die Motivationchöre “lauf schneller, mach jetzt…” nicht hören.

Die in drei Schüben inkrafttretende Hartz Gesetze, schafften keine positiven Veränderungen. Mit Hartz IV sollte die berufliche Weiterbildung durch die Bundesanstalt für Arbeit (FbW) gefördert werden, Bildungsgutscheine die Bildungs anregen und das Equal-payment/equal treatment-Gesetz für Leiharbeiter durchgesetzt werden. Doch die Bürokratie machte den Reformen einen Strich durch die Rechnung. Welcher Hartz-Bezieher weiß schon, was er wann beantragen muss, um einen Bleistift zu bekommen oder die “Entfernungspauschale” für Bildungsreisen abrechnet bzw. weiß, dass diese existiert? Den aber wohl größten Faux-pas leistet sich die Regierung, die mit der “guten” Absicht gewollten Umsetzung des Equal-payment/equal treatment-Gesetzes für Leiharbeiter. Eine einfach Tarifvertragsänderung auf seiten der Leiharbeiterunternehmen sorgte dafür, dass das mit viel Aufwand betriebene Gesetz umgangen wurde. Die Frage bleibt, wieso von den verantwortlichen Politikern nicht ein Schritt weiter gedacht wurde. Es sitzen doch so unzählige Wirtschaftsexperten und Juristen im Bundestag, die doch eigentlich wissen, wie man dingfeste Verträge abschließt.

Schlichtweg gelogen wurde im Vorfeld über die Höhe des HartzIV-Geldes. Angesetzt wurde ein Betrag von 511,- €. Peter Hartz gab diesen Betrag damals an, Gerhard Schröder folgte ihm, in dem er zuversichtlich nickte und versprach. “Diese Gesetze werden eins zu eins umgesetzt”. Eine glatte Lüge wie sich wenig später herausstellte.

Eine versteckte Sozialkürzung bestand des weiteren darin, die Arbeitslosenhilfe mit der Sozialhilfe verschmelzen zu lassen. Das Produkt bekam dann den schlichten Namen “Arbeitslosengeld II”, welcher zwar nominell über dem Niveau des alten Sozialhilfebeitrags lag, aber keine Einmalleistungen, die für den Schuldbedarf, Kleidung, Wohnungsausstattung & co. impliziert.

Über diese Lügen und den Sozialkürzungen konnten sich allein die Unternehmen freuen, die weiter ihre Löhne drücken konnten, während die Armen immer weiter verarmten, sich die Arbeitsverhältnisse prekarisierten und das Leben in Angst für viele Menschen zum Alltag wurde.

Hartz-Unklarheiten bei Gesetzestexten

Zu oft kann man in den Hartz-Gesetzen das Wort “angemessen” lesen. Was bedeutet schon angemessen? Aufgrund dieses interpretierbaren Wortes, kommt es immer wieder zu Gerichtsverhandlungen, gar zu “Klagefluten”. Beschäftigt man sich einmal genauer mit den Hartz-Gesetzen und stöbert in Foren über Klagen nach, darf man über die oft  unverständlichen Regelungen staunen.

Beispielsweise einem Mann aus Erfurt, der auf der Suche nach Arbeit zu einer alten Bekannten nach Hanau gezogen war, wurde das Arbeitslosengeld II vom Kreissozialamt gestrichen, weil er angeblich in einer eheähnlichen Gemeinschaft lebte. Das Sozialamt hielt dies u.a. deshalb für erwiesen, weil das Bett der Mitbewohnerin „wie ein Ehebett bezogen“ sei, was auf eine sexuelle Beziehung schließen lasse, der Kühlschrank nicht unterteilt war und daher von gemeinsamer Lebensmittelnutzung auszugehen sei und die Badutensilien nicht getrennt aufbewahrt wurden.

Ferner las ich von einem Fall, in dem ein Paar gegen das Sozialamt klagte, weil der Hartz-Regelsatz von 345€ auf weniger als 320€ gesunken ist, nur weil die Partnerin bzw. der Partner HartzIV bezieht.

Hartz IV mag den Bürgern als Reform nahegelegt worden sein, die Folge war aber nur Angst vor dem Abstieg und zunehmende soziale Kälte.

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  • Klaus0815

    Das war das soziale Gewissen der SPD
    Ich hoffe nur, daß auch alle Wähler 2013
    dieses Geschenk nicht vergessen.

    Bei der SPD haben sich zwar die Gestalten
    geändert, weil Schröder und Clement ihre
    Gunst gegenüber der Wirtschaft, in lukrative
    Jobs eingetauscht haben, aber die nächste
    Garde mit Steinmeier, Gabriel und Steinbrück
    ist keinen Deut besser und wartet nur auf seine
    Chance.

    • Freiheitsliebender

      Es gibt einige wenige Ausnahmen wie Herrn Schreiner, aber ansonsten würde ich zustimmen!

  • TommyHB

    Ich bin ja schon erstaunt das, nach Jahren der Einführung mittlerweile soviele Blogs erkennen was die Hartz-Reformen gebracht haben. Gewarnt wurden damals alle, heute sind alle sehr schlau und ändern werden diese Menschen die heute so schlau daher reden auch nichts mehr an der Tatsache. Aber auch hier, man hat es ja nicht gewusst, keiner hat es uns erzählt.

    • Freiheitsliebender

      Der Autor des Blogs war zum Zeitpunkt der Einführung 13, er hat es wohl wirklich nicht gewusst

      • TommyHB

        Wenn der Autor erst 13 gewesen ist, als er diesen Blog eröffnete sei ihm verziehen. Mir ist aber leider nicht bekannt, seit wann ein 13 jähriger heute in der Lage ist einen Blog zu eröffnen und sich darüber im Klaren zu sein, was Politik und Wirtschaft bedeutet, geschweige denn Sozial- und Arbeitswissenschaften, BWL und Volkslehre.

        Ich dachte eher das dieses Klientel auch mit 13 bereits eher Ballerspiele am PC macht, DSDS, GZSZ, Alles was zählt, Dschungelcamp oder BigBrother im Fernsehen anschaut und wenn ein Programm das nicht liefert dann geht es ab auf Partie machen und saufen.

      • Freiheitsliebender

        Bitte genau lesen der Autor “Freeleo” war zum Zeitpunkt der Einführung von Hartz 4 13, also heute 20

    • freeleo

      Ich sage ja nicht, dass man mit der Implementation einer Policy den ultimativen Durchrbuch zu einem perfekt funktionierenden Staat macht. Politik ist nicht statisch, sondern dynamisch: Probleme werden definiert, eine Agenda wird aufgesetzt, die Politiker besprechen sich und das Gesetz wird implementiert. Am Schluss kommt die Evualuation. Und im Falle HartzIV muss man kritisch anmerken, dass HartzIV weder den Sozialstaat gefördert hat, noch Anreize für die Arbeitslosen geschaffen hat, Arbeit zu finden. Vielmehr verarmen die ohnehin schon Armen imm weiter.

       Die Menschen müssen doch erst Fehler begehen, um sie beheben zu können. Ein Fehler bleibt nur ein Fehler, wenn man diesen nicht aus der Welt schafft und neue policies bespricht und implementiert. Nur weil HartzIV schon seit bald zehn Jahren existiert heißt das nicht, dass wir nichts mehr daran ändern könnten.

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