Hagen Rether – Der Spiegel vor unseren Augen

Herr, wir sind so hohl, wie wir voll sind (…)
Herr, die haben Angst, dass ihre Kinder verhungern
Und wir haben Angst, dass unser Deo versagt
Und dass man uns beim Telefonieren im Auto erwischt.
Herr, wie kriegen wir in ihren Drittweltschädel rein,
Dass Du Europäer bist?

Eine Aussage, die auf den Punkt bringt, wie Hagen Rether die hiesige Politik und Gesellschaft auf den Arm nimmt und ihr ihre eigenen Fehler verdeutlicht.
Doch wer ist dieser Mann, der es wagt Comedy und Kabarett, abseits von den üblichen Themen zu machen?

Hagen Rether, 1969 in Bukarest geboren und in Freiburg aufgewachsen, ist einer der wenigen Kabarettisten, die uns den Spiegel vorhalten, wenn wir versuchen die Fehler anderer anzuklagen. Politisch gesehen würden die meisten ihn einen Linken nennen, da er sich für Dinge wie den Frieden ausspricht, gegen Waffenhandel und gegen offenen wie auch verdeckten Rassismus. Auch ist er globalisierungskritisch und zeigt das mit Sätzen wie diesem:

Oh Herr, wir wissen nix von der Zerstörung ganzer Volkswirtschaften durch Börsenspekulationen und von Umweltkatastrophen durch Ressourcenausbeutung.

Die haben Angst, dass ihre Kinder verhungern und wir haben Angst, dass unser Deo versagt.

Seine Auftritte begleitet er meist mit musikalischer Untermalung durch sein Klavier. Eins seiner weiteren Merkmale sind neben den Bananen, welche er auf das Klavier legt, womit er auf die von ihm kritisierte Globalisierung aufmerksam machen will, doch neben den Bananen ist der Baseballschläger sein Markenzeichen, welchen er bei einigen Auftritten mitsichführt.
Integrationspolitik und Kritik an uns

Die Integrationspolitik ist ein weiterer Bereich, der häufig Teil seiner Auftritt ist, er zeigt an Beispielen wie verfehlt unsere Integrationspolitik doch ist. Während andere Probleme nur bei den Migranten erkennen, sieht er auch Probleme in unserer Gesellschaft.

Die Türken sind seit 50 Jahren hier, doch kann einer einen Satz türkisch?

oder

Das sind Gastarbeiter, die haben keine Lieder, die haben Arbeitskraft

Dies zeigt sehr gut, wo er die Fehler der vergangen Jahrzehnte sieht, denn er erkennt, dass uns erst jetzt die Probleme anderer auffallen. Zuvor war letzteres Zitat eher kennzeichnend für die deutsche Politik.
Auch von unterschwelligem Rassismus berichtet er offen und ehrlich, während doch die meisten dieses Problem ignorieren.
Häufig kritisiert er die Militärpolitik, wobei er nicht die verurteilt, die schnell von den Massenmedien beschuldigt werden, vielmehr kritisiert er die, die den Krieg vorantreiben und vergisst auch nicht zu erwähnen, dass Deutschland doch der drittgrößte Waffenexporteur ist und somit diese auch vorantreibt.

Politically Incorrect

Es mag nicht politisch korrekt sein, was er äussert, denn so offene und ehrliche Kritik passt nicht in Zeiten, in denen man jede Äusserung gerne so unklar wie nur möglich formuliert. Seine Auftritte sind geprägt von ethischen Grundsätzen und Menschlichkeit, welche er verteidigt und aufrecht erhält, indem er seinen Zuschauern zeigt, wie schnell wir diese doch vergessen, wenn es um Vermehrung des Kapitals geht.
Es ist gut, dass es in Zeiten in denen so vieles falsch läuft, noch Leute gibt wie Hagen Rether und es ist schade, dass es doch nur so wenige gibt, die den Mut zur Wahrheit haben.

Hier noch einige Links zum Abschluss:

Die reden nicht mehr
Kopftuchverbot und Rassismus
Amerika und Bush

Der Artikel ist euch etwas wert:

  • Leif

    Muss ich denn türkisch lernen als Deutscher? Wenn ich in ein anderes Land gehe lerne ich als erstes die fremde Sprache, was sonst? Hier leben Türken in der dritten Generation und sprechen keinen ganzen Satz deutsch.

    Diese Vergleiche Rethers finde ich unangebracht. Die "Katholiken aus dem Kölner Dom" auf eine Ebene mit den Islamisten zu setzen, das kann nicht sein ernst sein. Auch zu den Kopftüchern: Vor etwa 15 Jahren hat man fast kein Mädchen auf der Strasse mit Kopftuch gesehen, heute fühlt man sich in einigen Stadtteilen eher als sei man in der Türkei. Die türkische Gemeinde lebt hier zum Teil komplett von der 'deutschen Aussenwelt' abgeschottet – Und die Deutschen nehmen das ganze lieber so hin, als sich von anderen als Faschisten schimpfen zu lassen.

  • Leif

    * Ich kann doch von niemandem im Ausland erwarten, dass er meine Sprache erlernt, wenn ich in dem Land, dass er seine Heimat nennt, leben will.

  • Vorurteilslos

    Es geht um einen Satz, damit ist wohl eher eine Geste gemeint, dass man die Leute will und das man sie nicht nur als Arbeitskraft ohne Kultur und Identität sieht.
    Und das Mädchen ein Kopftuch tragen ist jetzt Schuld der bösen Islamisten? Ob ein Mädchen ein Kopftuch trägt ist doch eindeutig ihre Angelegenheit und nicht die eines anderen.
    Nur wegen Kopftüchern fühlst du dich also wie in Istanbul?

  • Leif

    Leider ist es eben nicht so, dass die Frauen sich frewillig verschleiern. Und leider sieht man heute sogar Grundschülerinnen mit Kopftuch. In diesem Alter ist die Entscheidung wohl kaum auf freiwilliger Basis.

    Der Punkt mit den Islamisten steht überhaupt nicht mit den Kopftüchern in Zusammenhang. Lies dir in Zukunft einen Kommentar bitte genau durch wenn du dich darauf beziehst.

    Ich behaupte, dass sich die islamische Gemeinde in Deutschland sehr isoliert. Das merkt man auch daran, dass immer mehr Mädchen das Kopftuch tragen. Darauf bin ich in meinem Kommentar eingegangen.

  • Leif

    * Zu dem ersten Punkt: Das gilt natürlich nicht für alle Frauen! Es gibt jedoch viele Männer die ihre Frauen zur Verschleierung zwingen.

  • Leif

    Und es geht ihm anscheinend nicht nur um einen Satz: Er sagt "hier kann keiner einen Satz auf türkisch, oder ein türkisches Gedicht aufsagen". Ich kann auch keinen Satz türkisch, obwohl ich in einem türkischen Fussballverein gespielt und türkische Freunde habe.
    Das macht mich aber nicht zu jemandem, der in den Türken seine Feinde sieht und diese nicht Willkommen heisst!

  • rotekritik

    Leif, ich kenne viele Muslime privat und auch von sozialen Arbeit auf freiwilliger und unfreiwilliger Basis, sehr viele davon waren sogar weiblich und trugen manchmal ein Kopftuch, manchmal auch nicht. Es gab natürlich ein zwei die es nicht freiwillig getan haben, aber die anderen haben es freiwillig getan und ihre Freundinnen auch.
    In Deutschland werden Kinder dazu gezwungen mit in die Kirche zu kommen, sich dem konservativem Leben der Eltern anzuschließen etc. und da macht auch niemand einen Aufstand?
    Bei sog. Ausländern werden die kleinsten "Vergehen" direkt kritisiert während die Deutschen das gleiche tun.
    Wenn Du die Aussagen des Kabarettist mal etwas genau unter die Luppe nimmst siehst Du das er genau dies sagt. Man sollte eben erst vor der eigenen Türe kehren und nicht über andere ablenken.

  • Leif

    Ich sehe zumindest in der türkisch-islamischen Gemeinde in Deutschland deutlich schwerwiegendere Probleme. Dazu zählen zB die Zwangsehe, die komplette Isolierung gegenüber 'den Deutschen', die Ehrenmorde.

    Lass es auch nur eine gewesen sein, die ihr Kopftuch nicht freiwillig getragen hat. Genau um die geht es mir und genau wegen dieser einen Frau schreibe ich das hier! Es zählt für mich nicht die Masse. Solange es diese Fälle gibt werde ich auch Kritik dazu äußern.

    Und zu den Kindern, denen hier deiner Meinung nach das "konservative Leben der Eltern" aufgezwungen wird: Ein Kind, dass hier Sonntags zum Gottesdienst gehen muss hat nicht das gleiche Schicksal wie ein Kind aus Ostanatolien, dass nur 3 Jahre die Schule besuchen darf und dann mit 16 nach Deutschland zwangsverheiratet wird, dass dann nur verschleiert und am besten nur für den Besuch der Moschee das Haus verlassen darf.

    Genau das passiert nämlich und zwar hier vor unser aller Haustüren.

  • BlickRichtungSonne

    Hey Leif,
    ich bin immer wieder davon überrascht, dass man bei Debatten über Inklusions-Fragen sehr schnell auf die Kopftuchfrage, oder die Sache mit dem Ehrenmord zurückgreift. Es sind wirklich sehr schwierige Themen, dies liegt bestimmt auch an einer selbst nicht gewollten Inklusion, aber es sind die falschen Punkte die wir ansprechen. Man kann auch mit einem Kopftuch sehr wohl mit/in der "deutschen Gesellschaft" leben. Außerdem frage ich mich immer wieder, welche Jugendlichen, die muslimisch geprägt sind, in deiner Nachbarschaft von Ehrenmorden, oder anderen Themen die von Rechtspopulisten ausgenutzt werden, reden. Ich kenne keinen der seine Schwester auf ein Ehrenmord aufmerksam macht… Es sind vielmehr Familientragödien… So differenziert man mit einem versteckten Nationalismus die deutsche Gesellschaft von der eingewanderten Gesellschaft.

    Glaub mir, man kann auch ohne ein Kopftuch Muslimin sein, solche Musliminnen sind auch sehr wohl inklusierte Migrantinnen!

    Wir dürfen bestimmte Probleme nicht auf die ganze Gesellschaft beziehen! Ich sage ja auch nicht, dass alle Kardinäle, christlich Gläubige, Bischöfe, etc. grundsätzlich pädophil sind.

    Lasst uns die Augen aufmachen und lieber für eine BESSERE BILDUNG kämpfen… Wir müssen dringend wegkommen von dieser "Bahnhofspolitik"! Schon seit drei Generationen werden die gleichen Vorurteile gebracht!

    Leif, setz dich für ein Miteinander ein, nicht für ein Gegeneinander.

  • Leif

    Und genau darauf habe ich gewartet: Jetzt werde ich hier als derjenige dargestellt, der "gegen die Türken ist". Genau deswegen üben auch viele Deutsche keine Kritik – lieber lässt man die Türken machen was sie wollen, als sich womöglich noch Faschist schimpfen lassen zu müssen.

    Ich weiß auch nicht was die Tatsache, dass wir beide anscheinend keine Türken kennen, die von Ehrenmorden reden daran ändert dass diese hier immer wieder passieren. Und das sind nicht "Familientragödien", das ist eine ganz andere Kiste. Der älteste Bruder in einer türkischen Familie, der sog. "Abi" ist dafür zuständig die Familienehre aufrecht zu erhalten. Da werden junge Türkinnen ermordet, die ihrer Familie zu "westlich" geworden waren. Danach sitzt die ganze Familie vor dem Richter und sagt nichts, die Täter bereuen nicht mal was sie getan haben.
    Ich weiß nicht was es daran ändert, dass deine oder meine Freunde anscheinend nicht zu "Ehrenmördern" werden – es gibt sie dennoch. Und der Ehrenmord ist ja auch nur der Gipfel des Eisberg – Die Probleme von denen niemand etwas mitbekommt passieren in vielen türkischen Haushälten hier in Deutschland. Da werden Frauen regelrecht versklavt. Über 60% der ostanatolischen Frauen die in Deutschland heiraten werden zwangsverheiratet – das sind alles andere als nur Einzelfälle.

    Ich habe nie behauptet, dass eine Frau ohne Kopftuch keine Muslimin sein kann. In Bezug auf das Kopftuch habe ich lediglich darauf hingewiesen, dass einige Männer ihre Frauen zur Verschleierung zwingen bzw. habe ich kritisiert, dass Kinder ein Kopftuch tragen.

    Und wenn du mir vorwirfst ich beziehe die Probleme auf die gesamte Gesellschaft dann legst du mir Worte in den Mund. Ich sehe nur nicht ein, diese Probleme einfach unter den Tisch zu kehren. Es darf nicht sein, dass Frauen hier in Deutschland regelrecht versklavt werden und unter unwürdigen Umständen leben müssen.

    Ich verstehe nicht, warum ich deiner Meinung nach jetzt "für ein Gegeneinander" bin – sollen wir etwa weiter über diese 'unangenehmen' Themen schweigen?

  • BlickRichtungSonne

    Dein erster Teil erinnert mich sehr stark an Artikel aus einer gewissen "Zeitung"!
    Ich gehe davon aus, dass du sehr viele Freunde mit Migrationshintergrund hast, du kannst die ja mal persönlich Fragen, was die von solchen Sachen halten! Mach das lieber, anstatt auf gewisse Quellen zurückzugreifen!

    Das war deine Aussage: "Ich sehe zumindest in der türkisch-islamischen Gemeinde in Deutschland deutlich schwerwiegendere Probleme."
    "Gemeinde", was ist an diesem Wort nicht verallgemeintert? Vorallem die "türkisch-islamische Gemeinde"!

    Ich wiederhole mich: Bild dir DEINE Meinung. Tu es wirklich…

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