Erster Demografiegipfel in Deutschland

Der Demografiewandel: Alles nur Schwarzmalerei oder Wahrheit? Quelle: http://www.flickr.com/photos/missmuffin/4368729/sizes/m/in/photostream/
Kaum ein anderes Thema ist in den letzten Jahren so oft disktuiert worden wie das des Demografiewandels. Dass nun am 4. Oktober der erste Demokratiegipfel in Deutschland angesetzt wurde, ist nach den langen Debatten die logische Schlussfolgerung. Interessant dabei wird vor allen Dingen sein, inwieweit auf die Bedürfnisse der Älteren Bevölkerung geachtet wird oder ob der Wandel – wie so oft – mit mathematischen Formeln erklärt wird. Das Problem ist aber – wie es scheint – nicht mit einer komplizierten Formel zu lösen.
Während die einen die Entwicklung der Demografiekurve und dessen Probleme als initiiert darstellen und von einer logischen Entwicklung sprechen, auf die man sich schon hätte vor Jahren vorbeireiten können, gibt es auch noch die andere Partei, zu denen jener zählt, der den Demografiewandel keinefalles bagatellisieren möchte und vielmehr bestürzt in eine Zukunft voller alter Menschen blickt.
Es wurde Zeit, dass nicht länger allein durch die Kanäle des Radios und Fernsehen über dieses Thema diskutiert wurde, sondern nun alle, Vertreter aus Politik, Wissenschaft und Gesellschaft, über die Folgen des demografischen Wandels sprechen. Besonders die Politik und ihre Wissenschaft ist dabei gefragt, die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen, um Gefahren aus dem Weg zu gehen. Soviele Zweifel noch bestehen, wie die Zukunft aussehen wird, eines ist sicher: Die Gesellschaft wird sich radikal ändern müssen. In der Veränderung ist aber auch ein Schatz begraben, der die Chance mit sich bringt, die Gesellschaft wieder zusammenwachsen zu lassen – ein Vorgang den wird in den letzten Dekanden nur in negativer Hinsicht beobachten konnten.
Aus alt mach neu
Die Zahlen mögen eine deutliche Sprache sprechen: Die Zahl der erwerbsfähigen Personen im Alter von 15 bis 64 Jahren könnte nach Prognosen bis 2050 von 53,5 auf 38,6 Millionen schrumpfen, also um rund ein Drittel. Damit stehen künftig deutlich weniger Personen im erwerbsfähigen Alter zur Verfügung, um die Personen zu versorgen, die noch nicht oder nicht mehr arbeiten. Ein solcher Rückgang der erwerbsfähigen Menschen – das sieht nach einer mittelgroßen Katastrophe aus. Dass ein solcher Rückgang aber nicht zwangsläufig den Fall unseres System bedeuten würde, zeigt unter anderem die
Entwicklung in den letzten Jahrzehnt in Deutschland: Hier ist es gelungen, trotz schwindender Bevölkerungszahlen die Zahl der Beschäftigten um zwei Millionen zu erhöhen. Erreicht wurde das vor allem durch die wachsende Erwerbsarbeit von Frauen.
Städtebau wird sich anpassen müssen
Der wachsende Anteil älterer Menschen erfordert erhebliche Investitionen in den Wohnungsbau. Gefordert sind altengerechte Privatwohnungen, aber auch neue Wohnformen und Unterstützungsleistungen. Damit alte Menschen möglichst lange zu Hause leben können und Kontaktmöglichkeiten behalten, müssen Städte und Gemeinden Wohnviertel umgestalten, Verkehrsinfrastruktur erhalten und Serviceangebote entwickeln. Altenheime und Krankenhäuser müssen sich auf eine wachsende Zahl pflegebedürftiger und dementer Personen einstellen.
DGB kritisiert
DGB-Chef Michael Sommer sieht im Demografiewandel hauptsächlich die Legitimierung, den Billiglohnsektor weiter auszubauen. “Viele gesellschaftliche Probleme werden zu Unrecht auf die demografische Entwicklung zurückgeführt”. Sommer rückt in seiner Argumentation immer wieder die Arbeitsmarktpolitik in den Vordergrund. “Für die Zukunft der Renten und die Sicherung von Fachkräften ist aber vor allem eine kluge und gerechte Arbeitsmarktpolitik entscheidend.”
Generell gibt sich der Gewerkschaftsboss sehr kritisch, sieht aber auch im Demografiegipfel die Chance, möglichst viele Interessengruppen in die Diskussion miteinzubeziehen. “Wir brauchen keine Scheindebatten, stattdessen müssen alle Fakten und Argumente auf den Tisch.”
Müntefering gibt sich gespalten
“Es reicht nicht, wenn der Bund analysiert und Zahlen nennt – und dann den Kommunen sagt, sie sollen selbst damit fertig werden.” Mit diesen Worten mag der Ex-Vizekanzler wohl recht haben, eine Lösungsvorschlag mag man von seiner Seite aber auch nicht hören. Anstatt die Kommunen fianziell zu stärken, veramren immer mehr Kommunen und verlieren gleichzeitig ihre Handlungsmöglichkeiten dem Demografiewandel entgegenzuwirken. Was man derzeit beobachten kann, zielt genau in die falsche Richtung. Von Vorteil wäre es, die Kommunen zu stärken, was aber passiert ist die Verlagerung von Hoheitsrechten hin zur EU, die schließlich mit den Problemen noch weniger anfangen könnnen. Nicht selten gehen solche Programme im Bürokratiestau unter.

