Das Ende des Fleischzeitalters

Tofuburger, Quelle: http://www.flickr.com/photos/24315349@N07/5569661180/sizes/m/in/photostream/

Fleisch ist gesund. Fleisch gibt Kraft, im Fleisch stecken wichtige Proteine – das jedenfalls bekommt man im Alltag oft zu hören. Fleisch mag zwar zu unserer heutigen Ernährungskultur dazugehören wie die Butter zum Brot, allerdings sollten wir die durch die Fleischindustrie verursachten Umweltschäden und die Gesundheitsrisiken nicht ausklammern. Denn stellt man eine pro-kontra-Liste auf wird schnell klar, dass unser Fleischkonsum die Grenzen des Guten gesprengt hat.

Wenn es nach den Berechnungen des Forscherverbands Global Footprint Network geht, so verbraucht die Menschheit derzeit eineinhalbmal so viele Ressourcen, wie die Erde bereithält. Und da wir nunmal nur eine Erde zur Verfügung haben, bietet es sich an, unser Konsumverhalen nicht nach Geschmack und Preis auszurichten, sondern an der Nachhaltigkeit und der Gesundheit. Zudem gibt es reichlich Alternativen zum Fleisch: Die Tofubranche orientiert sich mittlerweile an der Fleischindustrie und versucht dabei immer wieder die Konsistenz und den Geschmack des Fleisches zu imitieren. Dies mag ein wenig absurd klingen, wenn aber durch diese Maßnahme die Umwelt geschont wird, weniger Tiere leiden müssen und der Konsument sich gesünder ernährt, erscheint diese Strategie wiederum plausibel.

Fleisch wird zum Luxusproblem

Der Fleischpreis wird in Zukunft stark ansteigen – Fleisch wird zum Luxus. Das meinen zumindest Forscher des Stockholm International Water Institute (Siwi) anlässlich des weltweiten Wassertages in ihrer neuen Studie. Verantwortlich dafür sei der wachsende Fleischkonsum in den Schwellenländern nach westlichem Vorbild, das Wachstum der Weltbevölkerung und die zunehmende Wasserknappheit.

Aus der Studie geht außerdem hervor, dass die Weltbevölkerung bis zum Jahr 2050 von heute 7 auf 9 Mrd. Menschen ansteigen werde. Es gebe jedoch auf den derzeit verfügbaren Ackerflächen schlicht nicht genug Wasser, um sie mit dermaßen viel Fleisch zu ernähren. Zudem ist es so, dass die Fleischindustrie nicht exorbitante Summen an Getreide verschlingt – auch die Wasserbilanz ist erschreckend. Die Herstellung eines einzigen Kilogramms Schweinefleisch verschlingt rund 10.000 Liter.

Eine Milliarde hungern

Eigentlich gibt es schon heute genug Getreide, um noch weit mehr als 9 Mrd. Menschen zu ernähren. Wohlmöglich könnten bis zu 14 Millarden Menschen ernährt werden. Doch von dieser Utopie sind wir noch weit entfernt – eine Milliarden Menschen leiden tagtäglich hunger. Ein Grund für diese Misere ist sicher der Umgang mit dem Getreide: Mehr als die Hälfte des Getreides wird zu Viehfutter und Biosprit verarbeitet oder landet im Müll, so die Wissenschaftler. Doch anstatt dass Politiker und Verbände zu einer bewussteren Ernährung aufrufen und den Bürger mit Tatsacheninformationen füttern, bleibt bei einigen noch das alte Bild des gesunden Fleisches in den Köpfen verhaftet. Zwar zerreißen sich die Wissenschaftler schon seit längerem die Mäuler ob nun Fleisch gesund sei oder nicht; Geht man jedoch mit einer gewissen Objektivität an die Angelegenheit, so muss man erkennen, dass Antibiotika, Wachstumshormone und Impfstoffe alles andere als natürliche Inhaltsstoffe von Fleisch sind und somit nur begrenzt gesund sein können.

Skandale bringen Aufmerksamkeit

Bald nur noch ein Luxusgut? Quelle: http://www.flickr.com/photos/6×7/3944814369/sizes/m/in/photostream/


Dass der ausgeartete Fleischkonsum weder gesund noch umweltfreundlich ist, erreicht immer  mehr die Massen. Lebensmittelhersteller reagieren auf den Veggietrend, bieten vegetarische Grillmaultaschen an, Grillkäse, verschiedene Tofugerichte etc. Es scheint sich etwas im Bewusstsein der Menschen zu verändern. Großen Anteil daran haben gemeinnützige Organisationen, die sich für eine Reduktion bis hin zur kompletten Einstellung des Fleischkonsums einsetzen. Die Gründe dafür – auch das versteht die Agrarindustrie – reichen vom Tierschutz über Tierrechte bis hin zum Umweltschutz und dem Eintreten für Menschenrechte (Ernährungssicherheit, Arbeitsbedingungen).

Jüngstes Beispiel ist der shit-storm gegen SV Werder Bremen, der vor einigen Wochen ins Rollen gebracht wurde. Als bekannt wurde, dass Wiesenhof neuer Hauptsponsor des Bundesligisten SV Werder Bremen wird, assoziierten viele mit Wiesenhof die Skandale in der Vergangenheit: Wiesenhof wird immer wieder Tierquälerei vorgeworfen.

Shitstorms wie dieser zeigen, dass viele der Konsumenten bereit sind zu handeln.

Weniger ist mehr

Um Teil des sich verändernden Konsumverhaltens zu sein, ist ein Weg – und wohl auch der konsequenteste -  das Fleisch und die Tierprodukte komplett zu meiden. Wer sich das nicht vorstellen kann, kann einen anderen Weg gehen. Eine Reduktion des Fleischkonsums kann in der Masse bereits viel bewirken. Dabei geben die Ergebnisse einer Emnid-Umfrage Hoffnung für die Zukunft: Laut dem Bericht wollen 51% der Deutschen weniger Fleisch konsumieren. Flexitarier, diejenigen also die hauptsächlich Gemüse, Sojaprodukte und Obst essen und nur noch selten Fleisch zu sich nehmen, können somit einen großen Beitrag zu einer nachhaltigerem Konsumverhalten beitragen.

Die Initiative “Donnerstag ist Veggietag”, an der sich das Umweltforum Mannheim e.V., die Grüne Jugend Mannheim, das Bündnis 90/Die Grünen Mannheim, die BUND Kreisgruppe Mannheim, die Grüne Alternative Hochschulgruppe Uni Mannheim, die Initiative “100 Pro Energiewende e.V” , die linksjugend Mannheim und der Juso Kreisverband Mannheim beteiligen, spricht dabei immer mehr Bürger an, die weniger Fleisch konsumieren möchten. Es wurde fertiggebracht, dass am vergangenen Donnerstag fast alle Mannheimer Restaurants verstärkt vegetarische Gerichte anbieten. In der Universitätsmensa gab es an diesem Tag ausschließlich vegetarische Küche.

Bewusst den Wandel herbeiführen

Mit der Maßnahme allein weniger Fleisch zu essen ist natürlich noch keine absolut bessere Welt erschaffen. Der Einfluss der Nahrungsmittelkonzerne und ihr Profitstreben wird im kapitalistischen System Bestand haben und auch die Nahrungsmittelspekulanten werden sich in Zukunft weiterhin die Hände reiben.

Das geniale an der bewussten Ernährung ist nicht nur die gesündere Ernährung, sondern eben auch der Umweltschutz und vor allen Dingen der Triumpf der Aufklärung: Es gibt immernoch genug Menschen die im Glauben sind, dass der Vezehr von beispielsweise einem Steak nicht umweltschädlich sei. Steigt erst einmal der Druck auf die Konzerne, so werden sich die Konzerne den Verbrauchen anpassen müssen und nicht umgekehrt. Bis es soweit gekommen ist, lohnt es sich natürlich beim Kochen Produkte aus der eigenen Region zu verwenden.  Das ist gesund, günstig und umweltfreundlich.

 

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