Carrotmobs – kleine Schritte zur Demokratisierung von Unternehmen
Flashmobs kennt wohl mittlerweile jeder. Im Zeitalter des Internets ist die Entstehung von Flashmobs und die Versammlung von vielen Menschen, die kreative und lustige Ideen umsetzen wollen nur eine logische Schlussfolgerung. Carrotmobs, so könnte man sagen, sind die Weiterentwicklung von Flashmobs. Es mag zwar lustig sein, wenn 50 Leute den Moonwalk auf der Domplatte tanzen, um kurze Zeit später so zu tun, als sei nichts gewesen. Doch mit Carrotmobs lässt sich die Welt leichter retten.
Was ist denn nun ein Carrotmob genau? Ein Carrotmob ist zwar immer noch ein mob, also soetwas wie eine Bliz-demo, aber bedarf der Carrotmob deutlich mehr Planung und Struktur als ein Flashmob. Die Teilnehmer und Initiatoren des Carrotmobs setzen sich zum Ziel, ein Geschäft oder ein Restaurant zu einem bestimmten Tag regelrecht leerzukaufen. Wer nun denkt, die Aktion nutze nur den Großunternehmen, der täuscht sich. Die Carrotmob-Initiatoren handeln in der Regel einen Deal mit dem Geschäftsführer aus – frei nach dem Motto “wir machen die Hütte voll, du wirst das Geschäft deines Lebens machen, ABER…”.
Hinter dem “ABER” versteckt sich nichts anderes als die gute Absicht, das Geschäft oder Restaurant anschließend mit energieeffizienten Haushaltsgeräten auszustatten. Je nach Umweltfreundlichkeit des Geschäftsführer wird mal die Hälte des Tagesgewinns, manchmal auch der komplette Tagesgewinn der Carrotmob-Aktion für den Kauf von energieeffieizenten Geräten aufgewendet. Ganz egal ob es sich dabei um einen Kühlschrank, Lampen oder Isolierungen handelt. Hauptsache das Gemeinwohl wird gestärkt und der Bürger kann kinderleicht, auch wenn er vom “Öko-Trend” noch nicht so recht begeistert ist, durch ein bewusstes Konsumverhalten einen kleinen Beitrag für die Umwelt leisten.
Ökologisches mit Sozialem verbinden
Ein Carrotmob soll aber keinesweges ein grünangemaltes Konsumieren bedeuten. Eine große Rolle spielt das Soziale: Neue Leute kennenlernen, mit denen man sich vernetzen und eine besseren Welt schaffen kann. Ein weiterer Pluspunkt des Aufeinandertreffens von handelnden Bürgern ist die Bewusstseinsschaffung für ein nachhaltiges Konsumverhalten. Auch werden Passanten durch die Mobilisierung hellhörig und erkundigen sich, warum sich so viele Menschen in einem Geschäft tummeln. Allein schon die Neugier zeigt den Mitmenschen, dass auch an kleineren Projekten viele Menschen teilnehmen - das motiviert auch Menschen, die sich in einer komplexen Welt ohnmächtig fühlen und lieber schwarz anstatt weißmalen. Was einen Carrotmob ebenfalls auszeichnet, ist die freie Gestaltung und offene Haltung gegenüber den Mitmenschen. Jeder kann Teil des Projekts sein, hier ist es nicht nötig im steifen

Die Karotte macht’s! Quelle:http://www.flickr.com/photos/41191752@N04/4127199983/sizes/m/in/photostream/
Parteiensystem zu denken. Ob SPD,JuSos, Grüne, Gahg, BUND, Linke, Greenpeace oder Attac, ganz egal: Es wird zusammen gehandelt, der Einzelne ist kein Anhänger von einer Organisation, Partei oder Verein. Der Einzelne ist vielmehr Teil einer Bewegung, die sich zusammen für einen bewussteren Umgang mit Lebensmitteln stark macht, die Kommune stärken und Menschen zusammebringen möchte.
Carrotmobs als Aufklärungsarbeit
Viele wissen gar nicht, wie schädlich unser Konsumverhalten ist. Ergo muss der erste Auftrag “Informieren” lauten. Dies kann wunderbar inform von Flyern geschehen. Auf dem Flyer können sich interessante Links zu Beiträgen und Videos befinden, sodass auch nach dem Mob nicht wieder alles und jeder in seine alten Bahnen zurückfällt. Der Flyer sollte aber nicht nur informieren, sondern auch deutlich machen, dass es an den der Gesellschaft liegt zu handeln. Auch sollte nicht das Bild des Ochs vorm Berg skizziert werden; Vielmehr soll der Flyer dem Interessierten Motivation spenden – frei nach dem Motto: Wir brauchen noch viel mehr Carrotmobs in unserer Stadt. Es geht weiter!
Was geschieht mit Altgeräten?
Carrotmob: Das klingt nach einem perfekten Schachzug: Der glückliche Geschäftsführer kann sich über ein top Marketing und einer vollen Kasse am Ende des Tages freuen, das Gemeinwohl wurde gestärkt, es ergeben sich Pläne für die Zukunft, der Bürger wird ohne mit den Finger auf ihn zu zeigen informiert und angeregt seinen Stromverbrauch daheim zu reduzieren etc.. Aber Vorsicht: Zu viel Euphorie schadet dem Endergebnis. Das Projekt sollte rund sein, was ein effizientes Marketing und eine kritische Auseinandersetzung mit den Neugeräten miteinschließt. Ein Kühlschrank mit der Energieeffizienzklasse A+++ ist sicher besser als das Altgerät mit dem “A-Aufkleber”. Es sollte vorher ausgerechnet worden sein, wann sich die Investition amortisiert hat und ob sich die Neuanschaffung überhaupt lohnt, da die Produktion des Neugeräts Co2 verursacht, Ressourcen benötigt und in der Produktion eben auch viel Strom kostet.


