Betreuungsgeld, nein Danke!

Ab 2013 soll das Betreuungsgeld kommen. Eltern, die sich gegen einen Kitaplatz für ihr Kind entscheiden, erhalten monatlich 150€. Die Idee des Betreuungsgeldes ist keine neue Idee, nur wurde eine öffentliche Debatte durch die schwammige gesetzliche Formulierung umgangen. In diesen Wochen wird wieder heftig über den Sinn des Betreuungsgeldes diskutiert, die Gegner mehren sich – einerseits aus den eigenen Reihen, andererseits aus denen der FDP.

„Ab 2013 soll für diejenigen Eltern, die ihre Kinder von ein bis drei Jahren nicht in Einrichtungen betreuen lassen wollen oder können, eine monatliche Zahlung (zum Beispiel Betreuungsgeld) eingeführt werden.“ So lautet §16 Abs. 4 im Sozialgesetzbuch. Das für 2013 geplante Betreuungsgeld ist Gegenstand des Koalitionsvertrages und zudem von Angela Merkel stark unterstützt. Zwar wächst der Widerstand gegen das Betreuungsgeld, doch scheint ein Durchsetzen des geplanten Betreuungsgeldes – auch Herdprämie genannt – momentan als wahrscheinlich. Eine genauere Betrachtung des Betreuungsgeldes lohnt sich also.

Betreuungsgeld im Detail

Die Familienministerin Kristina Schröder, Initiatorin und Befürworterin des Betreuungsgeldes, spricht von einer lösbaren Aufgabe, das Projekt namens Betreuungsgeld ohne hohe Kosten für den Haushalt durchbringen zu können.

Die von Schröder für die Herdprämie genannten benötigten Mittel in Höhe von 440 Mio. EUR sind schlichtweg nicht korrekt. In Wirklichkeit entspricht diese Zahl nur einem Drittel der gesamten Kosten. Realistisch stehen 1,2 Mrd. EUR zur Debatte, wenn man davon ausgeht, dass sich im kommenden Jahr die Eltern von 1,1 Mio. Kindern gegen einen Kitaplatz entscheiden. Vor wenigen Jahren schrien alle noch: Wir brauchen mehr Kitaplätze, die frühkindliche Erziehung ist von enormer Bedeutung – und sie hatten Recht. Wären diese Wegbereiter ihrem Pfad treu geblieben, so wäre nun zusätzlich zum Kita-Ausbau eine Verbesserung des Angebots an Kindergärten und die Sanierung von maroden Kindergärten an der Reihe. Unverständlicherweise werden nun Anreize für die Eltern geschaffen, ihre Kinder lieber zu Hause zu lassen und 150€ zu kassieren. Gefahren birgt dieser Anreiz vor allen Dingen bei sozial schwächeren Familien, beispielsweise Familien, die von Hartz IV leben. So sehen sich viele dem Dilemma ausgesetzt, entweder ihr Kind in einer Kita zu fördern und somit die Wahrscheinlichkeiten für eine bessere Zukunft zu maximieren oder das jetzige Leben ein wenig würdiger zu gestalten. Nimmt man den HartzIV-Regelsatz von 359,- € als Bezugsgröße, so entspricht das monatl. Betreuungsgeld immerhin der Hälfte eines HartzIV-Regelsatzes – ist also unglaublich hoch.

Falsche Anreize! Wir brauchen Erzieher!

Wie oben geschildert, werden durch das Betreuungsgeld Anreize geschaffen, das Kind lieber daheim in der Familie zu lassen. Dabei betonen Pädagogen und Erziehungswissenschaftler immer wieder, wie wichtig das Lernen unter Gleichaltrigen ist. In diesem Alter von zwei bis drei Jahren werden die Weichen für die Zukunft gestellt, der Mensch lernt in dieser Zeit nie wieder so viel wie im Rest seines Lebens. Aus diesem Grund dürfen seitens des Familienministeriums keine Anreize für eine Entscheidung gegen die Kita-Erziehung geschaffen werden.

Ein altes und allseits bekanntes Problem ist jenes, dass es zu wenig Erzieher gibt; Erzieher spielen für die Kinder eine wichtige Rolle und sind elementar für ihre Entwicklung. Sicherlich kann man keinen Menschen in Deutschland zwingen, in einem Kindergarten als Erzieher zu arbeiten, aber die hohen Hürden(Hochschulabschluss) und die miserable Bezahlung inklusive mäßiger Wertschätzung seitens der Eltern verleiten wohl die Wenigsten, eine Ausbildung zum Erzieher auch nur in Erwägung zu ziehen.

CDU stellt sich gegen Betreuungsgeld

Die CSU wurde kalt erwischt. Bereits haben 23 CDU-Abgeordnete angekündigt, das Betreuungsgeld abzulehnen. Das Problem scheint erkannt, aber noch nicht gebannt zu sein.Denn auch wenn die Kritik  aus den Reihen der CDU und der FDP weiter wächst – Das Betreuungsgeld ist im Koalitionsvertrag festgelegt.

Weiterhin will Angela Merkel daran festhalten, wohl auch, weil CSU-Chef Horst Seehofer auf der Einhaltung des Vertrags besteht.Jedoch darf man an dieser Stelle darauf hinweisen, dass Seehofer für seine Wendemanöver bekannt ist. Mal schaun, ob es dieses Mal für einen U-Turn reicht.

Laut Schröder ist nur eine Minderheit arm

Es gebe Kinder, die aus so schwierigen Verhältnissen kämen, dass sie von einer frühen Förderung in der Kita stark profitieren würden. “Diese kleine Gruppe sollten wir im Auge haben, wenn es darum geht, beim Betreuungsgeld einen falschen Anreiz zu vermeiden”, erzählte die gebürtige Wiesbadenerin. Warum Schröder angesichts 2,4 Millionen Kindern, die in Armut aufwachsen, von einer Minderheit spricht, mag ihr Geheimnis bleiben. Fakt ist, dass jedes sechste Kind in Deutschland in Kinderarmut aufwächst.(Von Armut gefährdeten Kindern spricht man dann, wenn die Erziehungsberechtigten weniger als 60% des Durchschnittseinkommen verdienen). Gerade diesen Kindern muss der Zugang zu Kitaeinrichtungen nicht nur ermöglicht werden, sondern es müssten auch Anreize geschaffen werden, mehr Kinder in Kitas zu bringen – vorausgesetzt man nimmt sich des Kitaausbaus und der Förderung des Erziehungspersonals an. Anreize schaffen ja, aber nicht in die falsche Richtung!

“Wer sein Kund mit zwei Jahren in die Krippe gibt, ist nicht herzlos. Und wer die Betreuung im zweiten Lebensjahr selbst übernimmt, ist nicht hirnlos.” Frau Schröder, wer hirnlos ist, erzieht gar  kein Kind und von Herzlosigkeit spricht man dann, wenn man Kindern systematisch den Zugang zu frühkindlichen Bildungseinrichtungen verwehrt. Was Deutschland braucht, sind tolerante, aufgeweckte und gebildete Nachkommen, die die Probleme der Zeit lösen können und keine Anreize für Eigengewächse aus dem eigenen Haushalt. Betreuungsgeld, nein danke!

  • Gast

    Ich glaube nicht, dass es notwendig ist,Kinder unter 3 Jahren in einer oeffentlichen Einrichtung zu betreuen, um sie altersgerecht foerdern zu koennen. Ihr, liebe Autoren der Freiheitsliebe, seid nicht so aufgewachsen und ich habe nicht den Eindruck, dass es euch an etwas gefehlt hat, auch nicht an Foerderung. Es gibt Krabbelgruppen und andere Moeglichkeit auch sehr kleine Kinder mit anderen in Kontakt zu bringen. Die Erfahrungen aus Belgien und Frankreich, wo Kinderbetreuung selbst im sehr fruehen Alter ueblich ist, zeigen, dass es auf die Qualitaet der Einrichtungen ankommt. Haeufig sind sehr kleine Kinder in grossen Gruppen ueberfordert. Geht es nicht eigentlich darum, Muettern ein schlechtes Gewissen einzureden, wenn sie ihre Kinder nicht in die Betreuung geben? Heute werden qualifizierte Arbeitskraefte gesucht, also sollen Eltern so schnell wie moeglich wieder in den Beruf einsteigen und ihre Zeit nicht mit Erziehung “vergeuden”. Frueher war es einmal anders herum. Eigentlich machen wir uns alle nur zu Handlangern der Wirtschaft. Werden Arbeitskraefte gebraucht, so ist es opportun Kinder fruehzeitig fremd-betreuen zu lassen, gibt es eine Arbeitskraefteschwemme so wird man wieder betonen, wie wichtig es ist, dass Kinder in der Familie aufwachsen. Es kommt vor allem auf die Qualitaet der Betreuung an, nicht darauf wo und wie diese stattfindet, sei es zu Hause oder in der Kita – KInder brauchen Aufmerksamkeit, Anregungen und sehr viel Zeit.

  • http://www.facebook.com/people/Frank-Poschau/100003323562901 Frank Poschau

    Frau Schröder will sich auf dem Rücken der Schwächsten, Frauen und Kinder
    die der Häuslichen Gewalt ausgesetzt sind, profilieren. Eine Nummer, 0800116016
    soll es richten, Geschädigte sollen anrufen können und durch Gelaber von
    gelernten und angelernten Psychologen Hilfe erhalten. Ich erbreche gleich,
    bringt mir diese Schröder….. Da werden Frauenhäuser geschlossen, den Helfenden
    werden die Mittel gekürzt, weil die Städte und Gemeinden die Gemeinschaftsaufgaben
    nicht mehr erfüllen können und diese arrogante Frau Schröder setzt sich ins Fernsehen,
    erklärt, dass sie das Rad neu erfunden hat. Frau Schröder kommen sie zu mir,
    ich verspreche es tut nicht weh, jedenfalls nicht so, was sie den geschändeten
    Frauen und Kindern antun.

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