800 Millionen Menschen leiden an Hunger
Die Spekulationen mit Nahrung sorgen in immer mehr Ländern dieser Welt für einen Anstieg von Hunger. Allein in Burundi, Eritrea und Haiti ist mehr als die Hälfte der Menschen unterernährt. In 17 weiteren Staaten ist die Situation ebenfalls bedrohlich, so berichtet die Welthungerhilfe, die vor allem die großen Firmen und deren Landgrabing kritisierte.
Private Investoren verschärfen nach Erkenntnissen der Welthungerhilfe das weltweite Hungerleiden. Deren Anbau von Getreide für die Viehfütterung und für Biokraftstoffe sei ein drängendes Problem, so die Präsidentin der Deutschen Welthungerhilfe, Bärbel Dieckmann. “Jeder achte Mensch auf der Welt hungert.” Insgesamt hungerten weltweit rund 870 Millionen Menschen. “Extrem alarmierend” sei die Situation in Burundi und Eritrea in Afrika sowie in Haiti in der Karibik. Dort sei über die Hälfte der Menschen unterernährt. Weitere 17 Staaten müssen sich Sorgen um die Situation im eigenen Land machen, alle Staaten liegen in Asien oder südlich der Sahara. Betroffen ist unter anderem auch Indien, das über eine große Anziehungskraft für Unternehmen verfügt, dabei die Grundrechte der Bevölkerung kontinuierlich senkt. Die Situation in Nepal und Bangladesch sowie Madagaskar, Mosambik und Äthiopien ist ebenfalls alarmierend.Seit 1990 hat sich die Lage nach Angaben der Welthungerhilfe zwar etwas verbessert.
Die zunehmende Ressourcenknappheit in den Entwicklungsländern beeinträchtigt den Kampf gegen den Hunger. “Regierungen in Industrie- und Entwicklungsländern werden aufgerufen, eine aufeinander abgestimmte Land-, Wasser- und Energiepolitik umzusetzen. Nur dann kann Ernährungssicherheit wirksam und nachhaltig sein”, fordert Klaus von Grebmer, Senior Research Fellow vom International Food Policy and Research Institute (IFPRI) in Washington.
Landgrabbing und seine Folgen
Landgrabbing, der Ankauf großer Flächen durch ausländische Investoren, die die Waren und den Gewinn direkt aus dem Land abziehen, würde ebenfalls zum Hunger beitragen, so die Deutsche Welthungerhilfe.
Dieckmann forderte deshalb, den gemeinsamen Anbau von Getreide beispielsweise in Genossenschaften voranzutreiben und so ein Umdenken in den Wirtschaftsprozessne zu erreichen. “Wir brauchen Regierungen, die Verantwortlichkeit zeigen für die Menschen.” In Sierra Leone seien zum Beispiel bereits rund 20 Prozent der verfügbaren Flächen an Unternehmen anderer Länder verkauft worden.
Ein weiteres Problem ist die Spekulation mit Lebensmitteln, unter der immer mehr Menschen leiden, damit die großen Konzerne und die Spekulaten größere Gewinne einstreichen können.In den letzten Wochen sind vor allem die Preise für Mais und Sojabohnen, die vor meist als Futtermittel eingesetzt werden, auf einen historischen Höchststand geklettert. Nicht nur Mais und Sojabohnen, sind deutlich teurer geworden, auch Weizen.
Der Preisanstieg für Weizen sorgt für humanitäre Katastrophen, da die Preiserhöhungen in keinem Verhältnis zu den Lohnentwicklungen stehen. Die Organisation Foodwatch, die sich mit den Folgen von Nahrungsmittelspekulationen beschäftigt, hat den Journalisten Schumann für ein halbes Jahr von seinem Arbeitgeber Tagespiegel freistellen lassen, um die Folgen der Wetten auf Getreide- oder Zuckerpreise zu untersuchen. Das Ergebnis ist der Report “Die Hungermacher – Wie Deutsche Bank, Goldmann Sachs Co. auf Kosten der Ärmsten mit Lebensmittel spekulieren”. Die Folgen der Spekulationen sorgen für tausende Tote Woche für Woche.
Kampf gegen Hunger
Ziel beim Kampf gegen den Hunger sei es, mehr Lebensmittel auf weniger Land mit weniger Wasser zu produzieren, so die Welthungerhilfe. Dafür sei eine “aufeinander abgestimmte Land-, Wasser- und Energiepolitik” entscheidend, die von Entwicklungs- und Industrieländern gemeinsam betrieben werden muss. Neben einer abgestimmten Politik muss vor allem die Spekulation mit Lebensmitteln verboten werden, da Menschenleben der Spielball einiger Weniger sind, wie inzwischen auch verschiedene Banken einsehen mussten.


