Parada – Belgrad Pride

Am 30. September beginnt in Belgrad die Woche des „Stolzes“. Die Veranstaltung wird von der Lesben, Schwule, Bisexuelle und Trans Gemeinde Serbiens organisiert, die sich für diesen Zweck unter einem Dachverband vereinigt haben, der „Parada Ponosa“, der „Parade des Stolzes“. Für das eigentliche Ende der Aktionswoche am 6. Oktober ist, wie seit 2010, eine Parade geplant, die wie die Jahre zuvor bereits ihre Schatten vorrauswirft.

Serbien, der Balkan und die „Queer“ Gemeinde

Der Balkan pflegt auch heute noch ein sehr patriarchalisches Männerbild: Die Männer haben hart zu arbeiten, die Herren im Haus zu sein und sich nur über Fußball und Politik zu unterhalten.

Dies spiegelt sich im Alltag wieder. Die Queer Gemeinde muss sich an die Regel der US Army halten: „Nichts sagen, nicht fragen.“ So sind die Gesellschaften selbst in diesen „aufgeklärten“, „demokratischen“ Staaten auf dem Balkan noch immer stark chauvinistisch. Um das festzustellen muss man sich nicht erst mit den Rechten der LSBT (Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Trans) Gemeinde befassen, denn alleine das Frauenrecht ist seit dem Zusammenbruch des Realsozialismus in Jugoslawien, Bulgarien und Ungarn auf ein Mindestmaß reduziert worden. Hier orientierte man sich schließlich an den westlichen Vorbildern, wo auch im Jahr 2012 Frauen in gehobenen Stellungen unterrepräsentiert sind und durch mangelnde Kinderbetretung strukturell benachteiligt werden.

Dies soll nicht heißen, dass man sich nicht mit den Rechten der LSBT beschäftigen sollte – im Gegenteil. Dies beweist nur die Natur des Rückschritts der Emanzipation des Menschen, seit dem Zusammenbruch der sozialistischen Staaten.

Parada Ponosa

Die „Parada Ponosa“ wurde das erste Mal im Jahr 2010 in Belgrad abgehalten. An ihr beteiligten sich trotz andauernder Drohungen durch Nationalisten, Hooligans und konservativen Bürgern über 1000 Menschen. Doch bereits zu Beginn des Umzuges wurde dieser durch 6.300 marodierende Hooligans angegriffen. In Folge der Krawalle wurden über 123 Personen verletzt.

 

Im Jahre 2011 verbot die Regierung Serbiens unter der Führung des „demokratischen“ Premiers Cvetković kurzerhand die Parade. Die Sicherheit aller Teilnehmer und auch der Unbeteiligten könne nicht gewährleistet werden“. Unter diesem Sicherheitsaspekt versteckte sich die Regierung und beugte sich dem Druck konservativer und nationalistischer Kräfte. Dass dabei essentielle Menschen- und Bürgerrechte verletzt wurden, fand in vielen Teilen der Gesellschaft wenig Anstoß.

Doch bereits 2011 unterstützten viele linksgerichtete Kräfte die Veranstaltung.

Und auch jetzt, zwei Wochen vor der Parade, gab es von Regierungsseiten kein eindeutiges Bekenntnis zur Queer Gemeinde. Es wurde nur verlautbart, dass die Polizei die letzte Entscheidung fällt, ob die Parade aufgrund von Sicherheitsbedenken abgesagt werden muss.

Ein kleiner Funke der Hoffnung bleibt: Das Verbot der Parade 2009 wurde vom serbischen Verfassungsgericht für verfassungswidrig erklärt. „Auch die Queer Gemeinde habe das Recht, ihre freie Meinung zu äußern und auf die Diskriminierung hinzuweisen, die sie erlebe“.

Die „Homophobie“ wird von einigen staatstragenden Stellen benutzt, um von den wahren Problemen des Alltags abzulenken: Massenarbeitslosigkeit, Staatsbankrott, Nahrungsmangel und Wohnungsnot. Die jungen Leute, vor allem aggressive Männer, lassen sich so bereitwillig instrumentalisieren, wie es bereits 2010 der Fall war.

Forderungen der Queer Gemeinde

Die serbische Queer Gemeinde fordert seit längerem eine offizielle Erklärung des Parlamentes, dass sich die Parteien übergreifend gegen Hass und Vorurteile aus sexuellen Gründen einsetzen. „Das Klima des Hasses gegen die Queer Gemeinde soll eingestellt werden“, so die Veranstalter weiter. Die Queer Gemeinde verfolgt vor allem den emanzipatorischen Ansatz, dass ihr Kampf für ihre Rechte und gegen Diskriminierung auch auf andere Bevölkerungsteile übergeht.

Film „Parada“

Vor kurzem kam der Film „Parada“ in die deutschen Kinos. Der serbische Film behandelt die „Organisation“ der Parade auf eine satirische Weise und versucht so den Zuschauern die Vorurteile und Ängste zu nehmen. In einem Interview mit dem Spiegel sagte der Regisseur Dragojević, „dass scheinbar nur ‘Schwulenhass’ den Balkan vereint“ und eine Veränderung für alle Menschen nur durch eine „neue sozialistische Revolution“ möglich ist.

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