Augenzeugenbericht der Polizeiaktion im Rahmen der Räumung von solidarischen Demonstranten in der Bleicherstrasse, St. Pauli

Bilder von der Hamburger Demo

Am 10.11.2012 fand in der Stadt Hamburg eine Demo statt unter Motto „Mietwahnsinn stoppen“. Ich war, zusammen mit ein paar meiner Freunde, Teilnehmer dieser Demo. Die Demo verlief friedlich, das Polizeiaufgebot war groß, bei Ankunft an dem Hauptbahnhof sahen wir in der Parallelstrasse 2 Wasserwerfer und bis zu 20 Mannschaftswagen. Polizeikräfte und Wasserwerfer bewegten sich während der Demo immer parallel mit wurden aber nicht eingesetzt (solange wir dabei waren, kann ich das nur behaupten, habe aber auch nichts gehört von einem größeren Einsatz gegen die eigentliche Demo).
Als wir an der U-Bahnstelle Feldstraße mit dem Demozug angekommen waren, bekam ich durch einen Freund mitgeteilt, dass wohl wenige Strassen entfernt auch ein Haus besetzt worden sei, ob wir da nicht auch hin wollten. Da meine Freunde und ich auch relativ demoerfahren und polizeierfahren waren, dachten wir uns „Okay, ist mal was Neues! Wir gehen mit!“ also folgten wir einem Strom aus circa 200-300 Demonstranten, die sich von der Demo absetzten und kamen dann in die Bleicherstrasse. Zu dem Zeitpunkt war die Polizeipräsenz eher spärlich, vor dem besetzten Haus, welches sich mittig des Strassenzuges befand, standen in beide Strassenrichtungen ausgerichtet jeweils eine Mannschaft. Als wir eintrafen machte sich gerade die Verstärkung der Polizei auf den Weg und verschaffte sich auf dem Bürgersteig gehend sehr rabiat Platz, in dem auf dem Bürgersteig stehende Personen gestoßen, geschubst oder anders zur Seite befördert wurden um die anrückenden Polizeikräfte nicht zu hindern.
Das immer wieder Sprechchöre gegen Miete, Polizei, Kapitalismus und Staat zu hören waren erübrigt sich, glaub ich.
Ein weiterer Polizeizug versuchte den Weg aus der Bleicherstrasse raus (in unserem Rücken) zu zumachen, mit ersten Auseinandersetzungen ( es machte den Anschein eines Kessels, und da hatten einige von unseren Leuten keinen Bock drauf und versuchten raus zu gehen und wurden von Polizei massiv daran gehindert den Kessel zu verlassen). Zum selben Zeitpunkt versuchten die Einheiten vor uns, die vorhanden Menschen vor dem besetzten Haus weg zu drängen, wo mit sie auf massiven Widerstand aus der Menschenmenge traf, die sich friedlich dagegen stemmte. Ich möchte an dieser Stelle noch einmal betonen, dass in den ersten Momenten nur verbale Provokationen von Demonstranten gegen Polizei, ebenso aber umgekehrt auch, ausgetauscht wurden. Ich stand zu dem Moment noch nicht in der Menge die sich gegen die Polizei stemmte, sondern betrachtete das ganze aus etwa 2-3 Metern Entfernung. Was genau da geschah in dem Gerangel kann ich nicht sagen, was ich aber als nächstes wahrnahm war, dass der einzige Sanitäter den wir in unseren Reihen hatten als erster von dem Pfeffer- oder CS-Spray getroffen wurde. Als Antwort flogen daraufhin erste Flaschen. Anschließend sind die Menschen etwas zurückgewichen, circa 5 Personen, welche Spray abbekamen wurden verarztet, die Polizei hielt ebenfalls inne, weil eine Truppe von knapp 20 Leuten den Bürgersteig nicht freigemacht haben und sich sehr lange und erfolgreich gegen 20-25 Polizisten gehalten haben, die anfingen mit Schmerzgriffen und Knüppeln gegen die Menge zu drücken.
Nebenher wurden zwei Leute aus der Menge rausgegriffen, die auch gleich durchsucht wurden. Begründung bei einem von denen war, dass er ein Schild hatte auf dem A.C.A.B. drauf stand.

Nachdem die Polizei merkte, dass sie trotz härterer Maßnahmen nicht weiterkamen, beruhigte sich die Lage für circa 30 min.
Ich nutzte die Zeit um mit den Polizisten vor Ort ins Gespräch zu kommen.
(Muss man nicht machen, wirkt aber meistens doch besser, vor allem bekommt man von der Polizei nebenbei ganz interessante Information. Zum Beispiel bestätigte mir ein Polizist, dass die BRD keine Verfassung hat, dass sie mit Holzknüppeln ausgestattet waren sein legitim gewesen, ich konnte ganz klar erkennen, dass die Knüppel aus Holz waren!)
Es war der Meinungsaustausch vorhanden und wir (ich und die Leute um mich herum) haben uns über die teilweise sehr eingeschränkten Sichten der Polizisten amüsiert, es war alles friedlich!
Nach dem die Gespräche dann beendet waren und auch nicht mehr so dicht vor der Polizei standen, setzten sie sich wieder in Bewegung. Diesmal stemmte ich mich auch gegen die Polizei, die diesmal gleich anfing in den Haaren zu ziehen, Schmerzgriffe in den Nacken, Holzknüppel in die Seite oder direkt in den Rücken zu stoßen und mit den Knien gegen die Oberschenkel zu stoßen. Ich war relativ mittig der Strasse und auf einmal brach die rechte Seite unserer Leute auf. Die Leute von uns die zurückwichen bewegten sich etwas in unserer Richtung und ein paar aus unserer Reihe forderten sie auf uns zu unterstützen, woraufhin ein Polizist neben mir anfing, in die zurückgewichenen Leute zu sprayen, da versuchte ich ihn immer wieder daran zu hindern und stieß die hand mit dem Spray weg, und forderte ihn immer wieder auf das Sprühen sein zu lassen. Danach ging alles ganz schnell ein zweiter Polizist fing an in Richtung der Leute zu sprühen die gar nichts machten und da habe ich nicht mehr nach gedacht und bin auf den Polizisten zugegangen und als nächstes hatte ich dann eine doppelte Ladung Spray im Gesicht.
An diesem Punkt habe ich eine Frage weiß jemand was die Polizei neuerdings für ein Reizmittel verwendet? Es roch stark nach Bremsenreiniger und es brannte über Stunden im Gesicht.
Der Rest ist schnell erzählt.
Ich sah nichts mehr torkelte erst mal irgendwohin und hörte auf einmal nur noch Geschrei und Gegröle und dann wurde ich zur Seite gezogen, bekam 2 Ladungen Wasser ins Gesicht und wurde dann noch einmal weiter gezogen, weil unser letzter Widerstand wohl dann auch gebrochen war und die Polizei wohl zu der Stelle wo mir geholfen wurde aufschloss. Als ich wieder einigermaßen sehen konnte, sah ich, dass die Polizei es geschafft hatte uns bis zum Eingang Bleicherstrasse zurück zu drängen.

Ganz klar erwähnenswert ist, dass noch vor dem Anmarsch der Polizeiverstärkung der NDR sich im ersten Stock des gegenüberliegenden Hauses der Bleicherstrasse14 positioniert hatte und die gesamte Aktion der Polizei hervorragend filmen konnte/ hätte können, ausser dem war das ZDF ebenfalls vor Ort, und während meiner Unterhaltung mit den Polizisten kam die ARD und fragte ob das Haus Bleicherstrasse „wirklich“ besetzt worden sei, was ihnen die beiden Polizisten nicht sagen konnten, die Polizei wusste genauso wenig wie wir ob da was erreicht wurde oder nicht, sie „haben nur ihre Befehle, die Bleicherstrasse zu räumen“ Zitat des Polizisten.
3 Fernsehteams des Staats vor Ort und keiner berichtet über das was dort passiert ist.

Den weiteren verlauf des Abends kann ich euch nicht weiter schildern, da ich voll mit reizmittel dann gegen halb sieben der Meinung war es wäre besser nach Hause zu gehen und zu duschen.

Ich hoffe ich kann euch hiermit einen kleinen Einblick verschaffen, in dem was uns jedes mal treffen kann, wenn wir auf Demo sind für Menschen, die sich nicht trauen, oder der Meinung sind sie könnten nichts ändern. Wir brauchen eure Unterstützung, wenn 10.000de auf der Strasse sind, wird es solche Situationen nicht mehr geben, weil die Polizei da keine Oberhand mehr hat.

Ganz wichtig in diesem Zusammenhang: Die Polizei ist nicht unser Gegner! Das sind arme Würstchen wie wir, wir müssen für sie mitkämpfen, nicht gegen sie!

Ein Beitrag von Böhser Skinny Freidenkrieger, der sich an der Demo beteiligte.

  • Pit

    SA marschiert in Reih und Glied und wenn wir das nicht endlich alle und wirklich alle begreifen, werden sie in Kürze wieder ihre KZ s eröffnen.

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