Auf dem rechten Auge blind – Wenn die Polizei zu spät kommt
In Deutschland werden immer mehr Menschen Opfer rechter Gewalttaten. Zwischen 1990 und 2012 haben mehr als 149 Personen ihr Leben durch Rassistische Mörder verloren. Die Polizeilichen Behörden führen dagegen nur 69 rassistisch motivierte Morde. Diese Zahlen sind nur die Spitze des Eisbergs, der erst nicht durch das auffliegen der NSU, bekannt geworden ist.
Die Frage die wir uns jedoch Stellen müssen ist, warum die Polizei nur einen Bruchteil der Morde als faschistisch motiviert ansieht und wo sie in der heutigen Gesellschaft steht. Denn auch der Rassismus und Faschismus ist kein Phänomen des rechten gesellschaftlichen Spektrums mehr, was die ungebrochene Popularität von Sarrazin zeigt. 8,2% der deutschen Bevölkerung haben ein geschlossen Rechtsextremes Weltbild, so die Friedrich-Ebert-Stiftung. Dies bedeutet, das 8,2% der deutschen Bevölkerung chauvinistisch, antidemokratisch und ausländerfeindlich sind.
Können Polizisten dann überhaupt eine Ausnahme bilden?
Schon in Rostock Lichtenhagen 1992, zeigte sich die Polizei ausnehmend Teilnahmslos. Und auch 20 Jahre nach dem scheußlichen Verbrechen, haben Vorurteile hier ihren Platz: Zwei Mitgliedern des deutsch-afrikanischen Freundeskreises Daraja wurde der Eintritt zur Gedenkveranstaltung verwehrt. Dies sollte zeigen, das rassistische Vorurteile nicht vor Uniformen halt machen.
Betzdorf – Ein Beispiel
Im kleinen, beschaulichen Betzdorf in Rheinland-Pfalz, kam es vor einigen Tagen zu einem Eklat. Dort wurde die Familie Korkusuz von zwei Neonazis in ihrer Eigenen Wohnung attackiert. Dabei waren die, wie Skinheads gekleideten, Nazis mit einer Pistole und einem Messer bewaffnet. Der Vater versuchte die Familie mit einem Küchenmesser zu Verteidigen, nachdem diese in die Wohnung eingedrungen waren. Zuvor jedoch rief der Familienvater die Polizei und schaltete die Handykamera ein. Nichts Ahnend, das sich letzteres für seine Freiheit als wichtig herausstellen sollte.
Nachdem die beiden Täter die Familie immer wieder beschimpften, verschwanden sie nach einigen Minuten ins Unbekannte. Die Polizei traf erst nach einer Viertel Stunde ein.
Der Vater hielt bei der Ankunft der Polizei noch das Messer in der Hand, legte es jedoch nach der ersten Aufforderung sofort nieder. Direkt im Anschluss wurde Ali Korkusuz festgenommen und als Tatverdächtiger über 3 Stunden lang verhört. Obwohl Ali Korkusuz die Polizei selber rief, ließen diese den Familienvater erst gehen, nachdem ein Familienfreund ihnen das aufgenommen Videomaterial vorspielte.
Betzdorf ist kein Einzelfall
Häufig werden Opfer von Rechtsextremen wie die Täter behandelt. Ob Homosexuelle, Ausländer oder Linke. Das rechtsextremes Gedankengut nicht vor Uniformen halt macht, zeigte nicht zuletzt das Auffliegen zweier Beamter Baden-Württembergs, die im rassistischen Ku-Klux-Klan Mitglied waren.


