Lasst uns Krieg spielen – denn es sind nicht wir die sterben
Die Welt ist eine im politischen Spektrum eher rechts der Mitte anzuordnende Zeitung. Sie verteidigt in den meisten Fällen die israelische Politik und vertritt häufig außenpolitische Thesen, die auch von republikanischen Abgeordneten kommen könnten. Mit ihrem neusten Artikel hat die Welt sich nun endgültig unlesbar gemacht, denn es wurde warscheinlich in den letzten Jahren kein Artikel veröffentlicht, der so sehr Kriegsbefürwortend ist.
Der Artikel beschäftigt sich, wie so viele Artikel, mit Europas liebstem Feind, dem Iran. In dem Artikel wird über den möglichen Bau einer Atombombe spekuliert, die nur durch einen Krieg oder durch eine Rebellion verhindert werden kann.
Die iranische Rebellion
So schreibt die Zeitung über die Situation im Nahen Osten:
Ohne einen Sturz des Herrschaftskartells der Machtcliquen um den „obersten Revolutionsführer“ Ayatollah Chamenei und den Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad aber ist auf Dauer weder an eine endgültige Beilegung des Atomstreits noch an eine tragfähige Stabilisierung der gesamten Region zu denken. Ist doch die „revolutionär“-apokalyptische Ideologie der iranischen Islamisten mit der Ratio zwischenstaatlichen Interessenausgleichs unvereinbar.
Eine Aussage, die von starker Einseitigkeit zeugt. Denn die Situation im Nahen Osten einfach der iranischen Diktatorenbande anzuhängen, ist viel zu einfach. Zur Komplexen Situation im Nahen Osten haben auch die Herrscher Saudi-Arabiens, sowie die israelische und die amerikanische Regierung beigetragen. Die saudische Regierung hat mit ihrer Politik der salafitischen Bekehrung dazu beigetragen, dass die radikalislamischen Töne im Nahen Osten zugenommen haben und die Salafiten immer stärkeren Druck auf die Regierungen ihrer Länder ausüben können. Der Iran als vorwiegend schiitischer Staat fühlt sich durch die Salafiten berechtigterweise bedroht.
Israel hat den Konflikt verschärft in dem es immer weiter die Situation der Palästinenser verschlechtert und so dem Iran, als vermeintlichen Gegenspieler Israels, Sympathien von Radikalen zukommen lässt. Die israelische Atombombe trägt ebenfalls dazu bei, dass es im Iran Stimmen gibt, die auf den Bau der Atombombe drängen, da diese die Machtverhältnisse ausgleichen könnte.
Die USA haben durch ihre einseitige Nahostpolitik die Situation ebenfalls verschlechtert. So unterstützen sie einerseits die Diktaturen auf der arabischen Halbinsel mit modernsten Waffen, während sie im gleichen Atemzug Libyen bombardieren um die Menschenrechte zu schützen. Diese auf einem “Guter-Staat-böser-Staat” beruhende Politik hat den Einfluss in der arabischen Welt schwinden lassen.
Die Situation alleine der iranischen Diktatur anzulasten verfehlt die Situation und trägt nicht zu einer Lösung des Konfliktes bei, deren Ziel ein friedlicher Naher Osten sein muss.
Der Autor des Artikels scheint aber kein Interesse an einer Analyse der Situation zu haben, sondern ist viel eher darauf aus seine Titelthese zu untermauern: “Lieber ein Krieg als die Mullah-Bombe im Nacken”
Die Mullah-Bombe?
Die Bombe, welche der Autor dem Iran andichten will, soll sogar für Kriege benutzt werden. Um dies zu verhindern fordert der Autor einen Krieg um die iranische Führung zu stützen und dem Iran eine Führung zu geben, die auf die Atombombe verzichtet und dem Westen gefällt.
Die Wünsche der iranische Bevölkerung werden dabei genausowenig berücksichtigt, wie die Menschenleben, die ein Krieg kosten könnte. Die iranische Bevölkerung, will in einem demokratischen System leben und nicht in einer Diktatur, wie die Demonstrationen in den vergangenen Jahren gezeigt haben. Das Letzte was sie dafür braucht ist ein Krieg, denn dieser sorgt, wie die meisten Kriege in der Geschichte gezeigt haben, für eine starke Unterstützung für die eigene Diktatur.
Den Autor scheint die Situation der Iraner aber nicht so sehr zu interessieren, wie die iranische Atombombe und die Sicherheit Europas. So schreibt er:
Käme es zu einem Militärschlag unter Führung der USA, hätte das gewiss gewaltige Turbulenzen in der Region und eine Belastung der Beziehungen zu China und Russland zur Folge. Doch sind diese Risiken vergleichsweise gering gegenüber den unabsehbaren Gefahren, die von einem unkontrollierbaren, atomar bewaffneten Iran ausgehen würden.
Über die unzähligen Menschen, die in einem solch sinnlosen Angriffskrieg sterben würden, verliert der Autor kein Wort, einzig und allein die Beziehungen zu China und Rußland scheinen einen Hindernis für den Krieg zu sein, wenn auch kein großes.
Das Fazit dieses Artikel ist:”Wen interessieren schon tausende tote Iraner, wenn es um unsere Sicherheit geht?”
Dieses Fazit zeugt aber von einer Weltsicht, in der der Iran tatsächlich nach der Atombombe strebt und Verhandlungen niemals Frieden und Sicherheit bringen können. Wir brauchen in den deutschen Medien keine Kriegspropaganda, denn jedes Menschenleben ist es Wert geschützt zu werden. Lyrische Kriegsbefürworter, die den Krieg nur aus der Ferne beobachten, scheinen zu vergessen, welches Leid jeder Krieg anrichtet und das ein Krieg niemals etwas Gutes bringen kann!
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