Die Geschichte von Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen – Teil 1

BDS

Das Aufkommen der israelischen Bewegung, Boykott, Divestment und Sanktionen (BDS) ist durch eine Reihe von Faktoren beeinflusst worden. Im Wesentlichen ist in Israel die Bewegung jedoch reaktiv – eine Antwort auf (a) internationale Aufrufe, die Traumata folgen und (b) Ideen, vor allem jene, die das südafrikanische Modell in den internationalen und israelischen Diskurs brachten; und vielleicht am Bedeutendsten, sie entwickelte sich als Antwort auf Aufrufe von Palästinensern an die internationale Gemeinschaft, Israel zu boykottieren, sich wirtschaftlich von ihm zu trennen und zu sanktionieren. Auch wenn die Geschichte der BDS-Bewegung in Israel hier chronologisch überblickt wird, nehme ich an, dass all diese Faktoren miteinander wirkten und zusammen die Entwicklung der BDS-Bewegung international und in Israel beeinflussten.

Die größere Rolle der israelischen BDS-Bewegung ist die gewesen, die internationale BDS-Aufrufe gegen Israel unterstützten und sie nicht als antisemitisch legitimierten, dass sie nicht gegen Israelis ist, sondern gegen die israelische Regierungspolitik, und so legitime gewaltfreie Mittel unterstützt, durch die die palästinensische Zivilgesellschaft die Rechte und Freiheit ihres Volkes reklamieren kann. Außer der Solidarität mit den Palästinensern ist hinter der israelischen BDS-Bewegung als treibende Kraft die Erkenntnis der kriminellen Besatzung und Unterdrückung des palästinensischen Volkes gewesen, wie sie von israelischen Regierungen praktiziert und ohne internationalen Druck nicht beseitigt wird.

1. Das Erwachen – die Al-Aqsa-Intifada

Der 1.BDS-Aufruf in Israel wurde im Februar 1988 von „Matzpen“ während des ersten Jahres der ersten Intifada initiiert. Sie rief Israelis dazu auf, keine Produkte aus jüdischen Siedlungen zu kaufen. So konnten sich Israelis von den Siedlungen in den besetzten Gebieten einschließlich der Golanhöhen trennen. Dieser Aufruf der eine Liste von Siedlungsprodukten einschloss, wurde auch unter den ausländischen Missionen in Ost-Jerusalem verteilt. Im März 1988 veröffentlichte eine Gruppe, die sich „das 21.Jahr“ nannte, einen „Vertrag für den Kampf gegen die Besatzung“, in dem seine Mitglieder ihre Verweigerung erklärten, „mit der Besatzung zusammen zu arbeiten, und versprachen folgendes: nie die besetzten Gebiete ohne Einladung ihrer arabischen Bewohner zu betreten, ihren Kindern nicht zu erlauben, sich der rassistischen Ausrichtung des Schulsystems auszusetzen, Institutionen und Produkte von Geschäften zu boykottieren, deren palästinensische Angestellte die menschliche Würde und anständige Arbeitsbedingungen verweigert wird, die in den Siedlungen produzierten Waren zu boykottieren, nie Akte des Protestes und des Widerstandes durch Palästinenser mit Terrorakten zu verwechseln, jeden militärischen Befehl, der sie zu Akten der Unterdrückung in den besetzten Gebieten bewegen will, zu verweigern und gegen jeden Akt der Gewalt und Ungerechtigkeit, der vom israelischen Regime ausgeht, zu protestieren.

Im September 1997 brachte Gush Shalom einen Aufruf heraus, der Israelis, aber auch die US, europäische Länder und andere, die Handelsverträge mit Israel gemacht haben, darum bat, die Produkte aus den jüdischen Siedlungen in den besetzten palästinensischen Gebieten zu boykottieren. „Der Aufruf bot eine provisorische Liste von den in den Siedlungen produzierten Produkten auf Hebräisch, Arabisch und Englisch heraus.

Doch die erste israelische Initiative, die internationale Aufrufe für umfassenden Boykott gegen Israel unterstützte, tauchte erst nach dem Ausbruch der 2. Intifada – als al-Aqsa-Intifada bekannt – im September 2000 auf. Es waren meistens Antworten von ein paar Personen auf internationale BDS-Aufrufe gegen Israel. Zu dieser Zeit kam keine Unterstützung von israelischen Organisationen. Im Großen und Ganzen scheute die Linke solche Initiativen. Die erste Boykott-Unterstützungsaktion durch Israelis, an die ich mich entsinne, die wieder ein paar andere Israelis ansprach, war die eine, die von der verstorbenen Linguistin Prof. Tanya Reinhart (Uni, Tel Aviv) und mir im April 2001initiiert wurde und die verlangte, dass die Stadt Ann Arbor sich von israelischen Investitionen trennt.

Im April 2001 veröffentlichten 35 Israelis einen Aufruf zum Boykott Israels. Die Autoren dieses Appells sind israelische Bürger und Juden anderer Nationalitäten, deren Familien Opfer von Rassismus und Genozid in früheren Generationen gewesen waren, und die das Gefühl hatten, sie sollten nicht weiter schweigen:

„Wie rufen die Weltgemeinschaft auf, Israels industrielle und landwirtschaftliche Exporte und Waren zu boykottieren als auch den Freizeittourismus in der Hoffnung, dass diese das selbe positive Ergebnis hat, wie der Boykott von Südafrika auf die Apartheid. Dieser Boykott sollte so lange in Kraft bleiben, so lange es eine israelische Kontrolle über Teile der 1967 besetzten Gebiete gibt. Diejenigen die die legitimen Ziele/ Hoffnungen der Palästinenser vernichten, sollten die Konsequenzen ihrer eigenen bitteren Medizin spüren.
„Wir bitten dringend jeden Empfänger dieses Aufrufes, unabhängig von Ursprung und Nationalität:
1.Praktiziere den Boykott sofort auf persönlicher Ebene und mache deine Schritte in der Gemeinde bekannt ( z.B. sage Deinem Kaufmann, warum du keine israelischen Waren kaufst; vermeide Vergnügungsreisen nach Israel.
2. Füge Deinen Namen dem Appell hinzu und lass ihn unter Deinen Freunden zirkulieren und tu alles, dass er von Menschenrechtsgruppen unterstützt wird.
3. Organisiere Aktivitäten, die Deine Regierung unter Druck setzen, damit sie wirtschaftliche und kommerzielle Verbindungen mit Israel abbricht und mache wirtschaftliche Sonderverträge mit Israel rückgängig.
Originale Unterschriften:
1.Meir Amor, Toronto, Kanada; 2.Dita Bitterman, Tel Aviv,3.Yael Arbel, Tel Aviv,4.Hagit Borer, LosAngeles;5. Ouzi Dekel, Paris; 6.Esty Dinur, Arena,USA; 7. Aviva Ein-Gil,Tel Aviv;.8.Ehud Ein-Gil, Tel Aviv; 9. Arie Finkelstein,Paris; 10.Rahel Giora, Tel Aviv; 11. Zamir Havkin, Givataim, Israel; 12.Zvi Havkin,Tel Aviv; 13. Haggai Katriel, Haifa; 14. Irit Katriel.
15.Justin Kodner, Princeton Junction,USA; 16. Helga Kotthoff, Fulda;17. Miri Krasin,Tel Aviv; 18. Debby Lerman, Tel Aviv; 19.Mely Lerman,Tel Aviv; 20. Moshe Machover, London; 21. Yael Oren Kahn,Warwickshire, UK; 22. Akiva Orr,Kfar Shmaryahu; 23. Rahel Ostrowitz,Tel Aviv; 24.Eran Razgur, Tel Aviv: 25. Eyal Rozenberg, Haifa; 26 Hilla Rudich, Givataim; 27.Herzl Schubert,Tel Aviv; 28. Ilan Shalif Tel Aviv; 29 Oz Shelach, New York; 30. Ur Shlonsky, Genf; 31 Toma Sik, Budapest; 32 Ehud Sivosh, London; 33.Gideon Spiro, Jerusalem; 34 Guy West, Herzlia; 35. Adeeb Yaffawy, Yaffa,
Diese 35 Unterzeichner werden von weiteren 994 Unterzeichnern weltweit unterstützt.

Dann rief Rela Mazali (israelische Feministin, Schriftstellerin und Gründerin von New Profile) im Mai 2001 als progammatische Rednerin vor einem US-weiten Treffen jüdischer Besatzungsgegner in Chikago, dazu auf, dass die us-militärische Hilfe für Israel suspendiert werden solle.

Jenin, Jenin
Das Jahr 2002 könnte jedoch als Wendepunkt ausgewählt werden, ausgelöst durch den groß angelegten Angriff auf die Städte, Dörfer und Flüchtlingslager in der Westbank Ende März (Operation Defensive Shield, oft aber als Jenin-Massaker erwähnt).Dieser brutale Angriff löste eine Protestwelle in der arabischen Welt aus, auch in Europa und den USA. In diesem Stadium sah es so aus, als ob die Bürger der Welt, einschließlich derer in ihren Elfenbeintürmen, gegenüber dem Kampf der Palästinenser nicht mehr gleichgültig seien. „Akademiker, Künstler und Intellektuelle begannen mit einer Reihe von Initiativen, unter denen eine Bewegung war, die Israel in der internationalen Arena durch Moratorien, Boykotts und einer Divestment-Kampagne isolieren wollte. Der brutale Angriff, verbunden mit dem Bau der Apartheidmauer im Juli, die die Westbank in Bantustans verwandelte, bewirkte unter den Israelis einige Veränderungen. Eine wachsende Anzahl von Aktivisten protestierte gegen die Besatzung und einige stimmten für die Unterstützung von Boykott und Divestments-Kampagnen.

Im März 2002: Indem sie die „Suspend Aid Campagne“ der Jüdischen Stimme für Frieden unterstützte, schrieb Rela Mazali: „Waffen sind der Motor der Militarisierung ( der israelischen Gesellschaft) Bitte erwidert den jungen Leuten innerhalb Israels, die NEIN zu einem Einsatz ihres Körpers und ihrer Seele im Dienst der Besatzung sagen. Bitte schließt euch denen an und sagt auch NEIN, indem ihr sie mit euren Dollars bewaffnet. Ihr Aufruf, die militärische Hilfe für Israel einzustellen, verdient volle Unterstützung der Mitglieder der feministischen Organisation New Profile.

Im April 2002 kam ein Aufruf zu einem vorläufigen Stopp an die EU und European Science Foundation, Israel zu unterstützen. Der Aufruf kam von Prof. Steven Rose ( Physik, Offene Universität) und Prof Hilary Rose (Bradford Universität) und wurde im „Guardian“ am 6. April 2002 veröffentlicht. Mehr als 120 Akademiker unterzeichneten diesen Aufruf. (unter ihnen waren 10 israelische Akademiker:
Prof. Daniel Amit, Jerusalem; Iris Bar, Haifa; Prof.Emanuel Farjoun, Jerusalem; Prof Rahel Giora,Tel Aviv; Prof. Eva Jablonka,Tel Aviv; Dr. Haggai Katriel, Haifa; Prof. Smadar Lavie, Tel Aviv; Prof.Ilan Pappe, Haifa; Prof. Zwi Razi, Tel Aviv; Prof. Tanya Reinhart, Tel Aviv; Dr. Tuvia Shlonsky, Jerusalem.

Der Brief hatte eine unmittelbare Wirkung. Ihm folgte bald eine einstimmige Entscheidung von der „Kommission der Direktoren der Organisation von Professoren und Lehrern der Höheren Bildung in England“, zu einem radikaleren Boykott aufzurufen. „Die Entscheidung ruft alle britischen Institutionen Höherer Bildung dazu auf, jede zukünftige akademische Zusammenarbeit mit Israel genau abzuwägen – mit dem Ziel sie abzubrechen. Sie besteht darauf, dass solche Beziehungen erst nach dem vollen Rückzug aller israelischen militärischen Kräfte (aus den besetzten Gebieten), dem Beginn von Verhandlungen, Erfüllung aller UN-Resolutionen, und dem Versprechen des vollen Zugangs aller Palästinenser zu Institutionen höherer Bildung, wieder aufgenommen werden.

Im April 2002 wurde auch eine „Kunst-Boykott-Petition“ veröffentlicht, die alle Künstler mit Gewissen aus aller Welt dazu aufrief, alle Ausstellungen oder andere kulturelle Veranstaltungen, die in Israel stattfinden sollen, zu streichen …
Dies wurde von mehr als 180 mit ihrer Unterschrift unterstützt und zwar aus Australien, Österreich, Belgien, Kanada, Ägypten, Frankreich, Deutschland, Indien, Irland, Italien, die Niederlande, Norwegen, Palästina, Schweden, Schweiz, Großbritannien, USA und Israel.

Zur selben Zeit unterzeichneten mehrere hundert Studenten und über 100 Mitglieder des „Massachusetts Instituts der Technologie (MIT)“ und „Harvard Universität“ eine Divestment-Petition“, die auch von Professoren verschiedener israelischer Universitäten unterstützt wurde.

Im April 2002 rief ein von der US initiierter Boykott-Brief dazu auf, israelische Akademiker und israelische Forschung zu boykottieren. Im Juni entließ Professorin Mona Baker von der Universität des Manchester Institut für Naturwissenschaften und Technologie (Umist) zwei israelische Linguisten aus dem Redaktionsteam ( für Übersetzung) der Zeitschrift, die sie herausgab. Solche Aktionen gehen nicht unbemerkt vorüber und rief eine heiße Debatte unter den Israelis hervor. Dies gab der Boykottbewegung hier eine Menge Auffälligkeit.

Im Mai 2002 veröffentlichte Prof. Tanja Reinhard einen Artikel in „Yediot Aharonot“, der damals populärsten israelische Tageszeitung, in dem sie einen Boykott israelischer akademischer Institute empfiehlt, weil sie Komplizen bei der Unterdrückung der Palästinenser seien, da sie deren Kampf nicht zur Kenntnis nehmen würden, nicht einmal den Kampf palästinensischer akademischer Kollegen: „In seiner Geschichte hat der Senat keiner israelischen Universität eine Resolution herausgegeben, in der sie gegen die häufigen Schließungen palästinensischer Universitäten protestiert geschweige denn über die Zerstörung, die während des letzten Aufstandes durchgeführt wurden.“ Die Art akademischen Boykotts, die sie empfahl, stützte sich auf ein Modell, dass in Süd-Afrika sehr wirksam war. „Der wirtschaftliche Druck auf Süd-Afrika war verbunden mit anderen Aspekten von Druck: kultureller Boykott und soziale Isolierung. Süd-Afrika wurde aus dem internationalen Sport gestoßen; professionelle und akademische Organisationen arbeiteten nicht mit süd-afrikanischen Organisationen zusammen; dann gab es ein Verbot für Konferenzen und kulturelle Veranstaltungen. All dies half . Süd-Afrika wurde gezwungen, sich zu verändern.

Ein Vergleich der Besatzung mit der süd-afrikanischen Apartheid wurde auch von Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu im Oktober 2002 gemacht. „Wenn die Apartheid endete, so kann auch diese Besatzung enden“, sagte er,“ aber die moralische Kraft und der internationale Druck muss genau so entschieden sein. Die augenblickliche Divestment-Bemühung ist der erste, wenn auch nicht der einzig notwendige Schritt in diese Richtung.
Die Analogie zum Fall Süd-Afrika, die explizit von verschiedenen Denkern gemacht wird, wird die Gesinnung vieler linker Israelis beeinflussen. Nicht nur dass die Zahl der Unterstützer des Israel-Boykotts wächst, sondern – was noch wichtiger ist – die Versuche von Israelis, der Besatzung zu widerstehen, wird dahin gehen, mit der palästinensischen Widerstandsbewegung zusammen zu arbeiten …wie es beim gemeinsamen Kampf für die Befreiung Süd-Afrikas war.

Als im September 2002 Dr. Ilan Pappe, ein bekannter Historiker und Boykottunterstützer von der Haifaer Universität für Labournet interviewt wurde, hat er seine Ansichten über seine Unterstützung für den Boykott, einschließlich eines akademischen und kulturellen Boykotts zum Ausdruck gebracht: „Ein kultureller und akademischer Boykott kann die Botschaft an gute Israelis vermitteln, dass es etwas kostet, wenn man gleichgültig ist. Nicht nur, dass man die Dinge selbst tut, sondern wenn man sich in Israel still verhält.“

Bevor das Jahr zuende war – im Dezember 2002 – verlangte der Verwaltungsrat der Marie Curie-Universität – ParisVI, dass die EU ihr Assoziations-Abkommen von 1995 mit Israel nicht erneuern soll. (Dies gab dem Land nicht nur Handelskonzessionen, sondern versah es auch mit Geldern für die Infrastruktur und Forschung). Die Universität rief israelische Akademiker auf, Positionen gegen die Maßnahmen einzunehmen, die gegen palästinensische Universitäten ergriffen wurden, deren Arbeit unmöglich gemacht wurde. Man rief auch den Präsident der Universität dazu auf, die Kontakte mit Akademikern beider Seiten zu vertiefen, um zu einer friedlichen Lösung zu kommen.

Im Januar 2003 wurde dieser Entscheidung von palästinensischen Akademikern zugestimmt, die einen Brief der Unterstützung von französischen Kollegen veröffentlichten. Im Februar 2003 drückte Prof. Tanja Reinhard ihre Unterstützung für diese Resolution aus.
Von der südafrikanischen Widerstandsbewegung angeregt, wurde 2003 die israelische Aktionsgruppe „Anarchisten gegen die Mauer“ gegründet, um gegen die „Apartheidmauer zu opponieren, die Israel auf palästinensischem Boden in der besetzten Westbank zu bauen begonnen hat. Die Gruppe wird im Wesentlichen von Palästinensern geleitet. Sie arbeitet zusammen mit Palästinensern in einem gemeinsamen populären Kampf gegen die Besatzung.“ Viele ihrer Mitglieder werden später den Kern des „Boykott!! Unterstützt den palästinensischen BDS-Aufruf von Innen“ ausmachen – eine israelische Gruppe von Palästinensern, Juden, israelischen Bürgern und Bewohnern, die der israelischen Apartheid durch Unterstützung der BDS-Initiative gegen Israel widerstehen.

Im Mai 2003 rief Dr. Ilan Pappe zur Divestment-, Boykott-, anti-Apartheids-Kampagne gegen Israel auf. Analog zum süd-afrikanischen Fall erklärte er: „Es ist schwierig, Israels Apartheids-System mit dem, das in Süd-Afrika bestand , zu vergleichen“… „Die palästinensischen Lebensbedingungen sind viel schlimmer als in Südafrikas Apartheid.“

2. Die Auswirkung des BDS-Aufrufs der palästinensischen Zivilgesellschaft
gegen Israel auf die BDS-Bewegung.
Die palästinensischen BDS-Aufrufe gegen Israel wirkten sich weltweit auf die BDS-Bewegung aus. Diese Aufrufe waren ein bedeutsamer Meilenstein, denn sie veranlassten eine viel größere, weit ausholende Unterstützung für BDS gegen Israel als vorher beobachtet wurde. Die wirksamsten palästinensischen BDS-Aufrufe gegen Israel tauchten im August 2002 auf, als eine Gruppe palästinensischer Organisationen in den besetzten Gebieten zu einem umfassenden „wirtschaftlichen, kulturellen und akademischen Boykott gegen Israel“ aufriefen: „Um der Freiheit und Gerechtigkeit in Palästina und der Welt willen, rufen wir zu einer Solidaritätsbewegung auf, und zwar akademische und kulturelle Institutionen, Geschäftsverbände, politische Parteien und Vereinigungen, aber auch besorgte Individuen, um die globale Israel-Boykott-Kampagne zu stärken“. Im Oktober 2003 riefen palästinensische Akademiker und Intellektuelle in den besetzten Gebieten und in der Diaspora zu einem Boykott israelischer akademischer Institutionen auf. Diesen Aufrufen folgte später „Die palästinensische Kampagne für den akademischen und kulturellen Boykott Israels (PACBI) in Ramallah im April 2004, die ein Schlaglicht auf die institutionelle Natur des Boykottes warf.

Diese Aufrufe mobilisierten weltweit viele Akademiker, einschließlich in Israel. Im März 2004 wurde ein „offener Brief an die israelische Führung der Akademikerschaft“ in der Presse veröffentlicht. Fast 300 Akademiker aus aller Welt, einschließlich Israel, riefen die Präsidenten der israelischen Universitäten dazu auf, ihre politischen Karten offen auf den Tisch zu legen, ob sie die Regierungspolitik des Grenzkonfliktes unterstützen“.

Im Januar 2005 veröffentlichte das „Israelische Komitee gegen Hauszerstörungen (ICAHD)“ ein Statement, das Sanktionen gegen Israel unterstützt.
„Da Sanktionen ein kraftvolles, gewaltloses, populäres Mittel des Widerstandes gegen die Besatzung sind, scheint uns eine Sanktionskampagne der nächste logische Schritt bei internationalen Bemühungen zu sein, die Besatzung zu beenden. Während sie sich noch entwickeln wird, unterstützt ICAHD jetzt folgendes:

„Verkauf und Transfer von Waffen nach Israel nur mit den Auflagen, dass sie nicht die Besatzung verewigen oder die Menschenrechte und das Völkerrecht verletzen; Verletzungen, die enden würden, wenn die Regierungen bestehende Gesetze und Regeln halten, was die Anwendung von Waffen betrifft.
„Handel-Sanktionen gegen Israel auf Grund seiner Verletzung des „Assoziations-Abkommens“, das es mit der EU unterzeichnet hat und das den Verkauf von Siedlungsprodukten unter dem Etikett „Made in Israel“ verbietet.
„Divestment von Gesellschaften, die vom Engagement mit der Besatzung profitieren. In dieser Art unterstützt ICAHD Initiativen wie die der Presbyter- Kirche der USA, die sich Gesellschaften zum Ziel setzt, die sich materiell an der Besatzung beteiligen und sicher auch an der Kampagne gegen Caterpillar, dessen Bulldozer Tausende von palästinensischen Häusern zerstören.
„Boykott von Siedlungsprodukten und Gesellschaften, die den Siedlungsbau fördern oder die eine größere Rolle bei der Aufrechterhaltung der Besatzung spielen und

Haltet Individuen, seien sie Politiker, Militärpersonal, die Befehle ausführen oder andere die persönlich für Menschenrechtsverletzungen persönlich verantwortlich, einschließlich Anklagen vor internationalen Gerichtshöfen und Verboten von Auslandsreisen.
„ICAHD ruft die internationale Gemeinschaft : Regierungen, Handelsunionen, Universitätsgemeinschaften, religiöse Organisationen als auch die breite Zivilgesellschaft – dazu auf,alles zu tun, was möglich ist, um Israel für seine Besatzungspolitik und –Aktionen verantwortlich zu halten und dadurch zum Ende der Tragödie zu eilen. Während wir auch die palästinensische Behörde dazu aufrufen, sich an die Menschenrechts-Konventionen zu halten, zielt unsere Unterstützung für selektive Sanktionen gegenüber Israels Besatzungspolitik genau genommen auf Israel, das allein die Macht hat, die Besatzung zu beenden und allein der Gesetzesverletzer des Völkerrechts ist, hinsichtlich der Verantwortungen einer Besatzungsmacht.“

Im April 2005 wandte sich Dr. Ilan Pappe mit einem Appell an die Britische Vereinigung der Universitätslehrer“ (AUT), indem er Unterstützung einer voraussichtlichen Resolution zum Ausdruck brachte, die Universitäten Haifa und Bar Ilan zu boykottieren. Indem er seinen Appell im Guardian veröffentlichte, erklärte er, dass Druck von außen in einem Land effektiv ist, wo die Menschen sich als Teil der zivilisierten Welt betrachten, aber ihre Regierung mit ihrer expliziten und impliziten Hilfe eine Politik verfolgen, die jedes bekanntes Menschen- und Zivilrecht verletzt. Weder die UN, noch die US und europäische Regierungen und Gesellschaften haben eine Botschaft an Israel gesandt, dass diese Politik unannehmbar ist und gestoppt werden müsse. Es ist Aufgabe der zivilen Gesellschaften, durch Organisationen wie die Ihrige, Botschaften an israelischen Akademiker, Geschäftsleute, Künstler, Hi-tech-Industrielle und jede andere Gruppe der Gesellschaft zu senden, dass bei solch einer Politik ein Preis zu zahlen ist. „Zu Haaretz sagte Dr. Pappe“, er hoffe, dass seine Unterstützung des Boykotts zur Boykott-Entscheidung gegen die Haifa- und Bar-Ilan-Universität durch die Britische Vereinigung der Universitätslehrer beigetragen hat.
Im Mai 2005 veröffentlichte Prof. Tanya Reinhart einen Artikel, in dem sie erklärt, warum israelische Akademiker verdienen, boykottiert zu werden.

Im Juli 2005 rief die Vereinigte palästinensische Zivilgesellschaft (200 Organisationen) zum BDS auf:
„Wir, die Vertreter der palästinensischen Zivilgesellschaft rufen die internationalen Zivilgesellschaften und die Menschen mit Gewissen in aller Welt dazu auf, einen umfassenden Boykott gegen Israel zu verhängen, ähnlich dem, den man gegen Südafrika während der Apartheidära verhängte, und Divestment Initiativen durchzuführen. Wir rufen Euch dazu auf eure jeweiligen Staaten unter Druck zu setzen, Embargos und Sanktionen gegen Israel zu verhängen. Wir laden auch Israelis mit Gewissen ein, diesen Aufruf mit zu unterstützen um der Gerechtigkeit und eines echten Friedens willen.
„Diese gewaltlosen Strafmaßnahmen sollten solange aufrecht erhalten bleiben, bis Israel seinen Verpflichtungen nachkommt, das unveräußerliche Recht der Selbstbestimmung des palästinensischen Volkes anerkennt und die Vorschriften des Völkerrechts voll erfüllt.
„1.Beendigung seiner Besatzung und Kolonisierung aller arabischen Länder und Abriss der Mauer.
2. Anerkennung der fundamentalen Rechte der arabisch-palästinensischen Bürger Israels mit voller Gleichheit.
3.Die Rechte der palästinensischen Flüchtlinge, achten, schützen und fördern, damit sie wieder in ihre Häuser und ihren Besitz zurückkehren können, wie in der UN-Resolution 194 verlangt wird.“

Dieser Aufruf zum Boykott gegen Israel wurde von 171 Organisationen und einzelnen Persönlichkeiten unterstützt.
Unter den Anhängern waren das Britische Komitee für die Universitäten Palästinas (BRICUP), das 2005 in England als Antwort auf den palästinensischen Aufruf zu einem Akademischen Boykott gegründet wurde und Prof. Mona Baker. (Übersetzerin und Spezialistin für interkulturelle Studien, und eifrige Aktivistin und Schriftstellerin) unterstützt die BDS-Bewegung gegen Israel. Diese Initiativen sind von einer wachsenden Anzahl israelischer Akademiker und Aktivisten unterstützt worden.

Im August 2005 drückten die Frauen in Schwarz bei ihrer 13. Internationalen Konferenz in Jerusalem unter dem Titel „Frauen widerstehen der Besatzung und dem Krieg“ ihre Unterstützung für den palästinensischen Aufruf an die internationale Gemeinschaft aus, gewaltlose und effektive Maßnahmen, wie Divestment und Sanktionen über Israel zu verhängen – so lange, wie Israel das Völkerrecht verletzt und weiter das palästinensische Volk besetzt und unterdrückt. Bei dieser Konferenz betonte Dr Dalit Baum im Workshop über Sanktionen, Boykott und Divestment die Bedeutung des Wissens als eine Vorbedingung für solch eine Kampagne z.B. zum Erstellen einer Liste von Institutionen und Gesellschaften, die boykottiert werden sollen. Rela Mazali meldete sich auch zu Wort, um BDS gegen Israel zu unterstützen und bat die internationale Gemeinschaft: bitte boykottiert mich, boykottiert mein Land.. Verhängt Sanktionen über es, bis es aufhört, diese Verbrechen zu begehen und sanktioniert auch von außerhalb, die profitieren.

Von Rachel Giora! Ein Gastbeitrag

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  • Frank

    Also, weil die paar Spinner im eigenen Land nicht einmal annähernd eine nennenswerte Anzahl von Israelis überzeugen können, da mitzumachen, oder ev. eine linke Partei zu wählen, rufen sie das Ausland zu Hilfe. Die sollen die Drecksarbeit machen und eine Demokratie bekämpfen.

    Alles klar.

    • Freiheitsliebender

      Was hat das mit Spinnern zu tun? Denkst du, dass es richtig ist, dass die Produkte aus den Siedlungen als israelische Waren deklariert werden?

      • Thanthalas

        Warum sollten sie denn nicht so deklariert werden? Immerhin wurden sie von Israelis hergestellt.

      • Freiheitsliebender

        Aber nicht in Israel sondern in Palästina!

  • Esumid

    Thanthalas: Aber nicht auf israelischem Boden, sondern in einem völkerrechtswidrig besetzten Gebiet.

    Frank: Warum bezeichnest du diese Leute als Spinner? Sind Leute, die sich mit Unterdrückten solidarisieren, für dich automatisch Spinner oder müssen die Unterdrückten dafür bestimmten ethnischen Gruppen angehören?

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