Die Erde gehört niemandem und ihre Früchte allen – Moderne Eigentumsverhältnisse?

Rousseau

Weltweit gibt es Menschen, die in Armut leben können, welche Wohnraum von Wohlhabenden mieten müssen, um ein Dach über dem Kopf zu haben. Ein Prinzip, welches in veränderten Formen schon seit Jahrhunderten existiert, allerdings wenig zu einer gesunden Gesellschaft beigetragen hat, da die Menschen über eine Ressource verfügen wollen, die allen Menschen gehört!

Gestern wäre Jean-Jacquess Rousseau 300 Jahre alt geworden, er hat schon zu Lebzeiten erkannt, was die Welt verbessern könnte.

“Der erste, der ein Stück Land eingezäunt hatte und dreist sagte: ‘Das ist mein’ und so einfältige Leute fand, die das glaubten, wurde zum wahren Gründer der bürgerlichen Gesellschaft. Wieviele Verbrechen, Kriege, Morde, Leiden und Schrecken würde einer dem Menschengeschlecht erspart haben, hätte er die Pfähle herausgerissen oder den Graben zugeschüttet und seinesgleichen zugerufen: ‚Hört ja nicht auf diesen Betrüger. Ihr seid alle verloren, wenn ihr vergeßt, daß die Früchte allen gehören und die Erde keinem.‘“

Kein Krieg ohne Land?

Rousseau brachte in wenigen Worten zum Ausdruck, was ganze Generationen bis heute vergessen zu scheinen. Die Schaffung von willkürlichen Grenzen, die in einem bestimmtem Volk als Heimat dienen sollen, haben zu tausenden Kriegen, zu Millionen Toten und zu noch mehr Leidenden geführt. Die Tatsache, dass die Menschen sich ein bestimmtes Gebiet gesucht haben und dies als ihr Eigentum degradiert haben, war der Vorläufer für die Nationalgrenzen, für die Ausbeutung von Wohnraum und für die Selektierung wie sie in modernen Großständen stattfindet.

Sein Zitat mag einfach sein, es verliert dadurch jedoch nicht an Deutlichkeit. Die Schaffung von Wohnraum als Eigentum, die Vermietung dessen an Ärmere basiert auf keinen nachvollziehbaren, aber dennoch realen Verhältnissen. Sein Zitat mag wie eine Utopie klingen, denn für die meisten Menschen weltweit steht der Traum von einem eigenen Haus, mit einem großen Garten, an vorderster Stelle.

Eine Gesellschaft, in der sich die Menschen über ihr Eigentum, somit auch über die Fläche über die sie verfügen, definieren und diejenigen, die mehr besitzen, die weniger Wohlhabenden ausbeuten, kann nur zu Neid und Missgunst und somit auch Gewalt und Verbrechen führen. Rousseaus Idee ist eine Utopie, die weder zu seinen Lebzeiten noch heute denkbar scheint, in einer Welt, in der die wenigsten Menschen sich den Ort aussuchen können, an dem sie leben, in der viele Menschen sich keinen Wohnraum leisten können, der für ihre Familie ausreicht, scheint eine solche Utopie aber mehr als sinnvoll.

Karl Marx

Rousseau war nicht der Einzige, der erkannte, dass die Frage des Eigentums auch heute noch relevant ist, auch Karl Marx erkannt dies und sah im Eigentum die Ursache für die Ausbeutung der Arbeiter „Das Kapital hat die Bevölkerung agglomeriert, die Produktionsmittel zentralisiert und das Eigentum in wenigen Händen konzentriert. Die Arbeiter, die sich stückweise verkaufen müssen, sind eine Ware wie jeder andere Handelsartikel und daher gleichmäßig allen Wechselfällen der Konkurrenz, allen Schwankungen des Marktes ausgesetzt.“[105]

Marx und Engels sahen daher im Kommunismus vor allem ein Projekt zur „Aufhebung des Privateigentums“, also der Eigentumsverhältnisse, die die Menschen ausbeuten

Armut in Zahlen

Aktuelle Zahlen scheinen die Einschätzungen der beiden zu bestätigen. Die Zahl der chronisch unterernährten Menschen in der Welt hat die Milliardengrenze überschritten, fast 900 Millionen Menschen haben kein sauberes oder zu wenig Trinkwasser, 2,5 Milliarden haben keine ausreichenden sanitären Anlagen, 220 Millionen Kinder verrichten Kinderarbeit und nicht wenige von ihnen in sklavenähnlichen Verhältnissen in einer Welt, die auf die Menschenrechte und deren Verteidigung so stolz ist, dass sie für deren Durchsetzung sogar Kriege führt. Ein Drittel der menschlichen Todesfälle ist armutsbedingt. Während die ärmere Hälfte der Menschheit über wenig mehr als 1 Prozent der globalen Privatvermögen verfügt, bringt es eine Handvoll von 1.125 Milliardären auf mehr als die Hälfte des gesamten Vermögens. (Die Zahlen können in den Berichten über die menschliche Entwicklung der UNO oder in den Evaluationen der Millenniumsentwicklungsziele zehn Jahre nach ihrer Verabschiedung zum Jahrtausendwechsel nachgelesen werden. )

Während weltweit Rousseau gedacht wurde, scheinen seine Worte vergessen, obwohl sie Zeiten der steigenden Armut, Obdachlosigkeit und Entrechtung der Menschen deutlich an Gewicht gewinnen!

 

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