Boot sinkt vor der Küste Europas – Europa schweigt!

Nur ein Überlebender!
Bild der UNCHR

Wie viele Meldungen konnten wir in den deutschen Zeitungen lesen, als ein Passagierschiff vor der Küste Italiens sank.  Vor wenigen Tagen ist ein Schlauchboot vor der Küste Europas gesunken und die Medien schweigen, in welcher Welt leben wir, wenn die Meldungen über ein Passagierschiff ganze Zeitungen füllen, der Tod von 54 AfrikanerInnen aber keine Bericht Wert scheint?

Nach 24 Stunden hatten die 55 Flüchtlinge die sizilianische Küste bereits vor Augen, als hohe Wellen ihr kleines Schiff zurück auf das offene Meer trieben. Offenbar manövrierunfähig, trieb es tagelang auf dem offenen Meer. Nach Tagen konnten tunesische Fischer das Boot entdecken und die Küstenwache verständigen, doch für die meisten Menschen war es schon viel zu spät, nur ein einziger Mann überlebte. Der Eritreer, der in das Krankenhaus von Zarzis gebracht wurde, berichtete dem UN-Flüchtlingshochkommissariat (UNHCR), dass an Bord das Trinkwasser ausgegangen war und die Menschen unter der glühenden Sonne auf dem Meer verdursteten, nach 15 Tagen auf See.

Nicht entdeckt oder nicht gewollt?

Auf einer der am meisten befahrenen Seerouten scheint es unglaublich, dass das Schiff solange nicht entdeckt wurde. Frontex, eine Organisation, die die Festung Europas ausbaut, hätte das Boot entdecken müssen, wenn sie ihrer Aufgabe nachgegangen wären. Vorwürfe gibt es auch gegen die patrouillierenden Marineeinheiten der NATO, die regelmäßig das Auftauchen von Flüchtlingsbooten ignorieren sollen, wie verschiedene Berichte behaupten.

Der stellvertretende Flüchtlingshochkommissar T. Alexander Aleinikoff sprach von einer Tragödie. Er rief die Schiffsführer auf, bei ihrer Fahrt durch das Mittelmeer auf hilfebedürftige Boote zu achten. »Das Mittelmeer gehört zu den am meisten befahrenen Meeren der Welt, und es ist fundamental, dass die alte Tradition, Menschen auf See zu retten, weiterhin respektiert wird«, sagte Aleinikoff.

Helmut Dietrich vom internationalen Bündnis “Boats4People” kritisierte die »”ogik der Abschottung. Flüchtlinge und Migranten abzuwehren sei der EU mehr Wert als die Rettung von Menschenleben.”

Pro Asyl!

Die Menschen und ihr Wert

Tagtäglich versuchen Menschen aus Afrika nach Europa zu flüchten, die meisten nehmen dabei eine schreckliche Reise durch die lybische Wüste auf sich um in einem kleinen Bott nach Europa zu kommen. Viele sterben schon auf dem Weg zu den Häfen an der Küste Afrikas. Jene die diese schrecklichen Teil der Reise überstehen müssen dem Tod wieder ins Auge blicken und sich auf unsicheren Gewässern nach Europa wagen. Viele überleben die Strömungen des Mittelmeers nicht oder sind gezwungen nach wenigen Kilometern umzukehren, die die es nahe an die Küsten Europas schaffen, werden von Frontex abgefangen und in menschenunwürdige Auffanglanger gesteckt. Nach jedem größeren Unglück eines Flüchtlingsschiffs sprechen die europäischen Politiker von dem notwendigen Schutz, den wir brauchen. Wieso aber trauern die Herrschenden nicht um die toten Flüchtlinge?

Wenige europäische Politiker scheinen sich ernsthaft mit der Situation zu befassen. Die Wenigen, die es tun, erkennen, dass all die Toten verhindert werden könnten, wenn Europa nicht versuchen würde seine Grenzen in eine Festung zu verwandeln.

So sagte der ehemalige Landtagsabgeordnete Ali Atalan, Mitglied der Linken in NRW:

Wir lehnen Abschiebungen grundsätzlich ab. In unserem Partei-Programm, das wir im Herbst vergangenen Jahres verabschiedet haben, steht dazu: „Menschen, die vor Menschenrechtsverletzungen, Kriegen und politischer Verfolgung geflohen sind, dürfen nicht abgewiesen oder abgeschoben werden. Wir fordern die Wiederherstellung des Grundrechts auf Asyl und kämpfen gegen die Illegalisierung von Flüchtlingen, gegen Abschiebungen, gegen jede Form von Sondergesetzen wie die Residenzpflicht sowie gegen Sammellager. Die Abschottungspolitik der EU ist unmenschlich – wir wollen keine Festung Europa. DIE LINKE richtet ihre Flüchtlingspolitik nach Humanität und Menschenrechten, so dass der Schutz von Menschen in Not im Vordergrund steht und nicht ordnungspolitische oder ökonomische Überlegungen. Deshalb setzt sich DIE LINKE für die Abschaffung der Grenzschutzagentur FRONTEX ein, die das wichtigste Abschottungsinstrument der EU darstellt.“

Diese Forderungen scheinen den Problemen wenigsten teilweise gerecht zu werden, wenn sie auch unerwähnt lassen, welche Auswirkungen die wirtschaftliche Situation in großen Teilen Afrikas auf die Menschen hat.

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