Gastbeitrag

Das Märchen der Deutschen – Austerität und Fiskalpakt bald auch in Deutschland?

Ralph Niemeyer

Ralph Niemeyer

Die Financial Times titelte am 12. Januar 2012, daß die nächsten Rettungspakete nicht in Athen, Lissabon, Madrid und Dublin ausgepackt würden, sondern in Frankfurt und London. Die griechischen Schulden sind seit Beginn der Rettungsmaßnahmen um über 25 Milliarden Euro gewachsen. Man hätte im Übrigen auch von den großen Handelsungleichgewichten, die der deutschen Exportstrategie geschuldet waren und die auf der drastischen Netto-Lohnsenkung beruhten, wissen können, hat es aber bewußt ignoriert.

Irgendjemand scheint also Öl ins Feuer zu gießen und sogar dem Zentralorgan des deutschen Finanzkapitals wird inzwischen Angst und Bange. Am 29. November 2012 fragte die Frankfurter Allgemeine, „wo sind die Milliarden geblieben?“ und gab gleich selber die Antwort: „es wäre von erheblichem Interesse, Genaueres über die Auswirkungen der privaten Gläubigerbeteiligung zu erfahren“. Es ist ganz einfach, es wurde und wird umverteilt, wie meistens, von unten nach oben. Der rechtsgerichtete Spanische Ministerpräsident wehrte sich zunächst dagegen, daß sein Land unter den Rettungsschirm schlüpfen sollte und argumentierte völlig logisch, daß die Schulden ja nicht der Staat, sondern die Banken gemacht hätten. Der Bundesverband der deutschen Privatbanken bestürmte daraufhin Finanzminister Schäuble, die Spanier zurechtzustutzen. Nur wenige in der deutschen Opposition scheinen das Spiel durchschaut zu haben.

Spanien, das einen Schuldenstand von 76% des BIP verzeichnet und prozentual somit weniger als Deutschland, welches die 60% – Maastricht-Kriterien mit über 82% verletzt, hat vorgemacht, wie man sich aus der Bredouille zu winden versucht: man greift in die Rentenkasse. Genau dieses, haben Bundesfinanzminister Schäuble, aber auch SPD Kanzlerkandidat Steinbrück durchblicken lassen, wird auch in Deutschland stattfinden, ist zu befürchten. Wer will denn auch bestreiten, wenn die Medien vermelden sollten, daß die harschen Austeritäts-Mechanismen in Griechenland, Portugal und Spanien erste Erfolge gebracht hätten, dies rechtfertigen könnte erneut mit der Kettensäge durch das soziale Netz zu gehen und auch hier das Rentenniveau weiter abzusenken und die Pflegebedürftigen am besten sich selber zu überlassen?! Diesen Beitrag weiterlesen »

Für eine demokratisch geplante Wirtschaft – Lucy Redler

Freiheit statt Kapitalismus

Freiheit statt Kapitalismus

Im ersten Teil von Lucy Redlers Beitrags für die Serie “Wie kommen wir zu einer anderen Gesellschaft” ging sie auf falsche Vorstellung vom Sozialismus ein, der zweite Teil beschäftigt sich mit demokratisch geplanten Wirtschaften und dem Weg zu diesen.

Eine neue Eigentumsordnung und umfassende Verstaatlichungen fordert dagegen Sahra Wagenknecht in ihrem neuen Buch Freiheit statt Kapitalismus, das 2011 im Eichborn Verlag erschienen ist. Sie verurteilt den Kapitalismus scharf, fordert einen »Kreativen Sozialismus« ein und behauptet, es gäbe Marktwirtschaft ohne Kapitalismus und Sozialismus ohne Planwirtschaft.

Zentral in ihrem Buch sind drei Annahmen: Erstens, dass es in einer Marktwirtschaft die »echten Unternehmer« einerseits und die Kapitalisten andererseits gäbe und die Möglichkeit, die Marktwirtschaft von den Kapitalisten zu befreien und dadurch eine Marktwirtschaft ohne Kapitalismus zu schaffen.

Zweitens, dass ein schrittweiser Übergang zu der von ihr propagierten sozialen Marktwirtschaft oder zum»Kreativen Sozialismus« durch die Einführung von wirtschaftsdemokratischen Elementen möglich sei. Drittens, dass das Defizit der Planwirtschaften im Ostblock die zentrale Planung gewesen sei und es Sozialismus ohne Planwirtschaft geben könne.

Dahinter steckt die Idee, der Stalinismus sei nicht an fehlender Demokratie und fehlender internationaler Ausdehnung sondern an zu viel Planung gescheitert und es bräuchte einfach mehr Marktelemente.

Sahra Wagenknecht unternimmt den Versuch, die abstoßende Wirklichkeit des ›real existierenden‹ Kapitalismus an den hehren Ansprüchen seiner sozial- und ordoliberalen Vordenker zu messen. Sie geht aber weit darüber hinaus, indem sie sich die Position Ludwig Erhards und anderer zu eigen macht und eine soziale Marktwirtschaft einfordert.

Der »Kreative Sozialismus« ist bei Wagenknecht eine gemischte Wirtschaft mit großen staatlichen Konzernen, Genossenschaften und kleinen und mittleren privaten Unternehmen, die noch für echte Innovation stehen, unter Beibehaltung der Marktwirtschaft und des bürgerlichen Staats. Explizit geht es Wagenknecht nicht darum, »Marktbeziehungen zwischen den Unternehmen durch eine detaillierte Planung der gesamten Volkswirtschaft zu ersetzen«, sondern um die »Performance von Staatsunternehmen in einem Marktumfeld«1.

Das erinnert an die Vorstellungen ehemaliger stalinistischer Machthaber beim Übergang zur Restauration des Kapitalismus. Diesen Beitrag weiterlesen »

Wohin vom Kapitalismus aus? – Lucy Redler

Lucy Redler

Lucy Redler

Vor 165 Jahren schrieben Friedrich Engels und Karl Marx das Kommunistische Manifest. Es wurde in fast alle Sprachen der Welt übersetzt. Millionen von Arbeiterinnen und Arbeitern lasen es begeistert und verstanden es als Programm und Anleitung zum Handeln.

Heute schwärmen deutlich weniger Menschen von Kommunismus oder Sozialismus. Die sogenannten ›kommunistischen‹ – in Wirklichkeit stalinistischen Staaten – existieren nicht mehr. Nach 1989/90 schien der Kapitalismus übrig geblieben zu sein. Francis Fukuyama verkündete das Ende der Geschichte.

Heute – mitten in der tiefsten ökonomischen Krise des Kapitalismus seit den zwanziger/dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts – ist dieses System ökonomisch und politisch angeschlagen. Millionen stellen seine Legitimität in Frage. Wo würde man heute noch glühende Vertreter von Kapitalismus und freier Marktwirtschaft finden? Das neoliberale Paradigma hat seinen Glanz verloren, die FDP befindet sich im Sinkflug.

Und doch scheint eine Alternative zum Kapitalismus für viele Menschen weit weg zu sein. Diesen Beitrag weiterlesen »

Das A mit dem Kreis – Über den Anarchismus

Anarchismus

Anarchismus

Der Anarchismus ist in seinen Grundzügen so alt wie die Herrschaft. Er stellt keine materielle Ideologie dar, sondern eine ideelle: Ganz gleich, wie gerecht die Verteilung der materiellen Güter auch ausfällt, solange die Herrschaft von Menschen über Menschen gilt, ist dies Unrecht.

Im Anarchismus ist die Erkenntnis, daß Zwang, Herrschaft, Hierarchie, Fremdbestimmung jeglicher Art und auch der Staat dem Menschen nicht angemessen ist, die allgemeine Basis.

Neben der Orientierung an anarchistischen ProtagonistInnen aller Zeitalter, wie Proudhon, de la Boetie, Bakunin, Goldman, Zapata, Thoreau, Michel, Makhno, Rocker, Kropotkin, de Cleyre, Mühsam und vielen anderen, ist die übliche Erscheinungsform der AnarchistInnen ganz der Bedeutung des Individuums entsprechend eher unorganisiert und zeigt sich in der täglichen Lebensweise ebenso wie bzw. stärker als in der theoretischen Begründung. Diesen Beitrag weiterlesen »

Lasagne a la Fury: Profitmaximierung um jeden Preis – Kolume von Niema Movassat

Vegearische Lasagne - eine möglichkeit dem Pferd aus dem Weg zu gehn; Quelle: http://www.flickr.com/photos/dalboz17/2260773086/

Vegetarische Lasagne – eine Möglichkeit dem Pferd aus dem Weg zu gehn; Quelle: http://www.flickr.com/photos/dalboz17/2260773086/

Während weltweit fast eine Milliarde Menschen nichts auf dem Teller haben, wird in Deutschland Pferd statt Rind serviert. Warum beides zur selben Geschichte gehört? Weil es in beiden Fällen um Profitmaximierung von Konzernen geht, weil in beiden Fällen das Mammon und nicht die Moral regiert. Weil das Leben und die Gesundheit von Menschen im Kapitalismus dem Gewinninteresse von Konzernen untergeordnet werden. Aktionspläne und mehr Kontrollen, wie sie Landwirtschaftsministerin Aigner vorschlägt, sind Beruhigungspillen für die Bevölkerung. Sie ändern nichts an der Produktions- und Verarbeitungsweise von Lebensmitteln. Die politischen Rahmenbedingungen müssen sich grundlegend verändern.

Letztes Jahr noch vorm Turnier auf Höchstleistungen gedopt und jetzt zu Döner und Lasagne verarbeitet: der Pferdefleisch-Skandal dreht sich nicht nur um Ekel, weil wir womöglich unser aller liebst Black Beauty, das als Haustier längst in den Kreis der erweiterten Familie aufgenommen wurde, verschlungen haben. Es geht vor allem um einen empörenden, gesundheitsgefährdenden Betrug.

Betrogen werden wir als KonsumentInnen in aller erster Linie um unsere Souveränität. Wir haben die Wahl? – Fehlanzeige! Die immense Vielfalt an Nahrungsmitteln trügt, denn die Dönerbude an der Ecke und das Tiefkühlkostunternehmen beziehen ihr Fleisch vom selben Zwischenhändler und vom selben Schlachtbetrieb. Die Wahl ist eine Illusion, weil die kapitalistische Marktkonzentration und die Profitmaximierung als leitendes Prinzip längst ringsum zu den gleichen Produktionsbedingungen geführt haben. Kaum ein Betrieb, der großartig anders produziert als der andere. Schließlich will man im Wettbewerb überleben. Diesen Beitrag weiterlesen »

Suizide wegen Zwangsräumungen!

15022013-Zwangsräumung

Zwangsräumungen

Suizide in Spanien: Aus den Augen, aus dem Sinn – Immer mehr Menschen in Spanien verlieren ihre Wohnungen oder Häuser und damit ihre Lebensgrundlage. Die Krise ist ganz unten angekommen und hat bittere Konsequenzen. Die Zahl der Selbstmorde hat in erschreckendem Maße zugenommen.

Für zwei Männer in Málaga war der Jahresbeginn 2013 nicht etwa ein Neuanfang mit Herausforderungen, sondern der schreckliche Zeitpunkt, an dem die Erkenntnis kam, nicht mehr weiter zu wissen. Die Männer verbrannten sich – unabhängig voneinander -, weil ihnen die Zwangsräumung ihrer Wohnungen bevorstand. Selbstmorde wegen Zwangsräumungen sind in Spanien keine Seltenheit mehr, doch die Berichterstattung ist übersichtlich.

Anspruch auf Rente, Sozialhilfe, Kindergeld – doch die Zahlungen bleiben aus Diesen Beitrag weiterlesen »

Wer beaufsichtigt die GEMA ? Wird sie beaufsichtigt?

GEMA; Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Gema_logo.svg

GEMA; Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Gema_logo.svg

Die GEMA ist unbeliebt. Die GEMA ist Gegenstand von zahlreichen Beschwerden, Petitionen und Klagen. Auch bei Kulturschaffenden, deren Interessen sie ja eigentlich vertreten soll, hat sie einen schweren Stand. Weil das Thema wiederholt bei uns im Petitionsausschuss des Bundestages landete, habe ich versucht, mit einer „Kleinen Anfrage“ etwas Licht ins Dunkel zu bringen. Das Ergebnis ist ernüchternd.
Über 190.000 Bürgerinnen und Bürger haben sich in den vergangenen zehn Jahren beim Petitionsausschuss des Bundestages über die GEMA beschwert. Eine außergewöhnlich hohe Zahl. Zwei öffentliche Ausschusssitzungen in der selben Legislaturperiode zum gleichen Thema wurden so erzwungen. Das gab es noch nie.
Wirklich erstaunlich, dass nur 323 Beschwerden über die GEMA in diesem Zeitraum beim Deutschen Patent- und Markenamt (DPMA) – der offiziellen staatlichen Aufsichtsbehörde – eingegangen sein sollen.
Interessant ist, dass das DPMA keine Statistik zu den Beschwerdegründen, eigenen Beanstandungen und Verwicklung der GEMA in Gerichtsverfahren führt. Sieht so staatliche Aufsicht aus? Nur 16 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beim DPMA beaufsichtigen alle deutschen Verwertungsgesellschaften. Das sind neben der GEMA noch elf weitere Verwertungsgesellschaften für die Bereiche Wort, Bild, Film und Fernsehen. Diesen Beitrag weiterlesen »

Wahlen in Israel: neue Koalition für Kürzungen und Besatzung

Bei den Parlamentswahlen in Israel hat die rechtsradikale Siedlerpartei Jüdisches Heim des Millionärs Naftali Bennet nicht den erwarteten Erdrutsch ausgelöst. Dass die Partei Jesh Atid (Es gibt eine Zukunft) des reichen Fernsehstars Jair Lapid in einem Überraschungserfolg 19 von 120 Sitzen in der israelischen Knesset gewinnen konnte, wurde in der deutschen Presse von „WELT“ bis „Taz“ mit Erleichterung aufgenommen. „So wie es sich jetzt darstellt, haben wir keine Rechtsentwicklung in der israelischen Gesellschaft“, sagt auch Sabine Hofmann vom Otto-Suhr-Institut in Berlin. Dieser Erleichterung gegenüber ist eher Skepsis angebracht.

Likud verliert – Netanyahu gewinnt trotzdem

Der derzeitige Ministerpräsident Israels Benjamin Netanhayu wird höchstwahrscheinlich Ministerpräsident bleiben. Die Bildung einer gemeinsamen Liste mit der extrem rechten Partei Beitenu (Unser Haus Israel) des ehemaligen Außenministers Liebermann – ein notorischer Rassist und Schläger – rettete dem Bündnis die meisten Stimmen und damit 31 von 120 Sitzen in der Knesset. Seine eigene Partei Likud musste herbe Verluste hinnehmen. Einer der Gründe war sein Scheitern in der letzten Regierung bei der Durchsetzung eines Kürzungshaushaltes. Dieser hätte vor allem die Privilegien der Ultraorthodoxen bedroht. Ihre Ausnahme von der Wehrpflicht stand zur Debatte, die Stipendien für Thorastudenten und das Kindergeld für die traditionell kinderreichen Orthodoxen sollten gekürzt werden. Dafür konnte Netanyahu bei seinen Koalitionspartnern keine Unterstützung erwarten. Zwei andere Gründe für den Stimmenverlust waren sicherlich Netanyahus Unterdrückung der Sozialproteste 2011 und sein erfolgloser, wenn auch tödlicher Angriff auf Gaza im Dezember 2012. Diesen Beitrag weiterlesen »

Menschenleben oder Kapital – Was zählt ?

Der Versuch, Antwort zu geben auf die Frage :“ Wie kann es sein, dass die Menschen, die andere Menschen bedrohen oder ihnen Gewalt zufügen, so verhältnismäßig milde Strafen erhalten, während Menschen, die Sachwerte zerstören, so hart bestraft werden?kann nur beim Versuch bleiben.

Am 27.01. gedachte ganz Deutschland und wahrscheinlich auch der Rest Europas dem Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz.

Dieses Gedenken symbolisiert ein Lernen aus der Geschichte, den Willen, Vergangenes nicht wieder zuzulassen, aufzupassen, sensibel zu sein.

Die Gründer der Bundesrepublik verfassten als Resultat des Gelernten das Grundgesetz mit dem Ziel, Vergangenes nicht wieder zuzulassen, aufzupassen, sensibel zu sein. Die Gleichheit des Menschen war ein Leitmotiv, die Ausgrenzung und Bewertung nach Religion und Herkunft und aus welchen Gründen auch immer sollte künftig ausgeschlossen werden.

Wir haben aus der Vergangenheit gelernt.

Haben wir?

Seit 1990 wurden vom Verfassungsgericht über 150 Gesetze und Gesetzesentwürfe für Verfassungswidrig gelegt oder auf Eis gelegt.

Nicht enthalten sind die Gedanken, die bereits im Vorfeld abgelehnt wurden oder diejenigen, die nicht beklagt wurden und deshalb passierten.

Diese nüchterne Zahl steht für einen Wandel im Geiste, der meint, aus Vergangenem gelernt zu haben und sich für stark genug hält, zu Widerstehen.

Man wähnt sich möglicher Weise in der Illusion, dass man alles im Griff habe, die Vergangenheit schließlich stets im Blick und übersieht dabei, dass es viele Möglichkeiten gibt, das Maß zu verlieren.

 

Man glaubt wieder, selektieren zu können. So schrieb ein auch heute sehr präsenter Politiker, der nicht unmaßgeblich an der künftigen Politik in unserem Land beteiligt sein wird: „Soziale Gerechtigkeit muss künftig heißen, eine Politik für jene zu machen, die etwas für die Zukunft unseres Landes tun: die lernen und sich qualifizieren, die arbeiten, die Kinder bekommen und erziehen, die etwas unternehmen und Arbeitsplätze schaffen, kurzum, die Leistung für sich und unsere Gesellschaft erbringen. Um die – und nur um sie – muss sich Politik kümmern.“  Das ist jetzt zugegebener Maßen etwa 10 Jahre her, dennoch, es fand keine Distanzierung von dieser Aussage statt, bis heute. Warum auch? Es gab allenfalls zaghafte Kritik, wenn überhaupt, in jedem Falle in einem Ausmaß, an das in Vergessenheit geraten ist. Einen Aufschrei gab es schon gar nicht. Mit dieser Aussage findet eine bis heute Gültigkeit habende Kategorisierung in wertes und unwertes Leben statt. Das zarte Aufflackern eines Deja vù.

 

Die Richtung, die wir eingeschlagen haben, deutet an, dass das vermeintlich Erlernte nicht zu einer wirklich greifbaren Verhaltensänderung geführt hat. Es wird wieder gespalten, gut und böse nach willkürlichen Maßstäben definiert, unter Generalverdacht gestellt und diffamiert. Der Mensch wird nach seiner Nützlichkeit betrachtet, die Nützlichkeit nach produktiver Effektivität beurteilt. Der Mensch verdient seine Würde nicht mehr qua Geburt, sondern muss sie sich nach den Maßstäben der Politik verdienen. Er wird im Gefüge des produktiven Kreislaufs versachlicht, als austauschbarer Teil einer Produktionskette, die, je billiger, desto besser, der seinen Wert erst dadurch erhält, dass er Mehrwert schafft.

Vor diesem Hintergrund ist es nicht weiter verwunderlich, dass Menschenleben gegenüber materiellen Werten ins Hintertreffen geraten. Das höchste Gut ist heutzutage der Besitz von materiellen Werten. Dem liegt die Urteilssprechung zu Grunde, der wir nicht folgen können.

Ein Beitrag von Frank Braunert- Saak

Beharrlichkeit zahlt sich aus: Essen tritt Kampagne „Vermögensteuer jetzt“ bei

Logo der Kampagne

Logo der Kampagne

Im dritten Anlauf ist es gelungen: Auf Antrag der LINKEN stimmte am 30. Januar 2013 der Rat der Stadt Essen mehrheitlich für einen Beitritt der Stadt zur Kampagne „Vermögensteuer jetzt“. Ende letzten Jahres waren zwei Anläufe an der Ablehnung der Grünen gescheitert, die hier mit CDU und FDP sowie einem Bürgerbündnis koalieren.

Mit dem Beitritt zur Kampagne unterstützt die Stadt Essen die Forderung nach Einführung einer Vermögensteuer durch die Bundesregierung. Damit befindet sie sich in guter Gesellschaft. Über 30.000 Erstunterzeichner, darunter prominente Namen wie Sven Giegold (Grüne), Heiner Geißler (CDU), Siegmar Gabriel (SPD) oder Sahra Wagenknecht (DIE LINKE). Auch viele Ruhrgebietsstädte zählen zu den Unterzeichnern.

„Ohne Stärkung der Einnahmeseite ist an eine Sanierung der kommunalen Haushalte nicht zu denken – deshalb brauchen wir eine Vermögensteuer“, begründete Janina Herff, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der LINKEN den Antrag. „Entgegen der Legenden, die CDU und FDP auch gestern wieder verbreiten wollten, geht es uns LINKEN nicht darum Betriebs- oder Immobilienvermögen zu besteuern. Mit falschen Behauptungen, eine Vermögensteuer würde den Mittelstand treffen, soll die Bevölkerung bewusst in die Irre geführt werden. Für DIE LINKE ist klar: Vermögensteuer heißt Besteuerung großer Barvermögen.“

„Noch niemals ist es gelungen, Öffentliche Haushalte allein über Kürzen und „Sparen“ zu sanieren. Es ist unstrittig, dass privater Reichtum und öffentliche Armut einander bedingen“, stellt Fraktionsvorsitzender Hans Peter Leymann-Kurtz fest. „Während Reiche trotz Finanzkrise immer reicher geworden sind, ist der Staat immer ärmer geworden. Bestätigt wird diese Fehlentwicklung durch den aktuellen Reichtums- und Armutsbericht der Bundesregierung. Da nur Reiche sich einen armen Staat leisten können, ist es überfällig, die Besitzer großen Geldvermögen angemessen zu beteiligen.

Ein exklusiverGastbeitrag der Geschäftsführers der Linksfraktion in Essen, Jörg Bütefür.

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