Buchrezension
Wie viel ist genug? – Vom Wachstumswahn zu einer Ökonomie des guten Lebens von Robert & Edward Skidelsky
Die Gier nach Wachstum, nach dem „immer mehr“ ist inzwischen über die alternativen Lebensentwürfe bekannt als die Ursache für die Umweltzerstörung, für Klimawandel, Armut, Elend und Krieg und den gefährdeten Zusammenhalt von Gesellschaften. Die Schere zwischen Armen und Reichen öffnet sich immer weiter, während die oben immer neue Luxusgüter konsumieren, kämpfen die anderen gegen prekäre Arbeitsbedingungen oder um das nackte Überleben. Die Frage nach der Alternative, nach einer Veränderung, spaltet die Denker und Ideologen.
Was ist ein gutes Leben?
Robert und Edward Skidelsky haben sich in ihrem Buch die Frage gestellt, wie es aussehen kann, ein gutes Leben für alle und welche Bedingungen dafür notwendig sind.
Dafür nehmen sie den Leser mit auf eine Reise durch die Zeit und frühere Vorstellungen vom guten Leben. Ihr Buch ist eine hochgelehrte, philosophische Abhandlung über Glück und ein gutes Leben, zugleich, und diese Mischung macht den besonderen Reiz aus, auch eine wirtschaftswissenschaftliche Analyse von Zahlen und Verhältnissen, durch die sich das Theoriegebäude von Keynes wie ein roter Faden zieht. Robert Skidelsky ist Professor für Wirtschaftswissenschaften, sein Sohn Edward ist Philosoph und Religionswissenschaftler.
Verhängnisvolle Scham – Israels Politik und das Schweigen der Christen!
Die israelische Politik im Nahen Osten sorgt weltweit für Entsetzen. Meist kommt die Kritik von Linken oder Muslimen, christliche Organisationen halten sich, auch im Angesicht der eigenen Geschichte, häufig zurück. Mark Braverman ein 1948 geborener jüdischer Amerikaner aus einer pro-israelischen Familie fordert, dass das Schweigen der Christen zur Besatzungspolitik Israels ein Ende nimmt.
Das Buch beginnt mit einem interessanten Prolog, der deutlich zeigt, wo die Konfliktlinien im Nahostkonflikt verlaufen:
Im September 1997 wurde die dreizehnjährige Smadar Elhanan von einem palästinensischen Selbstmordattentäter getötet. Nach ihrem Tod öffneten ihre Eltern Rami und Nurit Peled-Elhanan anderen trauerenden Eltern und palästinensischen Helfern, die ihnen ihr Beileid bekundeten, ihr Trauer-Haus. Jahre später sagte Nurit bei einer Ansprache in Tel-Aviv:
Nach der Ermordung meines kleinen Mädchens fragten mich Reporter, wie ich es fertigbringe, Beileidsbekundungen von der anderen Seite entgegenzunehmen. Ich gab zur Antwort, dass ich mich tatsächlich geweigert hatte, der anderen Seite zu begegnen: Als nämlich der damalige Bürgermeister von Jerusalem, Ehud Olmert, kam, um mir sein Beileid auszusprechen, hatte ich den Raum verlassen und mich geweigert, mit ihm zusammenzusitzen. Für mich ist die andere Seite, also der Feind, nicht das palästinensische Volk. In meinen Augen geht der Kampf nicht zwischen Palästinensern und Israelis und auch nicht zwischen Juden und Arabern. In Wirklichkeit geht es um den Kampf zwischen denen, die Frieden wollen und denen, die Krieg wollen. Mein Volk sind diejenigen, die Frieden wollen. Meine Schwestern die trauernden israelischen und palästinensischen Mütter, die in Israel und in Gaza und in den Flüchtlingslagern leben. Meine Brüder sind die Väter, die ihre Kinder gegen die grausame Besetzung zu verteidigen suchen und denen, die das wie ich nicht fertigbringen! Wir wurden zwar in eine unterschiedliche Geschichte hineingeboren und sprechen verschiedene Sprachen, aber uns eint mehr als uns trennt.”
Israel, die Besatzung und ihre Ursachen
Nach dem Prolog, der Mut macht folgt, Braverman mit einem fesselenden Buch, das damit beginnt die Perspektiven auf den Nah Ostkonflikt wieder “grade zu rücken”. So schreibt er “Die Siegreichen und Mächtigen werden als die Opfer betrachtet, die Enteigneten als die Unterdrücker.” Er verdeutlicht damit, dass zumindest in Teilen der westlichen Welt der Eindruck entstanden ist und sich bis heute hält, dass Israel das Opfer der selbstgeschaffenen Besatzung ist und nicht die PalästinenserInnen. Ein Eindruck den er im gesamten Buch wiederlegt und richtigerweise die aktuelle Situation als Kolonialismus definiert, wie auch der berühmte israelische Historiker Ilan Pappe. Als Grundproblem Israels sieht er den Glauben das auserwählte Volk zu sein, ein Anspruch den er für die heutige Welt ablehnt. Durch eine solche Selbsteinschätzung werde jeder Frieden unmöglich gemacht, so Braverman, der daraufhin die christliche Welt kritisiert, die zu all dem israelischen Unrecht nur schweigt. Seine Kritik richtet er vorallem an die progressiven ChristInnen auf dieser Erde, die Israel unterstützen, weil sie es für die notwendige Konsequenz des Holocaust halten. Er betont, dass grade diese Gruppe Israel laut und deutlich kritisieren müsse, wenn sie sich Sorgen um die Juden machen. Er kritisiert auch die Idee der progressiven Christen, dass man Israel nur kritisieren dürfe, wenn die Mehrheit der jüdischen Israelis dies tue. Als Antwort auf solche Gedanken zitiert er zu Beginn des 8. Kapitels (zu Beginn eines jeden Kapitels findet sich ein Zitat, das dem Kapitel die Richtung weißt) Rosemary Ruether:
Man hörte grausame Argumente…, die zu unterstellen scheinen, Christen sollten sich erst dann kritischen gegenüber Israel äußern, wenn das eine wesentliche Anzahl von Israelis und westlichen Juden tun. Das ist ein seltsames Moralprinzip… Würde man wirklich solange damit warten, den Rassimus der Amerikaner oder weißen Südafrikaner zu kritisieren, bis eine Mehrzahl der der weißen Amerikaner oder weißen Südafrikaner das selbst tut?
Er kritisiert dabei nicht nur die liberalen Christen, sondern auch die liberalen Juden, die nicht weiter denken als die aktuellen Grenzen und in diesen sogar Siedlungen behalten wollen. Bravermann spricht sich nicht für die Ein-Staaten-Lösung aus, doch er erkennt, dass die Idee eines pluralen und demokratischen Staates auf der Grundlage des historischen Palästinas eine Lösung wäre. Eine Lösung, die immer realistischer wird, wenn sich die aktuelle Politik fortsetzt. Sein letztes Kapitel gilt es dabei sich zum Herzen zu nehmen, es ist ein Aufruf zum Handeln, ein Aufruf den Mund auf zu machen und nicht mehr zu schweigen im Angesicht des Unrechts. Ein Aufruf das Schweigen zu brechen, ein Aufruf im Interesse der Bevölkerung im Nahen Osten.
Ein Nachwort des Alttestamentlers Walter Brüggemann schließt das Buch ab : „Dieses Buch ist eine Einladung, dem man Gehör schenken muss. Würde man sie beherzigen, so könnte schon bald in Jerusalem Friede sein, wenn auch nicht gleich nächstes Jahr. Lässt man sich nicht auf sie ein, so wird der heilige Boden immer mehr zum Schlachtfeld werden. Es gibt eine Zeit zum Festhalten und eine Zeit zum Loslassen.“ Dem können wir uns nur anschließen und die Einladung dieses Buch zu lesen, nur weitergeben und euch bitten gemeinsam mit uns die praktischen Tipps des Kapitals “Aufruf zum Handeln” umzusetzen.
„Enteignet – warum der Medizinbetrieb uns krank macht“ von Sonia Mickich
Die Journalistin Sonia Mickich, bekannt aus der Sendung „Monitor“, hat mit “Enteignet – warum der Medizinbetrieb uns krank macht” ein wichtiges Buch vorgelegt, in dem sie ihre eigene, dramatische Patientengeschichte zum Anlass nahm, sich mit den Abgründen unseres Gesundheitssystems auseinanderzusetzen. Das Ergebnis ist bestürzend: Seit der Einführung der Fallpauschalen wächst der Ökonomisierungsdruck auf Krankenhäuser; um Profit zu erwirtschaften, werden jedes Jahr mehr unnötige Operationen durchgeführt und Personal eingespart. Der Personalmangel führt dazu, dass die Patientensicherheit auf den Stationen nicht mehr gegeben ist, Patienten werden entmenschlicht, für Gespräche, Beratung oder auch nur eine einordnende allgemeinmedizinische Vorabdiagnose bleibt keine Zeit. Für die begehrten Privatpatienten werden Wellness-Kliniken gebaut, um todkranke Kinder zu Hause bei ihren Familien zu versorgen, gibt es keine Mittel.
Eine erschütternde Bestandsanalyse
Sonia Mickichs Buch lässt eine Mischung aus Erschütterung und Wut beim Leser zurück. Die meisten jungen Menschen machen sich nicht allzu viele Gedanken darum, krank zu werden, so krank, dass man sich Ärzten und Pflegern ausliefern muss, vielleicht nicht mehr für sich selbst sprechen kann. Viele Menschen fürchten Krankenhäuser – und das nicht zu Unrecht, wie Sonia Mickich zeigt. Die Journalistin berichtet von ihrer eigenen leidvollen Odyssee durch Diagnosen, Operationen und sogar Todesangst und immer wieder fragt sie sich dabei, wie es wohl Menschen gehen mag, die weder Angehörige haben noch verbal so kompetent sind wie sie.
“Fleischmarkt – weibliche Körper im Kapitalismus” – von Laurie Penny
Laurie Penny, eine junge englische Bloggerin untersucht in ihrem bereits im Februar 2012 auf deutsch erschienen Buch “Fleischmarkt – weibliche Körper im Kapitalismus”, warum die Ausbeutung von Frauen und die Illusion einer käuflichen, künstlichen Weiblichkeit immanent zum Kapitalismus gehört. Auf höchst unterhaltsame Weise formuliert sie Sätze, so scharf wie Rasiermesser, die schonungslos offenlegen, warum der Feminismus noch immer an so vielen Fronten zu kämpfen hat und dass der Kampf um die Befreiung der Frau untrennbar verbunden ist mit dem Kampf gegen den Kapitalismus.
In vier Kapiteln zeigt der schmale Band, wie Sexualität und Weiblichkeit zu sterilen Mitteln für Konsum und Marketing geworden sind, während für echte Sexualität und weibliche Körper kein Raum mehr ist. Auf der einen Seite begegnet uns überall sexualisierte Werbung, nackte, perfektionierte, sterile Körper, die ständig locken und verführen, auf der anderen Seite werden junge Frauen, die versuchen, diese Form der Sexualität nachzuäffen, weil sie sie für die Wirklichkeit halten, als Schlampen stigmatisiert und durch den Dreck gezogen. Diesen Beitrag weiterlesen »
Der Mohr im Hemd oder wie ich auszog die Welt zu retten“
Vielleicht mag es euch überraschen , dass die Freiheitsliebe zum ersten Mal einen Roman bespricht. Doch das Thema dieses Buches steht in so engem Zusammenhang mit unseren Anliegen, dass es uns wert erschien, uns auch einmal mit einer „Unterhaltungs“-variante des Themas zu beschäftigen.
Ali Idalaumbo ist, nach eigenem Bekunden, 15 Jahre alt, stammt aus dem Westen Afrikas und spricht 40 Sprachen, am besten Deutsch. Er, der Anwalt der Unterdrückten, lebt in der obersten Etage eines Asylbewerberheimes in Wien, dort wo die UFMs, die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge, untergebracht sind. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, seine Mitbewohner von ihren Ängsten und Albträumen zu befreien.
Durch seinen Ich-Erzähler Ali schildert uns Martin Horvath, die traurigen, erschreckenden, ergreifenden Schicksale der Flüchtlinge aus dem Kosovo, Afghanistan, Elfenbeinküste, den ehemals russischen Republiken, Bosnien, dem Irak und vielen anderen Gebieten dieser Welt. Er erzählt sie z. T. märchenhaft verkleidet, z.T. mit erschreckendem Realismus .Da ist der Kindersoldat Yaya, der zum Vergewaltigen und Töten gezwungen wurde, und dessen Opfer ihm nun die Sprache rauben. Da ist Nicoleta aus Serbien, die zur Prostitution gezwungen wurde und nun nächtelang verschwindet und Murad, der gläubige, der sich nichts sehnlicher wünscht, als Mutter und Schwester zu sich zu holen. Sie alle warten in diesem Haus auf die Entscheidung der Bürokratie, dürfen sie bleiben oder werden sie abgeschoben. Diesen Beitrag weiterlesen »
Hauptschüler – Zur gesellschaftlichen Produktion von Verachtung.
Bei der vorliegenden Arbeit von Stefan Wellgraf „Hauptschüler“ mit dem Untertitel „Zur gesellschaftlichen Produktion von Verachtung“, handelt es sich um eine an der Universität Frankfurt/ Oder vorgelegte Dissertation. Dennoch sollte man sich nicht vom wissenschaftlichen Anspruch dieser Arbeit abschrecken lassen, da das Thema verständlich und sehr gut recherchiert vorgestellt wird.
Die Arbeit basiert auf einer anderhalbjährigen Feldforschung mit Hauptschülern in West- und Ostberlin in den Jahren 2008/9. Im Jahre 2010 wurde dann in Berlin die Hauptschule abgeschafft. In einigen Bereichen zieht der Autor zum Vergleich Gespräche mit Schülern eines Berliner Gymnasiums heran.
Wellgraf unterteilt seine Studie in zwei Schwerpunkte „Selbstwahrnehmungen und kulturelle Praktiken“ sowie „Repräsentationen – Macht – Kritik“.
Der erste Schwerpunkt „Selbstwahrnehmung und kulturelle Parktiken“ beruht zu einem grossen Teil auf Gesprächen mit den Schülern. Er ist gliedert sich in diverse Kapitel. So hinterfragt der Autor im Kapitel „Soziale Beziehungen“ die Vorstellungen der Schüler von Freundschaft, Liebe und Anerkennung . Hierbei stellt der Autor fest, dass Liebesbeziehungen für die Schüler eine zentrale Rolle für ihr Selbstverständnis spielen. Diese helfen, das Gefühl der Ausgrenzung zu kompensieren und stellen eine „Ressource emotionaler Wertschätzung“ dar. Besonders interessant war das Kapitel „Nach der Schule – Wege und Zukunftsvorstellungen“ in dem verdeutlicht wird, wie die Schüler den Übergang von der Hauptschule ins Berufsleben erfahren. Diesen Beitrag weiterlesen »
Karl Marx “Zur Judenfrage” – Die Emanzipation der Gesellschaft
In seinem Text “Zur Judenfrage” nimmt er auf zwei Schriften des deutschen Theologen und Philosophen Bruno Bauer Bezug. Diese wendeten sich der Möglichkeiten der Emanzipation von Menschen jüdischen Glaubens zu. Bereits auf der ersten Seiten nimmt Marx in seinem Text aber eine andere Perspektive ein und unterzieht den Menschenrechten einer Kritik.
Der Religionsfreiheit wird hier zunächst größerer Aufmerksamkeit zukommen gelassen. Bei einer Sichtung menschenrechtlicher Erklärungen aus Frankreich und den Bundesstaaten der USA wird dieses als Menschenrecht oder Folge des Menschenrechts auf Freiheit oft in einem Atemzug mit Versammlungs-, Meinungs- und Gewissenfreiheit genannt. Marx zeigt bei dieser Sichtung also empirisch auf, dass “[d]as Privilegium des Glaubens [...] ein allgemeines Menschenrecht [ist]” (S.363).
Zunächst führt Marx jedoch eine Unterscheidung in der Realität von Menschenrechten ein. Demnach gibt es die politischen Rechte, die man auch politische Freiheiten oder Staatsbürgerrechte nennen kann, und die bürgerlichen Besitz- und Eigentumsrechte. Erste sollen fortan droits du citoyen, zweite droits de l’homme genannt werden, diese sind die Begriffe, die Marx zur Unterscheidung benennt (vgl. S. 362). Diesen Beitrag weiterlesen »
Die letzte Schlacht gewinnen wir – Der SDS
Der Kongress „40 Jahre 1968 – Die letzte Schlacht gewinnen wir”, im Mai vergangenen Jahres vom Studierendenverband Die Linke.SDS und der linksjugend ['solid] in Berlin organisiert, war mit über 1600 Besuchern wohl die größte linke Intervention in die öffentliche Diskussion zum Jubiläum des „Revoltenjahres”. Der Kongress war aus Sicht der Veranstalter ein großer Erfolg, doch stehen solche Veranstaltungen immer vor der großen Aufgabe, mehr als nur ein – subjektiv – schönes Erlebnis zu sein, sondern ein Ereignis, welches längerfristig auf linke Diskussionen und Zusammenhänge zurückwirkt. Dies soll nun mit der Veröffentlichung des Buches zum Kongress, herausgegeben von Die Linke.SDS, erreicht werden.
Das Buch versucht, die inhaltliche Vielfalt des Kongresses einzufangen, indem es sich stark an dessen Aufbau orientiert. Die einzelnen Kapitel sind den inhaltlichen Blöcken des Kongresses (Kapitalismus, Imperialismus, Demokratie, Gleichstellung und Befreiung, Bildung, Bewegung) zugeordnet, die einzelnen Beiträge orientieren sich teils strikter, teils lockerer an den Workshops und Diskussionen.
Wie der Kongress hat sich auch das Buch die Aufgabe gestellt, einen „Blick zurück nach vorn” zu werfen, also Debatten über die Deutungshoheit über 1968 mit konkreten Interventionen in die und in der Gegenwart zu verbinden. Dabei wird ein Ansatz gewählt, der versucht, 1968 in seiner ganzen Pluralität darzustellen. Auch wenn dies bedeutet, dass die Mehrzahl der Artikel aufgrund ihres Umfangs keine umfassenden Analysen sein können, ist dies ein durchaus sinnvoller Ansatz, denn so kann das Phänomen 1968 in der Vielfalt dargestellt werden, die es tatsächlich umfasste: Nämlich als eine kulturrevolutionäre Phase, die bereits vor ’68 eingeleitet wurde (laut Leo Panitch begann das deutsche ’68 bereits 1959 mit dem Godesberger Programm der SPD und der daraus resultierenden Konstituierung der Neuen Linken) und weit über ’68 in einer „Fundamentalliberalisierung” der Bundesrepublik (Habermas) Wirkung zeigte, aber auch Fragen und Forderungen unbeantwortet gelassen hat, an die es für die Linke anzuknüpfen gilt. Diesen Beitrag weiterlesen »
Staatenkonflikte: Zur Analyse von Geopolitik und Imperialismus – ein Überblick
„Neuer kalter Krieg”, „neues Zeitalter der Geopolitik” – nicht erst seit dem Krieg zwischen Russland und dem zukünftigen NATO-Mitgliedsstaat Georgien hat sich der Diskurs um die zwischenstaatlichen Verhältnisse deutlich gewandelt. Es ist stiller geworden um die These der „Pazifizierung der Weltgesellschaft”. Begriffe wie „Imperium” und „Imperialismus” haben wieder Hochkonjunktur. An griffigen Phrasen fehlt es nicht. Eine Einführung in die verschiedenen Theorien zu Staatenkonflikten hat der Frankfurter Politikwissenschaftler Tobias ten Brink mit „Staatenkonflikte: Zur Analyse von Geopolitik und Imperialismus – ein Überblick” vorgelegt.
Herausragendes Merkmal des Handbuchs ist die Vielfalt der Ansätze, die ten Brink auf 313 Seiten behandelt. Die bedeutendsten Theorien seit Beginn des 20. Jahrhunderts werden rekonstruiert. Im Unterschied zu vergleichbaren Einführungen finden dabei auch solche Ansätze Beachtung, die im Mainstream der Disziplin der Internationalen Beziehungen weitgehend ignoriert werden. Zu Unrecht, wie „Staatenkonflikte” zeigt.
Strukturiert entlang der Phase des „klassischen Imperialismus” (1870-1945), des „Kalten Krieges” (1945-89) und der Epoche der „neuen Weltunordnung” ab 1989 wird systematisch analysiert, wie die Verhältnisse zwischen Zentrum und Peripherie und insbesondere die „Nord-Nord”-Verhältnisse theoretisiert werden. Diesen Beitrag weiterlesen »









