Buchrezension

Türken Sam – Ich wollte dazugehören

Bücher über kriminelle Jugendliche mit Migrationshintergrund gibt es in Deutschland massenweise, meist von Politikern, Verbändern und Organisationen, selten von den Jugendlichen selbst. Eines der Bücher, die man wirklich lesen sollte, wenn man sich mit diesem Themenkomplex beschäftigen will und eine andere Sichtweise kennenlernen möchte, ist “Türken Sam” von Cem Gülay.

Türken Sam ist eine Autobiographie, eines Deutschtürken, der alles gegeben hat um in der Gesellschaft angenommen zu werden. Es ist ein Buch über die Geschichte eines Jungen, den man wohl vor seinem Aufstieg in der Szene, als gut integriert bezeichnet hätte, auch wenn er das anders sieht. Seine Geschichte, ist eine Geschichte voll Ausgrenzung, Wut und Rassismus.

Kein Türke als Schulsprecher

Cem Gülay wollte Fußballer werden und spielte in den verschiedensten Hamburger Fußballclubs. Er galt als Talent, doch der Rassismus und die Ausgrenzung setzten ihm zu. So berichtet er über ein internationales Sichtungstunier bei dem er ausgeladen wurde, weil er “Türke” war und der Trainer mit einer deutschen Mannschaft spielen wollten. Er berichtet über die Machokultur unter jungen Männern und die Diskriminierung, die Frauen dabei tagtäglich über sich ergehen lassen müssen. Diesen Beitrag weiterlesen »

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Reichtum macht glücklich? Gleichheit = Glück!

Gleichheit ist Glück

Eine Gesellschaft, in der jeder jedem vertrauen kann, es keine gesundheitlichen und sozialen Probleme gibt, keine Kriminalität, keine Notwendigkeit, sich auf eine Prügelei vorzubereiten, in der unsere Kinder bestens versorgt sind, in der wir keine Angst haben, in der es Gleichberechtigung von Frau und Mann gibt, in der Menschen den notleidenden Menschen der Welt helfen, in der beste Bildung für alle verfügbar ist – Das ist die Utopie für eine glückliche Welt.
Betrachten wir jede einzelne Komponente dieser Utopie und ordnen sie statistisch ein, dann entsteht plötzlich eine berechenbare Darstellung von Glück, die allerdings ausschließlich für die Industrieländer gilt. Die Untersuchung dieser Glückskomponenten hat Richard Wilkinson und Kate Pickett zu der Erkenntnis geführt, dass nahezu alle Kriterien für gesellschaftliches Glück in Korrelation stehen zur Einkommensverteilung in einer Gesellschaft. Diese Erkenntnis war für die Autoren erstmal überraschend. Und auch beim Lesen ihres Buches „Gleichheit ist Glück“ überrascht der direkte Zusammenhang zwischen der Einkommensverteilung in einer Gesellschaft und einer „Glücksstatistik“ immer wieder.

Dabei zeigen die Zusammenhänge, dass das gesellschaftliche Glück in Gesellschaften mit wenig Einkommensungleichheit für alle Menschen aus allen Schichten größer ist. Dadurch wird die gesamte Untersuchung von Wilkinson und Pickett zu einem Plädoyer für eine Gesellschaft, in der die Einkommensdifferenz zwischen den reichsten 20 % und den ärmsten 20 % einer Gesellschaft möglichst gering ist. Diesen Beitrag weiterlesen »

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“Freiheit statt Kapitalismus” – Wagenknecht knechtet die Reichen

http://www.nachdenkseiten.de/upload/bilder/wagenknecht_cover_9783821865461.jpgDas im April vergangenen Jahres veröffentlichte 368-Seiten starke Buch “Freiheit statt Kapitalismus” zeigt ein mal mehr deutlich, wie tief das neoliberale Wirtschaften unser System immer weiter in den Sumpf der Zerrüttung einsickern ließ.

Der verpsrochene Wohlstand für alle

dass ich eine Wirtschaftsverfassung anstrebe, die immer weitere und breitere Shichten unseres Volkes zum Wohlstand führen vermag. Am Ausgangspunkt stand der Wunsch, über eine breitgeschichtete Massenkaufkraft die alte konservative soziale Struktur endgültig zu überwinden.

Ludwig Erhard

Dieses Zitat Ludwig Erhards bildet einerseits den Einstieg in Kapitel 1, andererseits bleiben die Worte Erhards ein ständiger Wegbegleiter, bleiben Aufhänger eines nicht einmal im Ansatz eingelösten Versprechens. Diesen Beitrag weiterlesen »

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Verordnete Wahrheit, bestrafte Gesinnung

Die ultimative Wahrheit

Es gibt keine ultimative Wahrheit, denn jeder interpretiert die Realität anders und legt sich Fakten so zurecht, dass sie seinem Weltbild entsprechen. In Europa ist es in den letzten Jahren zu immer neuen Gesetzen gekommen, die die “eine Wahrheit” zementieren und Personen, die sich dieser nicht beugen, bestrafen sollen.

Es wurden in Europa Verbrechen im Namen des Kommunismus begangen, ob diese allerdings kommunistische Verbrechen waren, sehen die verschiedensten Politikwissenschaftler und Politiker in Europa aber sehr unterschiedlich. In vier osteuropäischen Ländern werden aber jene mit Freiheitsstrafen bestraft, die die Verbrechen als solche nicht anerkennen oder auch nur von Verbrechen im Namen des Kommunismus sprechen. Die Wortwahl alleine kann dafür sorgen, dass die Menschen Haftstrafen erhalten, dafür, dass sie die Verbrechen anders bezeichnen.

Strafe oder Wahrheit Diesen Beitrag weiterlesen »

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Jenseits von Stammestreue – persönliche Geschichten von jüdischen Friedensaktivisten

Richard Goldstone - Bildquelle:http://www.flickr.com/photos/dripab/3459129219/

2009 hat der UN-Menschenrechtsrat den südafrikanischen Richter Richard Goldstone zum Leiter der fact-finding mission bestimmt, um die möglichen israelischen Kriegsverbrechen, die während der Gaza-Operation Cast Lead begangen wurden, zu untersuchen. Abgesehen davon, dass Richard Goldstone ein sehr geachteter Richter ist, konnte ihm wegen seines jüdischen Ursprungs kein Antisemitismus vorgeworfen werden.

Goldstone hatte wahrscheinlich keine Vorstellung von dem, was ihn erwartete. Nachdem er den Auftrag erfüllt und seine Ergebnisse und Schlussfolgerungen veröffentlicht hatte, wurde er schnell das Opfer einer bissigen Verleumdungskampagne. Israels Informationsminister sagte, der Goldstone-Bericht sei „antisemitisch“. Der Harvardprofessor Alan Dershowitz informierte die Zuhörer des israelischen Armeerundfunks, dass Goldstone ein „übler, übler Mann“ sei und ein“ absoluter Verräter“, ein „Mann, der seine Sprache und Wörter gegen das jüdische Volk benützt“. Dershowitz entschuldigte sich später, dass er Goldstone einen Verräter nannte, er dachte eher an einen Moser ( hebr. für Informant) und meinte „Monster“ (als ob das weniger hart gewesen wäre)…. Diesen Beitrag weiterlesen »

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Aktion 219 – Jenseits des Kapitalismus

Die Aktion 219

Ist der Kapitalismus das einzige System in dem wir uns vorstellen können zu leben? Ist nicht so viel mehr möglich in dieser Welt? Können wir keine Welt schaffen in der alle Menschen die gleichen Rechte haben und jeder Mensch die Möglichkeit hat seine Träume und Ideale auszuleben?

Diese Fragen sollte man sich stellen, bevor man “Die Aktion 219″ liest. Die Aktion ist eine politische Zeitschrift, die allerdings mehr einem Buch ähnelt in dem verschiedene Themen behandelt werden. In der 219 Ausgaben finden sich verschiedene Artikel, viele beschäftigen sich jedoch mit einer libertären Gesellschaft, welche die Klassenunterschiede umgeht und allen eine Zukunft ermöglicht. Die Einführung in diesem Bereich stammt von Gerhard Stange und sie liefert einen hervoragenden Einblick in die Welt, von der der Autor dieses Artikels träumt.

Jenseits des Kapitalismus Diesen Beitrag weiterlesen »

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Denk ich an Palästina!

Viele Menschen in Deutschland fragen sich warum grade der Nahostkonflikt in den Medien so thematisiert wird und nicht etwa der Krieg in Somalia oder der Kaschmirkonflikt! Dies hat zum einen mit der besonderen Bedeutung Israels für Deutschland zu tun, zum anderen mit der Weise, wie sich die beiden beteiligten Staaten sehen!

Für viele Menschen fehlt die menschliche Herangehensweise an den Nahostkonflikt. Der Sammelband “Denk ich an Palästina” ,von Günter Schenk herausgegeben und mit Beiträgen von 26 mehr oder weniger bekannten Personen, schafft diese menschliche Herangehensweise an den Nahostkonflikt! In Deutschland ist es deutlich schwieriger, als in den meisten anderen Ländern der Welt, Israel zu kritisieren und sich für die Rechte der Palästinenser einzusetzen! Der Vorwurf des Antisemitismus, welcher manchmal berechtigt ist, häufig jedoch bei jeder Kritik an der israelischen Politik geäußert wird, bedroht jeden, der sich für einen gerechten Frieden einsetzen will!

Für Palästina oder für den Frieden?

Der in Frankreich lebende Günter Schenk wollte dieser Verurteilung etwas entgegensetzen und internationale Aktivisten zu Wort kommen lassen. Die Beiträge unterscheiden sich dabei nicht nur in ihrer Herangehensweise, sondern auch in ihren politischen Standpunkten, so lassen sich Beiträge mit klar antizionistischen Idealen finden, aber auch Beiträge, welche die Zwei-Staaten-Lösung verteidigen. Die verschiedenen Beiträge ermöglichen jedem Leser eine eigene Beurteilung des Konfliktes! Der Beitrag von Evelyn Hecht-Galinski dürfte nicht viel neues beinhalten für die Leser der Freiheitsliebe, da wir mit ihr ein sehr sehr ausführliches Gespräch über den Nahostkonflikt geührt haben! Interessant ist ihr Beitrag dennoch!

Für viele Menschen, die sich von bedingungslosen Unterstützern Israels zu Verteidigern der Menschenrechte gewandelt haben, dürften die Beiträge von Rupert Neudeck und Ellen Rohlfs sein, die eben diese Entwicklung durchgemacht haben. Während Rupert Neudeck, der Gründer von Cap Anamur, sich immernoch nicht traut alles zu sagen, was er sagen möchte, da spricht Ellen Rohlfs deutliche Worte. Ihr Frage: “Beteiligt sich Deutschland innerhalb von 100 Jahrenalso direkt oder indirket an einem vierten Völkermord?” muss jeder Leser selbst beantworten.

Niemals schweigen!

Jeder der Autoren zeigt uns auf eine eigene Weise, dass man zu Unrecht nicht schweigen darf. Dieter Neuhaus erzählt von seinem Opa, welcher Juden half und nicht schwieg angesicht des Unrechts im dritten Reich, in seiner Tradition sieht sich Dieter Neuhaus, wenn er über Israel und Palästina spricht. “Nein Großvater: Du hättest auch hierzu nicht geschwiegen und auch ich kann und will hierzu nicht schweigen” so seine abschließenden Worte!

“Wer schweigt, erweckt den Anschein, als stimme er zu” so schreibt Siegfried Uhlmann und trifft damit den Nagel auf den Kopf, denn das Unrecht im Nahen Osten schreit zum Himmel und alle Autoren dieses Werkes haben ihren Beitrag geleistet um den Konflikt zu beenden.

Die Beiträge des Buches sind von Grund auf verschieden, die Ideen und die Gründe für das Engagement im Nahen Osten unterscheiden sich, doch alle haben eines gemeinsam, sie sprechen, während andere schweigen.

Das Buch leistet keinen Beitrag um die politische Situation zu begreifen, das ist aber auch nicht der Anspruch des Werkes, es leistet einen anderen wichtigen Beitrag, es erklärt wie Menschen sich im Angesicht des Konfliktes fühlen.

“Denk ich an Palästina” ist kein einheitliches Werk und die Autoren dürften sich bei einer Diskussion heftig streiten, es zeigt aber, dass man Israel kritisieren darf, wenn nicht sogar muss, ohne dabei ein Antisemit zu sein. Antizionismus, den einige Autoren praktizieren, hat nicht immer mit Antisemitismus zu tun, wie dieses Werk zeigt. Das Werk lässt natürlich auch einige wichtige Fragen aus, so wird vergessen auf den vorhandenen Antisemitismus einzugehen. Dieses Werk zeigt aber, dass das Engagement für Frieden in dieser Region niemals erfolgreich sein kann, wenn man allein der einen oder der anderen Seite die Schuld zu schiebt. Es zeigt, dass jeder von uns etwas verändern kann und es zeigt, dass die Menschen sich verändern, wenn sie sich für den Frieden einsetzen.

Aus politischer Sicht lernt man wenig neues, aus menschlicher Sicht eröffnet das Werk einem neue Welten!

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Los Superdemocraticos – Eine Buchbesprechung

Wir als einzelner Erdling haben in unserem Kosmos eine Bedeutung, die ungefähr der eines Sandkorn in einem Sandhaufen gleicht. Das Internet macht es nun möglich, dass wir Menschen uns immer weiter vernetzen und austauschen können, macht es nun möglich, die weit entferntesten Sandkörnchen ausfindig zu machen.

An dem 200 Seitigen Buch beteiligten sich über 26 Lateinamerikanische-Autoren mit kurzen Essays, schriftlichen Gedankengängen und Erfahrungsberichten. Ganze 44 Beiträge lassen sich im Buch finden, welche auf ihre ganz eigene Art und Weise besonders sind. Einige Kurzgeschichten sind satirisch-komisch geschrieben, während andere Autoren poetisch oder sehr sachlich schreiben.

Damit der Leser durch die Vielfale der Kurzgeschichten nicht komplett den Überblick verliert, sind die Prosa in die Bereiche “Geschichte”, “Körper”, “Bürger” und “Globalisierung” eingeteilt.

Ficken sagt man nicht!

Um schoneinmal einige zun Teil köstlich amüsante aber auch ernstere Titel vorwegzunehmen: Eine Jugend voller Schuld, 26Minuten Cyabersex(ab 18), Die treue Hure Gottes, Der Transen-Plan, Ninja-Metamorphose…

Wer nach dem Lesen dieser Titel nun denkt, man habe es mit einem wirren Holland-orange-strahlendem-Pamphlet zu tun, der irrt. Das schöne an diesem – auf die meisten Autoren zutreffenden – Stil ist, dass man über die literarische Komik, die Absurdität unwirklicher Wahrheiten einen Schreikrampf vor Lachen bekommt oder aber sich in seinen Sessel zurückfallen lässt und einen Dejá-vu-flash bekommt. Ganz egal ob man beim Lesen weint, lacht oder von dieser interkulturellen Reizüberflutung einfach nur in seinem Sessel liegt: Diese Geschichten gehen tief, tiefer als so manch Perlentaucher. Diesen Beitrag weiterlesen »

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Die große Krise – verfestigte Unterklasse

Die große Krise!

Die Wirtschaft weltweit befindet sich in einer Krise, die die Möglichkeit hat alles zu verändern. In den USA sind immer mehr Menschen arbeitslos und haben keine Möglichkeiten ihre Schulden zurückzuzahlen, der Staat rettet die Banken und lädt die Kosten den Bürgern auf. In Europa stehen immer mehr Staaten am Rande der Zahlungsunfähigkeit und können sich nur durch Kredite und Finanzhilfen retten!

Joachim Bischoff, Richard Detje, Christoph Lieber, Bernhard Müller und Gerd Siebecke haben sich mit ihrem Werk “Die große Kriese” diesem Problem angenommen. Das Buch beginnt mit einer Analyse der aktuellen Situation in der sich die Weltwirtschaft und der Kapitalismus befinden. So erkennen die Autoren vier verschiedene Wege, die die Politiker zu gehen bereit sind, um die Wirtschaft und den Kapitalismus zu retten. Sie zitieren Elmar Altvaters Satz “Die Kriesenerscheinung können nicht bekämpft werden, ohne den gesellschaftlichen Zusammenhang zu berücksichtigen”

Gesellschaftliche Zusammenhänge und die Krise Diesen Beitrag weiterlesen »

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Albanien – ein gutes Beispiel für interreligiöse Toleranz

Albanien Religiosität

Albanien, das ist für fast alle Menschen in Deutschland ein unbe­kann­tes Land. Wenn, dann gibt es meist nur Klischee-”Wissen” frei nach Karl May: Blutrache, tan­zende Derwische, sta­li­nis­ti­sche Diktatur, Albaner-Mafia oder Mutter Theresa. Kaum jemand weiß, daß Albanien das Land auf dem Balkan war, das den längs­ten Widerstand gegen die osma­ni­sche Eroberung leis­tete und das erst als letz­tes unter­wor­fen wer­den konnte. Dennoch hat­ten bis zum Ende der Türkenherrschaft im Jahre 1912 etwa 70 Prozent der Bevölkerung den isla­mi­schen Glauben ange­nom­men. Doch, und das weist Shpresa Musaj in ihrem Buch anhand vie­ler Quellen nach, gab es für diese Islamisierung eine Vielzahl von Gründen. Doch reli­giöse Über­zeu­gung war in den sel­tens­ten Fällen ein sol­cher Grund.

Die Wissenschaftlerin geht den his­to­ri­schen Wurzeln für die noch heute spür­bare zwi­schen­kirch­li­che und inter­re­li­giöse Toleranz der Albaner nach. Denn Albanien stellt auf dem Balkan einen Sonderfall dar, gehörte doch seine Bevölkerung bis in die Gegenwart vier ver­schie­de­nen Religionsgemeinschaften an: dem (römi­schen) Katholizismus, der (grie­chi­schen) Orthodoxie, den Sunniten sowie Muslimgemeinschaft der Bektashi. Sie alle leb­ten über Jahrhunderte fried­lich zusam­men.

Warum das so war und ist, das liege im Albanertum begrün­det, resü­miert Shpresa Musaj. Damit meint sie den Primat des Ethnischen vor dem Religiösen. Und die reli­giöse Toleranz beruhe letz­lich damit auf einem sehr alten – einem heid­ni­schen – Substrat.

Bereits im Vorwort setzt sich die Wissenschaftlerin mit der bun­des­deut­schen Manie, jedem Menschen ein­fach eine reli­giöse Identität zuzu­ord­nen, aus­ein­an­der. Denn in heu­ti­gen bun­des­deut­schen Statistiken ste­hen ste­reo­typ diese Angaben zu den reli­giö­sen Verhältnissen im heu­ti­gen Albanien: 70 % Muslime, 20 % Orthodoxe und 10 % Katholiken. Grundlage für sol­che “Daten” sind mehr als 70 Jahre alte Statistiken. Dazu schreibt Musaj: “…obwohl das nicht die reli­giöse Realität des Landes wider­spie­gelt. Dadurch wer­den die sozia­len, poli­ti­schen, men­ta­len sowie reli­giö­sen Veränderungen der alba­ni­schen Gesellschaft [...] nicht in Betracht gezo­gen. [...] Viele Menschen aus den fol­gen­den Generationen haben sich auch nach dem Sturz des Kommunismus zu kei­ner Religion mehr bekannt. [...] (Es) fin­det in den alba­ni­schen Schulen (auch heute noch) kein Religionsunterricht statt, und infol­ge­des­sen wer­den die jun­gen Generationen nicht reli­giös erzo­gen. Sie wach­sen in einer Umgebung auf, in der alle drei Religionen in Harmonie mit­ein­an­der leben und ler­nen dabei, auch im Alltagsleben tole­rant zu sein.” (S. 9-10) Diesen Beitrag weiterlesen »

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