“Sanftes Monster Brüssel oder die Entmündung Europas” – Eine Rezension
Wie ist die EU eigentlich aufgebaut? Wie hoch sind die einzelnen Etats? Wie sieht es hierachisch aus ? Welche Räte gibt es? Wie setzt sich die Kommsission zusammen? Welcher Beamter bearbeitet was? Hans Magnus Enzensberg widmete sich der Mamutsaufgabe all diese Fragen zu beantworten.
Das schmale 68 Seiten-Büchlein beginnt mit einem Schwenk über die Geschichte Europas. Was darauf folgt kann man mit einem 5 Tage alten Brötchen vergleichen. Trockenhart. Über viele Seiten wird die EU und das “Drum herum” beschrieben und ein Einblick in die Etagen Brüssels gewährt. Sobald man das Trockenbrot hinter sich gelassen hat, greifen die Fesseln. Ab dem Mittelteil des Buches werden Fakten mit Erfahrungen und Anekdoten wunderbar verknüpft. Ganz besonders interessant ist das vierte Kapitel, welches den Leser über die ersten Ideen eines europäischen Bündnisses aufklärt.
Die Anfänge der Europäischen Union
> Let Europe arise <. Die Worte Churchills. Nach dem Zweiten Weltkrieg war man sich einig, dass man am System Europas etwas ändern musste. “Wir müssen soetwas wie die Vereinigten Staaten Europas aufbauen…”. Dem Frieden war der Weg aber keines Weges geebenet. Der kalte Krieg, das Wettrüsten zwischen der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten Amerikas begann. Die Idee, ein Bündnis aller Nationen zu gründen, welches absolut souverän und zentral ist war da! Es war aber noch ein langer Weg bis die Idee “Vereinigtes Europa” umgesetzt wurde.
Entdemokratisierung schreitet voran
Das Buch endet mit einem harten Urteil. Enzensberger schaut keinesfalls optimistisch in die Zukunft. Die europäische Untion sei machtbesessen und nehme jedes neue Land nur zu gern auf, ganz egal ob das neue Beitrittsland die Obergrenze einer 3%igen Neuverschuldung übersteigt oder nicht.
Hans Magnus Enzensberger nimmt kein Blatt vor den Mund und schreibt sich gegen Ende des Buches regelrecht in Rage. Es wird argumentiert, zitiert und abgerechnet. Ob es wirklich so schlecht um die Europäische Union bestellt ist, ist zweifelhaft, aber das Faktum, dass sich die Euro-Krise verschärft, nun gar der Euro in Gefahr ist, das macht auch mir Angst. Die Europäische Union, die längst nicht mehr als Friedensunion – so wie sie sich gegründet hatte – fungiert, hätte großen Anteil am Niedergang des Euros.
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Yannick Mantsch

