Klassenkampf von oben und Occupy

occupy – Noam Chomsky

Für Teile der deutschen Linke war Occupy eine schwierige Bewegung, deren Kapitalismuskritik nicht immer konkret und zu stark auf einzelne Punkte fokussiert war, für andere Teile war Occupy eine wichtige Modernisierung der antikapitalistischen Bewegung in neuen Worten und anderen Aktionsformen. Die Kritik der amerikanischen Linken war deutlich schwächer, die Beteiligung an der Bewegung ausgerpägter und stärker. Eine Bilanz über die Erfolge und das Wirken der Bewegung hat Noam Chomsky, einer der bedeutensten amerikanischen Linken, geschrieben

Der 84-Jährige Sprachenwissenschaftler sieht in der Bewegung einen “sehr bedeutsamen Moment der amerikanischen Geschichte”. Das erste Mal seit gut dreißig Jahren sei durch sie eine “kontinuierliche Antwort” auf die Politik des Neoliberalismus erkennbar.

Mit der Krise Ende der 70er Jahre, so Chomsky, begann die Politik einer radikalen sozialen Verschiebung, die sich gegen Arbeiter, Angestellte und Arbeitslose richtete und das Ende des fordistischen Kompromisses einläutete. Die Ärmsten traf es ebenso wie den Mittelstand, der sich bei sinkendem Realeinkommen immer mehr verschuldet – sei es, um per Kreditkarte das tägliche Leben zu bezahlen oder um die von der Bank aufgeschwatzte Immobilie abzustottern.

Klassenkampf von oben

Occupy ist nach Chomskys Ansicht der Anfang einer Bewegung, die sich gegen den “Klassenkampf von oben” wehrt. “Klassenkampf von oben” ist die richtige Bezeichnung für die neoliberale Politik, die die aktuelle Wirtschaft dominiert. Geprägt hatte der Multimillionär Warren Buffet die Worte  2006 in einem Interview mit der “New York Times”, in dem er erklärt hatte:  Es herrscht Klassenkrieg, richtig, aber es ist meine Klasse, die Klasse der Reichen, die Krieg führt, und wir gewinnen.”

Laut Chomsky hat Occupy den Blick der Menschen geschärft: ” Die traditionell ignorierte Lage der Besitzlosen, derer ohne Stimme, derer ohne Macht ist jetzt im ganzen Land zum Brennpunkt großer Aufmerksamkeit und oft auch Empörung geworden. Ihre Geschichten werden nun erzählt, und wer des Lesens und des Nachdenkens fähig ist, wird nicht umhin können, das grausame Schicksal von Millionen Menschen in einer Wirtschaft zu beklagen, die jahrzehntelang nur darauf zugeschnitten und abgestimmt wurde, den Reichen zu dienen.” Die Aufmerksamkeit hat noch nicht zu wirklichen Veränderung geführt, führt Chomsky aus, für wirkliche Veränderung sei die Übernahme von Betrieben, ob nun durch Streik oder durch Erwerb des Unternehmens durch die Arbeiter entscheidend.

Chomsky setzt in seinen Texten auf einen Wideranstieg des Aktivismus und der Bewegung. Er erinnert an die Bürgerrechts- und die Anti-Vietnamkriegsbewegung der 60er Jahre, an der er beteiligt wird. Chomskys Meinung über die Bewegung mag zu unkritisch sein, sein Fazit, dass momentan nur Bewegungen der Arbeiterklasse etwas verändern können, haben die letzten Jahren untermauert.
Das Buch ist eine knappe Auseinandersetzung Chomskys mit einer Bewegung, als deren Vater er bezeichnet wurde. Ein wichtiger Beitrag Chomskys zur Auseinandersetzung mit Bewegungen und deren Einfluss.

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