Die Gemeinwohlökonomie – eine Alternative zum Neoliberalismus

Wer in einer  begrenzten Welt an unendliches exponenzielles Wachstum glaubt, ist entweder ein Idiot oder ein Ökonom, sagte einst der US-Ökonom Kenneth Boulding. Diesen Fakt zu begreifen bedarf es keiner tieferen Analyse, dieser Wachstumszwang wird das System an die Wand fahren. Glücklicherweise gibts es jedoch immer Alternativen zu alles und jedem: So bietet die Gemeinwohlökonomie die Möglichkeit, das System vom Wachstumszwang zu befreien, mehr noch: Die Gemeinwohlökonomie mag es – in seiner Theorie jedenfalls zufolge – ein besseres Arbeitsklima, gerechtere Löhne und eine Schonung der Umwelt herbeizuführen. Wie diese Utopie verwirklicht werden kann, wird in dem Buch von Christian Felber, einem Gründmitgleid von Attack-Österreich, beschrieben.

Es klingt fast schon wie in einem Märchen: Die Ellenbogengesellschaft fährt ihre Ellebogen ein, man begegnet sich nicht mehr als Konkurrent: Der Feind wird zum Freund. Die Philosophie der Gemeinwohlökonomie ist  “zusammenarbeit”, anstatt sich ewig und verbissen zu konkurrieren. Christian Felber, der Autor dieses Buches, hat interessanterweise keine Ökonomie studiert, dafür aber zahlreiche geisteswissenschaftliche Fächer wie Politikwissenschaften, Soziologie und Psychologie. In seinen Arbeiten und Essays schafft er es immer wieder dieses Wissen zu bündeln und das kapitalistische System, das mittlerweile nur noch auf die Akkumulation des Monetären, der Macht setzt, umfassend zu kritisieren.

Planwirtschaft statt soziale Marktwirschaft?

Wie war das? Wohlstand für alle in einer sozialen Marktwirschaft, in der die Abgehängten eine würdige Stütze bekommen? Für einige Jahre konnten sich die Bürger Hoffnungen auf einen allgegenwärtigen Wohlstand machen, heute ist jedoch klar, dass all der Wohlstand auf Kosten unserer Nachkommen finanziert wurde. Nun schultert die heutige Generation und ihre Nachkommen all die Last vom proklamierten Wohlstand von Gestern. Während Konzerne immer mächtiger werden indem sie Konkurrenten einfach aufkaufen, liegt ihnen die machtlose Politik zu Füßen, lässt ökonomische “wachstumsfördernde” Maßnahmen wie Hartz IV und Leiharbeitergesetze zu und verkauft diese herben Sozialkürzungen noch als Erfolg.

Dass nun endlich ein Umdenken stattfinden muss, ist schon seit Jahren ein Thema, welches immer mehr Aufmerksamkeit gewinnt. Die Bürger dieser Welt sehen, dass dieses System in eine Sackgasse verläuft, dass die neoliberale Politik nur diejenigen fördert, die bereits schon im Geld schwimmen.

Egoisten sind die erfolgreicheren Ökonomen

Das wohl größte Problem im jetzigen System sind die falsch gesetzten Anreize. Im sozialen Leben wird einem regelrecht der kategorische Imperativ unter die Nase gerieben. “Handle so, dass dein Handeln als Gesetzesgrundlage dienen könnte.” Wir sollen solidarisch, freundlich und am besten noch gegen jegliche Form von Gewalt sein – das sind die Werte, auf die es verdient haben geachtet zu werden. Darüber ist man sich im Grunde einige. In der Ökonomie allerdings gelten andere Regeln. Plötzlich heißt es plötzlich, dass der Homo Oeconomicus über uns regiert: Wir seien Wesen, die nur ihren Nutzen maximieren wollten. Auch gibt es immer wieder Stimmen die verlauten, dass wir im Geiste noch Jäger seien und dass eine solidarische Gesellschaft gar nicht möglich wäre. “Der Kapitalismus sei vielleicht nicht die beste Form die es gibt, der Kommunismus ist aber gescheitert, das funktioniert nicht”, ist wohl eine der bekanntesten Phrasen der Kapitalismusverteidiger. Dem setzt die Philosophie der Gemeinwohlökonomie keinen kommunistisches Manfifest entgegen, sondern schafft ein System, welches Unternehmen, die faire Löhne zahlen, ökologisch bewusst einkaufen und das Geheimwohl steigern, bevorteilt und Unternehmen, die ihre Mitarbeiter ausbeutet und die Umwelt stark schädigt stark sanktioniert. Schlussendlich bedeutet das, dass die Konkurrenz nicht ganz verschwindet: Sie bewegt sich nur weg vom Verdrängungsmarkt hin zum höcht möglichen Gemeinwohl. Eine Win-Win Situation wird somit geboren.

Solidarität und soziales Handeln wird belohnt

Um genau dieses Problem der falschen, egoistischen Anreize auszuradieren, wird der Spieß einfach umgedreht: In der Gemeinwohl werden genau diejenigen Unternehmer und Organisationen gefördert, die zwar nicht das nötige Kapital haben um das Projekt umzusetzen, aber die Ideen haben, das Gemeinwohl mit nachhaltigen Programmen zu fördern.

Der Mythos der Alternativlosigkeit

“Konkurrenz belebt das Geschäft “- das ist sicher nicht falsch, jedoch birgt unsere Gesellschaft ein hiesiges Potenzial, das auszuschöpfen gilt. Fakt ist, dass der ewige Konkurrenzkampf Werte wie Stress, Aggresivität und Gier ausprägt und so eine düstere alltagsatmosphäre evoziert, die sich wie ein lähmender Schleier über die Gesellschaft legt. Interessanterweise ist nie wissenschaftlich bewiesen worden, dass der Konkurrenzkampf effektiver als gemeinschaftliches Wirtschaften ist. Ganz im Gegenteil. Immer mehr Wissenschaftler zweifeln daran, dass der Konkurrenzkampf die effizienteste Form der Erreichung des optimalsten Gemeinwohls ist. Einer von ihnen ist Joachim Bauer:

Zu kooperieren, anderen zu helfen und Gerechtigkeit walten zu lassen ist ein global anzutreffende, biologisch verankerte menschliche Grundmotivation. Dieses Muster zeigt sich über alle Kulturen hinweg.

Die Gruppenintelligenz ist höher als jede individuelle Inelligenz.

Die Gemeinwohlökonomie – umfassend und ausgefeilter als Bedingungsloses Grundeinkommen(BGE)

Zugegebenermaßen: Die Gemeinwohlökonomie wird nicht von heute auf morgen der Durch gelingen, aber schon jetzt ist der Erfolg riesig. Immer mehr Unternehmen erstellen freiwillig Gemeinwohlbilanzen und erzeugen Energiefelder. Klar ist, dass sich der Gemeinwohl-Wandel von unten nach oben vollziehen muss. Von den Kleinbetrieben über die mittelständischen Unternehmen wird der Druck auf die hiesigen AG’s und Kapitalgesellschaften zunehmen – erst dann ist ein absoluter Wandel zu erwarten.

So ist die Gemeinwohl ein umfassendes alternatives System, welches die Umwelt schont und gleichzeitig eine solidarische und gerechte Gesellschaft formt. Während die Piratenpartei mit ihrem Programm des BGE’s mächtig Pluspunkte sammeln konnte, aber noch mit vielen offenen Fragen konfroniert ist und durchaus große Schwächen zeigt, wäre die Gemeinwohlökonomie durchaus ein potentieller Freund der LINKEN. Man darf gespannt sein, wie sich die Gemeinwohlökonomie entwickeln wird.

Werde auch Du ein Teil der Gemeinwohlökonomie und bringe deine Kompetenzen mit ein!

Das Buch ist hier erhältlich

Die Gemeinwohl-Ökonomie: Aktualisierte und erweiterte Neuausgabe: Eine demokratische Alternative wächst

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