Gaucks Aussage fördert antimuslimische Klischees

Joachim Gauck - Die Alternative? - Bildquelle: http://www.flickr.com/photos/das-blaue-sofa/6317568507/sizes/m/in/photostream/

Schon ein paar Wochen hatten wir keine Debatte mehr über den Islam und dessen Zugehörigkeit zu Deutschland, dank dem neuen Bundespräsidenten, Gauck, haben wir nun wieder eine neue. Der ehemalige Bundespräsident Wulff sagte, dass der Islam zu Deutschland gehört und stieß damt innerhalb konservativer und rechter Kreise auf viel Widerstand, Gauck hat seine Aussage nun relativiert, zumindest halb.

Wulff sagte in einer viel beachteten Rede:

Zuallererst brauchen wir eine klare Haltung: Ein Verständnis von Deutschland, das Zugehörigkeit nicht auf einen Pass, eine Familiengeschichte oder einen Glauben verengt. Das Christentum gehört zweifelsfrei zu Deutschland. Das Judentum gehört zweifelsfrei zu Deutschland. Das ist unsere christlich-jüdische Geschichte. Aber der Islam gehört inzwischen auch zu Deutschland. Vor fast 200 Jahren hat es Johann Wolfgang von Goethe in seinem “West-östlichen Divan” zum Ausdruck gebracht:

“Wer sich selbst und andere kennt, wird auch hier erkennen: Orient und Okzident sind nicht mehr zu trennen.”

Mit dieser Äußerung sorgte er für eine Diskussion, in der es mehr um radikale Gruppierung ging, als um Muslime  und den Islam. Seine Aussage verlor dabei nichts an ihrer Bedeutung und ihrer Relevanz, denn Wulff sagte nur, was die meisten Menschen in Deutschland wissen, viele aber nicht wahr haben wollen, der Islam ist ein Teil Deutschlands, wenn die Muslime ein Teil Deutschlands sind!

Gauck macht den Rückzieher?

Die Äußerungen von Bundespräsident Joachim Gauck zum Islam stoßen in Deutschland auf ein geteiltes Echo. Grünen-Parteichef Cem Özdemir reagierte mit Unverständnis auf die Bemerkung des Staatsoberhauptes.

Lob kam dagegen vom  innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Hans-Peter Uhl, der sich schon häufig gegen eine größere Bedeutung des Islams gestellt hat. Er lobte die Worte des Bundespräsidenten, mit denen er sich von einer Äußerung seines Amtsvorgängers Christian Wulff indirekt distanzierte.

Gauck sagte der Wochenzeitung Die Zeit, Wulff habe die Bürger auffordern wollen, sich der Wirklichkeit zu öffnen. Und die sehe so aus, „dass in diesem Lande viele Muslime leben“. Gauck, der evangelischer Theologe ist, betonte: „Ich hätte einfach gesagt, die Muslime, die hier leben, gehören zu Deutschland.“

Der Bundespräsident sagte weiter, er könne allerdings auch diejenigen verstehen, die fragten: „Wo hat denn der Islam dieses Europa geprägt, hat er die Aufklärung erlebt, gar eine Reformation? …Ich bin hoch gespannt auf den theologischen Diskurs innerhalb eines europäischen Islams.“

Diese Differenzierung zwischen Muslimen und dem Islam schafft eine künstlische Spaltung. Für viele Muslime ist es nicht nachvollziehbar, wie sie zu Deutschland gehören sollen, wenn ihre Religion nicht zu Deutschland gehört. Menschen, die in Deutschland willkommen sind, erwarten, dass auch ihre Gebräche und Religion zu Deutschland gehört, Wulff hatte das verstanden, Gauck nicht.

Özdemir kritisiert Gauck

Seit den 1960er Jahren seien Muslime nach Deutschland eingewandert und neben ihren Sprachen und ihrer Kultur hätten sie auch ihre Religion mitgebracht. Bereits der heutige Bundesfinanzminister und damalige Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) habe daher 2006 mit gutem Grund festgestellt, dass der Islam ein Teil Deutschlands sei, sagte Özdemir, der Vorsitzende der Grünen.

Der Chef der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Kenan Kolat, hatte am Donnerstag gefordert, die Wortwahl des Staatsoberhaupts nicht überzubewerten. Indirekt habe Gauck gesagt, dass der Islam zu Deutschland gehöre. Nur weil er nicht exakt die Wortwahl seines Vorgängers übernehme, sei dies keine Abkehr von dessen Position.

Der CSU-Politiker Uhl lobte die Äußerung Gaucks ebenfalls. „Ich halte das, was Herr Gauck gesagt hat, für sehr klug. Nicht der Islam gehört zu Deutschland, sondern die Muslime, die hier auf Dauer leben“, sagte er der Passauer Neuen Presse (Freitag). Es gehe um die Menschen. „Der Islam bleibt für uns eine fremde Religion, dennoch sind die Muslime herzlich willkommen.“ Die Äußerung Uhls zeigen aber deutlich, dass der Islam wieder zu etwas fremdem und gefährlichem gemacht werden soll, eine Außgrenzung der gläubigen Muslime inklusive.

Alle Menschen sind gleich - unabhängig von ihrer Religion

Gauck schein vergessen zu haben, dass es 300-jährigen Beziehungen zwischen Deutschland und dem Osmanischen Reich gab. Noch scheint er zu wissen welche Rolle, derIslam für westliche Aufklärer wie Goethe gespielt hat. Mit seiner Frage nach den Reformen des Islam spiegelt er Klischees wieder, die behaupten, dass es keinerlei Veränderungen innerhalb der muslimischen Gesellschaft oder der Außlegung des Islams gegeben hat. Die vielen jungen muslimischen Frauen weltweit, die sich täglich für Emanzipation stark machen,  die Frauen in Ägypten, die für die Revolution gekämpft haben und die vielen muslimischen Frauen in Deutschland, die sich gegen jede Form von Rassismus und Diskriminierung stark machen, sie alle werden vergessen von Herrn Gauck. Er erkennt keine Veränderung, dabei braucht er nur auf deutsche Straßen schauen, damit er sieht, dass es zwischen vielen muslimischen und christlischen Frauen fast keine Unterschiede gibt, er muss sich nur die DIDF anschauen, die überall für Emanzipation und Fortschritt kämpft, wenn er die Frage nach den Veränderungen in der muslimischen Gesellschaft sehen will, doch er scheint all diese Veränderungen nicht zu sehen.

Auch wenn Gauck seine Aussage nicht so gemeint hat, wie sie Uhl und andere verstehen möge, sie setzt ein falsches Zeichen.

  • Gargamel55

     Gaucks Aussage fördert antimuslimische Klischees
    Jaaaaahhh, is klar,ne?

  • Gast

    “Das Judentum gehört zweifelsfrei zu Deutschland.”

    Das ist schon ziemlich pervers so etwas zu sagen, nachdem diese Menschen alle vernichtet werden sollten.
    Hier wäre eher Demut gefragt ala: “Das Judentum gehört leider heute nicht mehr so zu diesem Land, wie es einmal war. Wir wollen diese Verbrechen nicht ein zweites mal mit Islam wiederholen.”

  • Reiner Moysich

    In
    Deutschland muss der Islam die Menschenrechte anerkennen!

     

    Ich finde,
    es sollte nicht gefragt werden, ob, sondern welche Form des Islam, aber auch –
    fairerweise – natürlich genauso, welche Art des Christen- und Judentums in
    Deutschland geduldet werden sollte. Denn noch immer haben diese drei
    monotheistischen Religionen ihren kriegerischen Absolutheitsanspruch nicht
    abgelegt, der bisher schon zu sehr vielen Millionen von grausamsten Ermordungen
    geführt hat!

    Falls
    Deutschland wirklich ein Rechtsstaat ist, der dem Frieden verpflichtet ist,
    sollte hier allen islamischen, christlichen und jüdischen Vereinigungen eine
    Frist bis Jahresende gesetzt werden, offiziell auf jeglichen
    Absolutheitsanspruch zu verzichten und die Menschenrechte anzuerkennen –
    andernfalls sollte die betreffende Vereinigung verboten werden!

  • Dr. Thorsten Schmidt

    Wenn alle muslimische Verbände, Organisationen, Moscheegemeinden und Koranschulen folgende Erklärung unterschreiben

    „Wir distanzieren uns von der Gewalt- und Tötungslegitimation, wie sie im Koran formuliert ist. Wir bekennen uns zur Gleichheit aller Menschen und definieren Andersgläubige nicht als minderwertig, die es zu unterwerfen gilt. Wir bekennen uns zur Gleichheit von Mann und Frau und distanzieren uns vom Gebot des Korans, Frauen bei Widerspenstigkeit zu schlagen. Wir distanzieren uns ebenfalls vom totalitären Machtanspruch des Islams, werden uns nicht dem Ziel verschreiben, den Islam über alle anderen Religionen siegen zu lassen und erkennen das Grundgesetz für alle Zeiten als für uns bindend an. Die Scharia ist für uns keine Grundlage der Rechtssprechung. Diese Erklärung ist zeitlos gültig“

    dann ist der Islam eine Religion wie alle anderen Religionen in Deutschland und gehört zu Deutschland.
    So einfach ist das.

    • Gast

       Gibt es eine solche Erklärung auch von christlichen Verbänden, Kirchengemeinden und Klöstern?

  • Dr. Thorsten Schmidt

    Meine Sie. dass das notwendig ist?
    Ich denke,
    die christlichen Institutionen würden eine derartige Erklärung gerne unterzeichnen.
    die islamischen Verbände würde eine solche Erklärung als Beleidigung scharf zurückweisen.Der Koran steht über dem Grundgesetz.

    • Gast

       Wenn Sie denken, das es bei allen Muslimen notwendig ist, denke ich es sollten sich auch die Christen erklären. Fragen Sie doch mal nach, die Reaktionen wären interessant. Lassen Sie sich vor allem versichern, dass sie sich von Breivik distanzieren. Ebenso bitte keine Inquisition und Hexenverbrennungen mehr.

      • Dr. Thorsten Schmidt

        1. Was meinen Sie mit “von Brevik distanzieren”? Bei Betrachtung aller Reaktionen nach seinem Anschlag und seinen Morden ist es abwegig davon auszugehen, daß es Christen gibt, die seine Greueltaten NICHT abscheulich finden. (Nach den 9/11 Anschlägen gab es übrigens nicht unbeträchtlichen Applaus aus islamischen Ländern.)

        2. “Die weit verbreitete Annahme, die vor allem im 15.–18. Jahrhundert stattgefundenen Hexenverfolgungen gingen hauptsächlich auf das Konto der kirchlichen Inquisition, ist historisch falsch. Die weit überwiegende Anzahl der Hexenprozesse wurde vor weltlichen Gerichten verhandelt” (Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Inquisition)

        3. Dessen ungeachtet trifft es aber zu, daß im Namen der Bibel  große Verbrechen begangen wurden. Mittlerweile liegt das mindestens 300 Jahre zurück, aber wir sollten das nicht vergessen.

        4. Viele islamfreundliche Wissenschaftler vertreten die These, dass der Islam ca. 400 Jahre rückständig ist und eine ähnlich positive Entwicklung wie das Christentum durchlaufen könnte.
        Es wäre zu wünschen.
        Aber ich sehe eine andere Entwicklung – nicht nur aufgrund der salafistischen Umtriebe: Die Islamisierung “back to the roots” schreitet weltweit voran. Nicht nur in Deutschland, wo sich beinahe jede neue Generation muslimischer Herkunft schlechter integriert als die vorhergehende, sondern auf der ganzen Welt. Sei es in den Ländern des “arabischen Frühlings” (ein zynischer Begriff, “Winter” paßt besser) oder auch in der Türkei, die sich unter der “Erdoganisierung” beständig zurückentwickelt. Von den Progromen gegen Christen in Afrika und in Asien ganz zu schweigen.

        Fazit: Die Zeichen stehen nicht auf “Konvergenz”, sondern auf Konfrontation

    • Gast

      Applaus für 9/11 aus islamischen Ländern? Hätten Sie da weitere Informationen oder beziehen Sie sich auf den Fake der jubelnden Palästinenser?

      http://www.rp-online.de/niederrhein-sued/erkelenz/nachrichten/19-grosse-luegen-aus-der-weltgeschichte-1.1930516 (Seite 12)

      “Die 9/11-Lüge: Nach dem Terroranschlag gingen Bilder von jubelnden Palästinensern um die Welt.
      Die Szene war gekauft. TV-Journalisten hatten ihnen dafür Kuchen versprochen.”

      Es gab allerdings sehr komische Reaktionen von fünf Israelis:

      http://abcnews.go.com/2020/story?id=123885&page=1#.T8zPilKXffA

      The men were taking video or photos of themselves with the World Trade Center burning in the background, she said. What struck Maria were the expressions on the men’s faces. “They were like happy, you know … They didn’t look shocked to me. I thought it was very strange,”

      zu den Hexen:
      Gut dann lassen wird das weg aber Fakt bleibt: “Die Inquisition wirkte von ihrem Entstehen Anfang des 13. Jahrhunderts
      bis zu ihrem weitgehenden Verschwinden Ende des 18. Jahrhunderts
      hauptsächlich als Instrument der römisch-katholischen Kirche zur erleichterten Aufspürung, Bekehrung oder Verurteilung von Häretikern.” – Also 500 Jahre Folter und Mord im Namen der katholischen Kirche!

      Der Rest sind nichts weiter als Vermutungen Ihrerseits. Bei Christen können Sie sich das nicht vorstellen aber jedem Moslem unterstellen Sie Böses. Wissen Sie eigentlich, das es “den Islam” gar nicht gibt? Kennen Sie die vielen Strömungen des Islam und wissen Sie, das die sich teils untereinander spinnefeind sind?

      Fazit: Fragen Sie mal bei christlichen Institutionen nach und berichten Sie dann hier, wie gut die Verdächtigungen angekommen sind.

       

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