Der Mohammed Film und die nicht ganz so spontane Reaktion
Es begann in Libyen mit der Erstürmung der amerikanischen Botschaft und dem Mord am US-Botschafter. Nun ist die halbe arabische Welt in Aufruhr, nachdem auf Youtube die Trailer des Mohammed Schmähfilms „Innocence of Muslims“auftauchten.
Der Film
Der Film „Innocence of Muslims“ wurde in den USA gedreht und produziert – er stellt Mohammed als pädophilen, trotteligen und kriegerischen Menschen dar. Auf den ersten Blick erscheint der Grund für die Gewalt ein Amateurfilm zu sein:
Die Dialoge sind schlecht, die Aufnahmen und Kameraführung die eines Heranwachsenden. Erst bei genauerer Betrachtung der Youtube Bezeichnung und weiterer Recherche stellt man fest: Dies soll ein Professioneller Film sein! Wohin die Gelder, die Kunst, die ästhetischen Absichten beim Dreh hinfort gespült worden sind, weiß nur der Regisseur allein.
Der bisher einzige identifizierte Verantwortliche ist Produzent Nakoula Bassely Nakoula.
Nakoula ist koptischer Christ und hat sich bisher nur zurückhaltend zu dem Film geäußert: Er selber sei angeblich nur für die Logistik verantwortlich gewesen.
Wer ist Sam Bacile?
Der vermutlich hauptverantwortliche Produzent Sam Bacile, gab sich bisher nur in einem Telefoninterview zu erkennen. Er hat angegeben, dass er jüdischer und amerikanischer Staatsbürger ist und für den Film 5 Millionen Dollar von Spendern gesammelt hat. Ob eine solche Person existiert und welche Motive zum Dreh dieses Films geführt haben, lässt sich nur spekulieren. Tatsache ist, dass der Produzent und alle am Endschnitt beteiligten Personen, von einer heftigen Reaktion der muslimischen Gemeinde ausgehen mussten.
Darsteller
Mehr als 80 MitarbeiterInnen haben sich inzwischen in einer gemeinsamen Erklärung vom Film und Produzenten distanziert. Auf CNN haben sie in einer schriftlichen Stellungnahme mitgeteilt, „das sie schockiert seien“ und von den Produzenten in die „Irre geführt worden sind“.
Einige Schauspieler haben der Presse mitgeteilt, dass während der Dreharbeiten der Name Mohammed nicht genutzt wurde. Auch im Drehbuch war stets nur von „George“ dir rede. Zudem erkennt man bereits bei einfachem Hinhören, dass viele Dialoge nachträglich zusammengeschnitten worden sind.
Geplante Reaktionen?
Dass die gewalttätigen Ausbrüche nicht spontane Reaktion von verletzten Gläubigen waren, zeigt alleine die Tatsache, dass die Filme bereits länger als zwei Monate online waren.
Das lässt die Vermutung im Raum stehen, dass die Anschläge und Angriffe auf amerikanische Einrichtungen gezielt geplant waren und normale Menschen zu diesem Zweck von fundamentalistischen Kräften instrumentalisiert worden sind. Das dahinterstehende Kapital, sowohl hinter dem Film, als auch hinter den Angriffen, verfolgt seine eigenen Ziele.
Deutschland
Bundesaußenminister Guido Westerwelle verurteilte die Angriffe auf die deutsche Botschaft im Sudan und erklärte weiter, dass jede Gewalt, unabhängig vom Grund, zu verurteilen sei.
Der Außenpolitische Sprecher der LINKEN, Jan Van Aken: „Die Linke verurteilt die in islamischen Ländern aufgeflammte Gewalt gegen diplomatische Vertretungen und die Ermordung und Verletzung von Botschaftsangehörigen der USA auf das schärfste und fordert die Regierungen der betreffenden Länder auf, den Schutz der Menschen und Botschaften unverzüglich zu gewährleisten. [… ] Die Hersteller des infamen islamfeindlichen Films lassen jeglichen Respekt vor den religiösen Gefühlen vermissen und sind zu verurteilen.“
Verbot des Films?
In Deutschland wird nun über ein Vorführverbot für den Film diskutiert und ausgerechnet SPD und Grüne wollen den Film zeigen lassen. Der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen-Fraktion, Volker Beck sagte: “Nach dem, was ich gesehen habe, ist der Film eine geschmacklose Dämlichkeit, aber kein strafbarer Inhalt.”
Wesentlich deutlicher wurden der Innenminister Friedrich und der Außenminister Guido Westerwelle, beide forderten die Vorführung des Films unter allen Umständen zu verhindern.
Der CDU-Außenpolitiker Philipp Mißfelder, Präsidiumsmitglied seiner Partei, sagte am Montag im Deutschlandfunk, “Gotteslästerung” sei “etwas, was in unserer Gesellschaft gebannt werden sollte” und offenbarte damit seine Gründe für ein Vorführverbot.
Der Grünen-Innenexperte Jerzy Montag forderte “Pro Deutschland” in der taz auf, auf die Filmvorführung zu verzichten: “Das ist keine Kunst, keine Meinung, das ist nur Verunglimpfung.” Eine sinnvolle Einschätzung des Films, die allerdings nicht zu erkennen scheint warum Pro Deutschland diesen Film zeigen will. Der CDU-Innenexperte Wolfgang Bosbach schien den Sinn der Filmvorführung erkannt zu haben. “Wir haben es hier nicht mit einer Rechtslücke zu tun, denn sowohl die Meinungsfreiheit als auch die Kunstfreiheit gelten nicht schrankenlos”, sagte Bosbach dem Bayerischen Rundfunk. Das Vorhaben der rechtspopulistischen Partei “Pro Deutschland”, den Film zu zeigen, diene lediglich der Provokation, “wahrscheinlich verbunden mit der Hoffnung, daß es danach Unruhen gibt, damit man dann sagen kann: ›Seht her, so sind die Muslime! Sie sind alle gewalttätig!”
Der Bundestagsabgeordnete Wolfgang Gehrcke (Die Linke) hatte am Wochenende juristische Schritte “gegen die rechtsextremistische Propaganda dieses Mohammed-›Films” gefordert und fragte “warum kein Strafantrag der Bundesregierung und ein dementsprechendes Ermittlungsverfahren wegen Volksverhetzung gegen rechtsextremistische Organisationen, die dieses Machwerk weiter im Netz verbreiten?” Gehrcke stellte damit die sinnvollste Frage in der aktuellen Debatte.
Ein Beitrag von Daniel
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