Ist Glück steuerbar? Ein Essay

“Warum bin ich nicht glücklich? Ich habe doch einen guten Job, Frau, Kind, Auto und Eigenheim”, mag sich so mancher Bürger fragen.
Oft diktieren einem die Medien, was man kaufen soll, um uns das Leben ein wenig zu erleichtern, um uns glücklicher zu machen. Aber wie oft muss der Käufer später feststellen, dass der Kauf für ihn schließlich keinen Nutzen darstellt? Falls das Unternehmen von Absatzschwierigkeiten geplagt ist, werden antizyklische Werbemaßnahmen ergriffen. Diese Motivation wird in dem neoliberalen Grundsatz, welcher besagt, dass sich jedes Angebot seine eigene Nachfrage schafft, begründet.

persönliche Erfahrungen

An mein Abitur hängte ich eine Ausbildung zum kaufmännischen Assistenten, welche in meinem Bildungsgang integriert war.
Nach 3 sehr theoretischen Jahren kam es dann zum praktische Teil der Ausbildung. Ich arbeitete für 3 Monate bei einen weltweit führenden Automobilzulieferer, wo ich endlich die zu theoretischen gelernten Wirtschaftstheorien beiseite legen konnte und ich eine praxisbezogene Arbeit vor mir sah.
Mir wurde viel Verantwortung übertragen, ich lernte viel und ich war dementsprechend auch hoch motiviert.

Das Leben spielt sich vollkommen im Unternehmen ab
Aber mit der Zeit fiel mir immer mehr die hohe Unzufriedenheit der Mitarbeiter auf. Die Stressbelastung war zu hoch. Als ich morgens im Unternehmen meine Arbeit aufnahm, rannten schon die ersten Mitarbeiter mit blutroten Köpfen durch die Gänge. Auf den Toiletten hörte man Geschrei von Mitarbeitern, die stressbedingte Stuhlgangprobleme hatten.
Das Kantinenessen war plötzlich nicht mehr gratis; eine Mahlzeit kostet fortan 4€.
Die Mitarbeiter konnten sich nicht einmal mehr Bleistift aus der Büroartikelausgabe nehmen – die Ausgabe wurde aufgrund von Sparmaßnahmen gestoppt.
Der Stress war z.T. so groß, dass Mitarbeiter, die in der Hierarchie auf mittlerer Ebene standen, bis Neun Uhr abends in ihren Bürostühlen saßen.
Es ging sogar soweit, dass Arbeitnehmer ihre Kollegen nicht mit den Worten “Schönen Feierabend, bis Morgen” verabschiedeten, sondern ein schlichtes “Bis gleich” verlauten ließen. Viele Mitarbeiter kamen von Außerorts. Auf Sie wartete noch eine ein- bis anderthalbstündige Autofahrt, um dann nur noch ins Bett zu fallen und früh morgens wieder aufzustehen. “Bis gleich”. Es blieb nur noch der Sarkasmus.

Ich war immer interessiert an der Wirtschaft und an dem globalen Wirtschaftsgeschehen. Doch diese Wochen veränderte – ich will nicht sagen mein Weltbild – aber grundsätzliches in mir.
Vier Monate später befand ich mich in Brasilien, in einer Favela, in einem Armenviertel. Hier hatte ich es mit der Kehrseite zu tun. Unternehmen waren weit und breit nicht zu finden. Ein paar Monate zuvor hatte es man noch mit Paragraphen zutun; hier herrschte die Selbstjustiz.

Und die Menschen in den Favelas…. sind sie glücklicher?

Die Menschen in meiner Umgebung haben nicht viel. Oft nur ein kleines Haus, das mit illegalem Strom versorgt wird. Außer dem Beschaffen der täglichen Mahlzeiten gibt es keine weiteren Fixkosten. Kulturell bedingt legt der Brasilianer mehr Wert auf das Zwischenmenschliche, was zu mehr Freude im Alltag führt. Die Sozialen Unterschiede in den Favelas sind gering, wordurch weniger Neid entsteht. Der Zusammenhalt und die Solidarität innherlab den Favelas sind größer als in Deutschland.
Aus utilitaristischer Sicht kann man sogar soweit gehen, dass der Beitrag am Gesamtglück höher liegt als beispielsweise in der westlichen Welt.

Jeder ist seines Glückes Schmied

Stimmt also das Sprichwort?
Gestresste und unzufriedene Mitarbeiter sehen oft keinen Ausweg in der Kündigung oder im Arbeitsplatzwechsel. Sie arbeiten lieber auf ein bestimmtes Alter hin, was ihnen erlaubt mehr Arbeit zu deligieren und einen Gang zurückzuschalten.
Dieses Denken ist jedoch falsch. Der Mensch lebt im Jetzt. Es geht darum jetzt zufrieden, ausgegelichen und glücklich zu sein und nicht erst in 15 Jahren. Viele gestresste Mitarbeiter und potenzielle Manager werden von den Unternehmen regelrecht “verheizt”. Die Mitarbeiter leiden an Schlaflosigkeit, Bluthochdruck und nicht zuletzt am Burnout-Syndrom.
Jeder Mensch hat die Wahl. Nur er selbst entscheidet. Leider mangelt es in unserer Gesellschaft an Mut und Vertrauen. Diese Werte können jedoch nicht intensiviert werden wenn sich nicht grundlegendes ändert.

 

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