Hier spricht Guantanamo! Endlich die Opfer reden lassen!

Am 13. Januar 2006 forderte George W. Bush bei einer Pressekonferenz jeden Journalisten auf, sich selbst ein Bild von der Situation der Gefangenen im amerikanischen Lager Guantánamo auf Kuba zu machen. Zuvor geisterten Artikel durch Presse und Medien, die davon berichteten, dass die Inhaftierten dort unter Menschen unwürdigen Bedingungen gleich Tieren gehalten werden und ihnen sämtliche Rechte als “Kriegsgefangene” verwehrt bleiben.

Dieser Forderung George Bushs sind allerdings nur wenige Journalisten nachgekommen, einer der wenigen Journalisten ist Roger Willemsen. In seiner Einleitung schreibt Willemsen berechtigterweise,  “dass über Guantanamo alles gesagt sei, bis auf das, was die Häftlinge zu sagen haben.” So widmet sich Willemsen ausschließlich den Gesprächen mit ehemaligen Gefangenen und diese bestätigen, dass was von den US-Militärs immer wieder geleugnet wurde und zwar schlimme Folter, Misshandlungen und andauernde Demütigungen.

Menschenrechte fordert nur Al Qaida

Aus der Einleitung des Buches kann man diesen Abschnitt zitieren:

„Ein Sprecher des Pentagons kommentierte [die Kritik an Guantánamo], die Gefangenen würden human behandelt, ihr Glaube werde respektiert. Es sei das Terrornetzwerk Al Qaida, das die Häftlinge angewiesen habe, Foltervorwürfe gegen die amerikanischen Wachen zu erheben.
Weiter lässt sich die Infamie schwerlich treiben: Zwar wurde keinem der über zweihundert inzwischen entlassenen Gefangenen Zugehörigkeit zu Al Qaida nachgewiesen, aber jetzt sollen die Foltervorwürfe selbst auf das ‚Terrornetzwerk’ zurückgehen. Anders gesagt: Wer auf der Einhaltung der Menschenrechte besteht, bewegt sich schon damit in den Dunstkreis derer, die die Welt bedrohen. Drastischer und gedanklich schlichter ist man wohl selten gegen Menschenrechtsvertreter und Folteropfer vorgegangen.“

So spricht Willemsen mit fünf ehemaligen Gefangenen in Guantanamo und lässt deren Aussagen unverändert abdrucken. Ihre Wortwahl ist unterschiedlich, ebenso wie ihre Geschichte, wenn sie aber über die Folter und die Demütigungen berichten, dann könnte man fast denken, es würde nur eine Person sprechen, denn sie alle haben furchtbarstes Leid ertragen.

Willemsen sprach mit fünf vollkommen verschiedenen Personen, die aus vollkommen unterschiedlichen Gründen in Afghanistan und Pakistan waren. Sie alle waren Gefangene ohne jegliche Rechte, ihnen allen wurden Kontakte zu Al Quaida/ den Taliban vorgeworfen und sie alle waren unschuldig. Die Verbrechen, die in Guantanamo geschehen, kann man nie verstehen, wenn man die Opfer nicht zu Wort kommen lässt und diese Verbrechen sollten besprochen werden. Denn kein Staat und mag er auch noch so mächtig sein, kann 100te Menschen ohne Anklage in Gefängnisse stecken und ihnen alle Rechte verwehren.

Zu einem der größten Verbrechen, des vergangenen Jahrzehnts, hört man meist nur die Worte der Politiker und Soldaten, niemals die Täter. Wer allerdings ehrlich und offen über dieses Problem sprechen will, der sollte sich dieses Buch durchlesen, denn es zeigt die andere Seite, die der Opfer!

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