Der Hochschul-Binnenmarkt

„Bildung ist eine Ware“, so oder so ähnlich lautete der Ansatz der Bologna Reformen. Daher ist es auch nicht erstaunlich, dass sich die Hochschulen, spätestens seit der Einführung der Master- und Bachelorstudiengänge, in einem ständigen Konkurrenzkampf um Gelder befinden.

Unternehmen-Universität
Die Umstrukturierung der Hochschulen begann mit einem schleichenden Einzug des Kapitals: Der Industrie wurde die Möglichkeit eröffnet, die Universitäten direkt mit Drittmitteln zu versorgen und somit indirekt Einfluss auf die Gestaltung der Lehre zu nehmen.
Dabei bleiben vor allem kritische, unwirtschaftliche Studiengänge auf der Strecke, denn die „Bildung“ wird zur „Ausbildung“, um am Ende des Studiums einen für den Arbeitsmarkt fertigen Absolventen zu produzieren.
Gleichzeitig führt die Implementierung von Marktmechanismen zu einem Wettbewerb zwischen den Hochschulen, der sowohl Demokratieabbau als auch Stellenstreichungen bedeutet.
Denn das Management, das die demokratischen Gremien ersetzen soll und bereits ersetzt hat, soll schneller auf die Marktsituationen reagieren können.
Die moderne Hochschule entspricht fast einem Unternehmen: Das Rektorat ist der Vorstand, Hochschulräte die Aufsichtsräte, die häufig aus der Privatwirtschaft stammen.
So sitzen z.B. im Hochschulrat der Ruhr-Universität der ehemalige stellvertretende Vorsitzende der ThysenKrupp AG Ulrich Middelmann und die Hauptgeschäftsführerin der forschenden Pharmaunternehmen Birgit Fischer.

Die Aufgabe der gesamten Studentenschaft kann nur sein, sich gegen diese Prozesse zur Wehr zu setzen und sich zusammen mit Teilen der universitären Belegschaft gegen Kürzungen, Sparzwänge und den Abbau des BAföG auszusprechen.

Ruhr-Universität Bochum
Wie aus Verwaltungsnahen-Kreisen bekannt geworden ist, fehlen der Ruhr-Universität Bochum 18 Millionen Euro. Dieses Geld ist vornehmlich ausgegeben worden, um sich für die „Exzellenz Initiative“ „fit“ zu machen.
Da man jedoch wieder knapp an der Grenze zur „Elite-Uni“ scheiterte, blieb nur ein großer Schuldenberg, der durch eigene Gelder oder Drittmittel nicht mehr zu finanzieren ist.

Aufgrund des aktuell gültigen Hochschulgesetzes besteht nun sogar die Möglichkeit, dass der Ruhr-Universität – wie einem Privatunternehmen – die Gelder ausgehen. Genauer gesagt: Die Universität ist auf Gelder des Landes angewiesen, um den Bankrott zu vermeiden.

Das Spiel bleibt seit 1991 dasselbe: Wir müssen für mehr demokratische Beteiligung an den Universitäten kämpfen, denn die jetzige Entwicklung in Europa, allen voran in Großbritannien, bedeutet eine Zweiklassengesellschaft – gerade in der Bildung.

Demokratische Beteiligung
Nicht nur die neoliberale Umstrukturierung der Verwaltung und Finanzen der Universitäten ist ein Problem, auch die immer geringer werdende demokratische Beteiligung muss erwähnt werden.
Erst jüngst verkündete die Junge Union, demokratische Mechanismen seien an Universitäten abzuschaffen, da diese ohne hin nur der Selbstbeschäftigung von Studierenden im 32. Semester dienen würden.

StuPas (Studierendenparlamente), AStAs (Allgemeiner Studierendenausschuss) und FSRs (Fachschaftsräte) sollen abgeschafft werden und das Geld in die Ausstattung der Universität fließen.
Obwohl Studierende die größte Gruppe an der Universität sind, soll ihnen das politische und demokratische Sprachrohr genommen und ihre Position entscheidend geschwächt werden.

Dabei muss genau das Gegenteil geschehen: die demokratische Teilhabe der Studierenden, die seit dem Bologna Prozess immer weiter zurückgedrängt wurde, muss erneuert und gestärkt werden.

Gegenentwurf
Die Hochschullandschaft darf nicht als Markt verstanden werden. Denn Bildung und somit auch die Chancen auf Bildung müssen für jede Person offen zugänglich sein. Das bedeutet auch, dass die Instrumentalisierung der einzelnen Hochschulen durch die Wirtschaft gestoppt werden muss. Dies geht nur über eine Erhöhung der finanziellen Mittel der Länder für die einzelnen Hochschulen.

Darüber hinaus muss das kritische Denken an die Universitäten zurückkehren. Nicht das Produkt – der  fertig ausgebildeter Arbeitnehmer –  sollte das Ziel sein, sondern die kritische Reflexion und der Diskurs mit der Gesellschaft.

Der Gegenentwurf erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, kann aber ein Ansatz sein, um die Hochschullandschaft aus dem heutigen Marktdenken zu lösen und eine Alternative aufzuzeigen, die möglich ist.

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