Pleitegeier kreist über Schlecker

Schlecker ist pleite und so wirklich überraschend kommt die Verkündung der Planinsolvenz der Vorstandsspitze Schleckers nicht. Die Konkurrenzunternehmen Roßmann und dm schliefen nicht und knabberten über die letzten Jahre immer mehr Schlecker-Marktanteile ab. Schlecker schien Ende letzten Jahres aus seinem Dornröschenschlaf erwacht zu sein. Viele Hunderte Filialen wurden geschlossen und in die Jahre gekommene Schlecker-Filialen wurden in moderne XL-Schlecker umfunktioniert. Doch kam das Erwachen zu spät: Der Umsatz brach so sehr ein, dass eine Insolvenz unumgänglich scheint.

 

Schlecker - Bildquelle:http://www.flickr.com/photos/r000pert/194869063/sizes/m/in/photostream/ - Fotograf:r000pert

Geschäfts­führer Dirk Roß­mann äußerte sich gleich nach der Veröffentlichung der Schlecker-Insolvenz kritisch aber auch hämisch. »Die Insol­venz war in der Branche vor­aus­sehbar«. Schlecker trenne sich nicht von unrentablen Filialen und habe in den letzten Jahren verpasst, die Konkurrenz auf Abstand zu halten. Das Unternehmen trenne sich von Läden, die rote Zahlen schreiben.  “Auch nach wohlwollender Betrachtung” sei laut Roßmann keine langfristige Perspektive zu erwarten.

Nicht nur vom Roßmann-Chef hagelt es Kritik, sondern auch GfK-Experte Wolfgang Twardawa spricht von einer zu erwarten gewesenen Insolvenz. Er lässt in Bezug auf  die Insolvenz kein gutes Haar an Schleckers Personalpolitik. “Die in diesen Fragen zunehmend kritischen Verbraucher bestrafen solche ethischen Fehltritte inzwischen nicht mehr nur durch zeitweilige Kaufzurückhaltung, sondern durch dauerhaften Vertrauensentzug”

Harte Konkurrenz & Wirtschaftlicher Niedergang Schleckers

Der Drogerie-Primus Schlecker setzte laut Mär­ki­sche All­ge­meine 2010 euro­pa­weit 6,55 Mil­li­arden Euro um, während Roßmann fast fünf Mil­li­arden Euro Umsatz Schlecker bereits das Wasser reichen konnte. Der här­teste Wett­be­werber Schle­ckers ist jedoch die Karls­ruher dm-​drogeriemarkt GmbH. Dm, ein Unternehmen, welches unter anderem für fair gehandelte Waren bekannt ist, mel­dete 2010/​11 in Europa einen Umsatz in Höhe von 6,17 Mil­li­arden Euro.

Im Jahr 2010 betrug der europaweite Umsatz von Schleker 6,55 Milliarden Euro, während im Vorjahr der Umsatz noch rund 650 Millionen Euro höher aufiel. Das bereits seit Jahren unrentable Unternehmen rechnete für 2011 erneut mit sinkenden Erlösen.

2008 betrieb Schlecker europaweit noch über 14.000 Filianien. Zuletzt hatte Schlecker noch rund 7000 Läden in Deutschland und etwa 3000 weitere in Österreich, Spanien, Frankreich, Italien, Tschechien, Polen und Portugal. Durch die zahlreichen Ladenschließungen, mussten auch Mitarbeiter gekündigt werden, so dass innerhalb von drei Jahren knapp 5.000 Mitarbeiter das Schlecker-Boot verlassen mussten.

Die Post-Anton-Epoche

2010 verabschiedete sich der Schlecker-König Anton Schlecker in den Ruhestand und überließ die Außenpräsenz Schleckers seiner Tochter Meike Schlecker und seinem Sohn Lars Schlecker. Stolze 230 Millionen Euro sollten bis in neue XL-Schlecker und Modernisierungen investiert werden. Ziel war Zurückgewinnung von Marktanteilen, die in den vergangenen Jahren an dm und Roßmann verloren gingen.

Die Schlecker-Geschwister zweiter Generation erkannten zwar die Probleme, doch kann man sich zurecht Fragen, warum erst so spät, als es schon zu spät war, auf die Modernisierung Wert gelegt wurde. Radikal umge­krem­pelt wurde das Unter­nehmen erst im Herbst 2011 – viel zu spät, um den Anschluss an die Konkurrenz zu halten. Lars und Meike Schlecker arbeiteten vor ihrer Beförderung bereits zehn Jahre im Unternehmen und sahen, wie es um die in Mitleidenschaft gezogenen Filialen bestellt war.

Wer einmal eine Filiale von Schlecker besucht hat, der weiß, wie man sich in den schmalen, engen Gängen und den aufgetürmeten Regalen fühlt. In den Fäden dieses  ver­al­tetes Fir­men­kon­zepts und dem Status eines Tante Emma-Ladens entfacht wohl keiner einen Kaufrausch.

Debatte um Dumping-Löhne

Das veraltete Firmenkonzept trug sicher zum Niedergang Schleckers bei, aber die Wurzeln waren nicht nur partiell angegriffen. Als böse Zungen behaupteten, Schlecker wolle die Stammbelegschaft durch schlechter bezahlte Leiharbeiter ersetzen, war das Geschrei groß. Doch als sich dieses Gerücht bewahrheitete und Mitarbeiterskandale aufgedeckt wurden, schrie man nicht mehr, sondern boykottierte. Experten und Marktanalysten geben zum Ausdruck, dass nach der Debatte um Dumping-Löhne 1,7 Millionen Schleckerkunden zur Konkurrenz abgewandert seien.

Das Erbe des Kapitals

Man möge sich vorstellen, wie Anton Schlecker händereibend auf seinem Vermögen von über 3,6 Milliarden Euro sitzt. Der Metzgerssohn und selbst gelernter Metzger ist fein aus dem Schneider. Wenn thematisiert wird, wie es zur Insolvenz führen konnte, wird Anton mit den Achseln zucken. Der Nachwuchs wird bei der Debatte die Position des unschuldigen Lammes einnehmen. Zu aller Ungerechtigkeit, werden die Arbeitsämter wohl Konkursausfall- und Insolvenzgelder bezahlen. Hier wird die arbeitenden Bevölkerung, der Kleinbürger ausgenommen. Banken, die Schlecker Darlehn gaben, machen sich mitverantwortlich für das Zugrundegehn des größten Drogeriekonzerns in Deutschland.

Es heißt ja immer, dass das Beste überleben würde. Es ist durch die Insolvenz Schleckers sicherlich ein hoher volkswirtschaftlicher Schaden entstanden, aber was bringt der Gesellschaft ein unmorlisch handelndes Unternehmen, das Mitarbeiter ausschlachtet und den Mitarbeitern die Pinkelpause verbietet? Dm, gegründet von Götz Werner, einem Antroposophen bereichert die Gesellschaft. Seinen Mitarbeitern bietet er sogar Theaterkurse an. Zudem werden Arbeitspläne von den Mitarbeitern selbst erstellt & die Mitarbeiter werden fair vergütet.

Schlecker ist tot. Doch auf dem Grab wachsen Pflanzen, die ihren Ursprung in einem Samenpäckchens haben – ein Samenpäckchen aus dem Hause dm.

 

 

 

Quellen

http://www.meinpolitikblog.de/schlecker-ist-pleite

http://www.manager-magazin.de/unternehmen/handel/0,2828,810390-2,00.html

http://duckhome.de/tb/archives/9795-Schlecker-ist-pleite-und-was-lernen-wir-daraus.html

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