Essensschlacht – Ungleiche Kämpfe, verzweifelte Zeiten: Kriege um Nahrungsmittel wiederholen sich
Mark Bergfeld berichtet darüber, wie Landbesetzung, Steiks der Arbeiter in der Fastfood-Industrie und die Kartoffelbewegung dringende soziale Fragen ansprechen und alternativen zur neoliberalen Austerität begründen.
Im August 2012 organisierten 200 Mitglieder der andalusischen Feldarbeitergewerkschaft SAT eine „Lebensmittelenteignung“. Sie gingen in die lokalen Carrefour- und Mercandor-Supermärkte, beluden ihre Einkaufswagen mit Reis, Bohnen, Kartoffeln, Brot – und verlieβen sie wieder, ohne einen einzigen Cent zu bezahlen. Caritas International zufolge sind 350.000 andalusische Familien unterernährt . Es wird von Kindern berichtet, die im Klassenraum ohnmächtig werden. Es ist nicht überraschend, dass diese Aktion Millionen Menschen in ganz Spanien berührte, vor allem da die „Lebensmittelenteignung“ 26 Familien in drei Gemeinden „ernährte“ und Carrfour dazu zwang, 12 LKW-Ladungen mit Lebensmitteln einer lokalen NGO zu spenden.
Verzweifelte soziale Kämpfe verbinden die Demokratisierung und Dekommodifizierung von Nahrungsmitteln und Land mit den Kämpfen gegen Austerität im Globalen Norden. Landbesetzung in Andalusien, Streik der Fastfood-Arbeiter in New York City, die „Kartoffelbewegung“ in Thessaloniki, und internationale Aufrufe zum Boykott der „Bluterdbeeren“ von Neo Manolada. Griechenland konnte das System im Innersten treffen, die Arbeiterbewegung wiederbeleben und contra-hegemoniale Alternativen zur neoliberalen Austerität schaffen.
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Studentenproteste in Belgrad

“Bildung ist keine Ware”
SERBIEN/BELGRAD Am dritten Tag meiner Serbien Reise stoße ich auf die Studentenproteste der vergangenen Wochen in Belgrad. Die Proteste, wenn man sie denn so nennen mag, flammen alle Tage kurz auf um genauso schnell wieder zu verglühen.
In Serbien existieren seit Jahrzehnten Studiengebühren. Diese waren in früherer Zeit jedoch fast unsichtbar, da der Staat für den Großteil der Student_Innen, sogenannte „Budget Student_Innen, die Gebühren übernahm. Dies ändert sich in den letzten Jahren zunehmend und droht nun zu kippen, denn heute werden nur noch ca. 60% der eingeschriebenen Studenten durch den Staat gefördert.
Das Rektorat der Belgrader Universität hat nun Aufgrund der Finanzkrise beschlossen, die Studiengebühren im Durchschnitt um 12% anzuheben. Zudem sieht eine weitere neue Regelung vor, die Regelstudienzeit um ein Semester zu kürzen. Gleichzeitig wurden die „Credit Points“ erhöht, die ein Student zum Versetzen ins nächst höhere Semester benötigt.
Den Studenten geht es bei den Protesten darum, allen Menschen das studieren zu ermöglichen und gegen Bildung als Ware anzukämpfen. Ein Student erzählte mir, dass er in seiner Erasmuszeit in Wien festgestellt hat, dass das studieren in Serbien teurer ist als in Österreich – und das bei einem vier bis fünf Mal niedrigerem Einkommen.
Auf dem linken Banner des Fotos steht: „Studenten aller Fakultäten, vereinigt euch“. Die Studenten haben die Banner mehrere Tage aus dem Besetzten Rektoratszimmer hängen lassen.
Auf dem rechten Banner ist zu lesen, dass Bildung keine Ware ist. Klassische Forderungen europäischer Bildungsstreiks. Bei einer Demonstration vor dem Rektorat, nachdem die Besetzung beendet war, nahmen gerade einmal zwischen 20 – 50 Personen teil. Leider sind auch diese Proteste nur kleine Tropfen auf einem heißen Stein und nicht mit den spanischen Bildungsprotesten zu vergleichen oder den serbische 2011.
Einen positiven Effekt hatten die Proteste und die Rektoratsbesetzung am Ende doch. Die Studierenden planen eine Landesweite Studierendenorganisation, ähnlich einer Gewerkschaft, aufzubauen.
Es lebe die Anarchie! Ein Abend mit Lucio Urtubia
Lucio Urtubia ist Maurer, und Anarchist. Zudem: Dokumentenfälscher, Scheckfälscher, Geldbeschaffer, Aktivist gegen die Franco-Diktatur in Spanien, Genosse und überhaupt ein guter Mensch. Der 1931 in einem kleinen Dorf in Navarra geborene, seit seiner Desertion vom Militärdienst 1954 hauptsächlich in Frankreich lebende Urtubia kommt zu uns. Wir sprechen über Revolution, Rebellion, Flucht, Kommunismus, Anarchosyndikalismus, das Maurerhandwerk und die Möglichkeit wie Notwendigkeit, die Welt nicht nur ein bisschen besser zu machen, sondern grundsätzlich zu verändern. Er verteidigte stets die Arbeit: „Wir sind Maurer, Maler, Elektriker, wir brauchen den Staat nicht, für nichts.“ Derzeit lebt er in Paris und setzt seine Arbeit als Maurer fort.
Im Verlag Assoziation A erschien 2010 das Buch “Baustelle Revolution.
Erinnerungen eines Anarchisten” über Lucio Urtubia mehr
Film Lucio Urtubia – Anarchist und Maurer, OmU dt. mehr
Lesung / Gespräch
26.05.2013 | 20:00 Uhr bis 22:00 Uhr
GOLEM, Hamburg
Mit Lucio Urtubia
„Enteignet – warum der Medizinbetrieb uns krank macht“ von Sonia Mickich
Die Journalistin Sonia Mickich, bekannt aus der Sendung „Monitor“, hat mit “Enteignet – warum der Medizinbetrieb uns krank macht” ein wichtiges Buch vorgelegt, in dem sie ihre eigene, dramatische Patientengeschichte zum Anlass nahm, sich mit den Abgründen unseres Gesundheitssystems auseinanderzusetzen. Das Ergebnis ist bestürzend: Seit der Einführung der Fallpauschalen wächst der Ökonomisierungsdruck auf Krankenhäuser; um Profit zu erwirtschaften, werden jedes Jahr mehr unnötige Operationen durchgeführt und Personal eingespart. Der Personalmangel führt dazu, dass die Patientensicherheit auf den Stationen nicht mehr gegeben ist, Patienten werden entmenschlicht, für Gespräche, Beratung oder auch nur eine einordnende allgemeinmedizinische Vorabdiagnose bleibt keine Zeit. Für die begehrten Privatpatienten werden Wellness-Kliniken gebaut, um todkranke Kinder zu Hause bei ihren Familien zu versorgen, gibt es keine Mittel.
Eine erschütternde Bestandsanalyse
Sonia Mickichs Buch lässt eine Mischung aus Erschütterung und Wut beim Leser zurück. Die meisten jungen Menschen machen sich nicht allzu viele Gedanken darum, krank zu werden, so krank, dass man sich Ärzten und Pflegern ausliefern muss, vielleicht nicht mehr für sich selbst sprechen kann. Viele Menschen fürchten Krankenhäuser – und das nicht zu Unrecht, wie Sonia Mickich zeigt. Die Journalistin berichtet von ihrer eigenen leidvollen Odyssee durch Diagnosen, Operationen und sogar Todesangst und immer wieder fragt sie sich dabei, wie es wohl Menschen gehen mag, die weder Angehörige haben noch verbal so kompetent sind wie sie.
Einführung ins journalistische Schreiben
Wie texte ich einen Veranstaltungshinweis? Wie unterscheiden sich ein Bericht und ein politischer Kommentar? Journalistisch Schreiben heißt nicht „locker-flockig“ oder gar werblich texten, sondern kennt klare Handwerksregeln.
Wir sprechen über Textsorten und zielgruppenorientierte Sprache und analysieren Textbeispiele.
Trainerin: Dr. Gabriele Hooffacker; geb. 1959, Journalistin und Leiterin der Journalistenakademie in München, Spezialgebiet: Online-Medien. Herausgeberin der Buchreihe »Journalistische Praxis«, Autorin zahlreicher Fachbücher, darunter „Online-Journalismus“ (3. Aufl. 2010) und „Pressearbeit praktisch“ (2011).
Die Teilnahmezahl ist auf 15 Teilnehmende begrenzt.
Anmeldungen bis 15. Mai unter killet@rosalux.de
Kosten: Die Teilnahme kostet 10, erm. 5 Euro.
Die Veranstaltung findet in Kooperation des KEV mit dem Bereich Weiterbildung für Politik der Rosa-Luxemburg-Stiftung und der Linken Medienakademie e.V. statt.
Workshop
25.05.2013 | 10:00 Uhr bis 17:00 Uhr
Journalistenakademie, München
Hartz IV: Mehr Kontrolle, weniger Förderung
Das Hartz IV Bashing in der Öffentlichkeit nimmt kein Ende und die rigorosen Methoden der Behörden zeigen, dass man den Langzeitarbeitslosen schon lange keine Chance mehr gibt. Obwohl die Zahl der Hartz IV Bezieher seit Jahren sinkt, steigen aktuell die Zahlen der Kontoabfragen bei Beziehern. Diese müssen sich in der Folge für jeden Verkauf auf Ebay oder das Geburtstagsgeld ihrer Kinder von der Oma rechtfertigen. Gleichzeitig wurden die Maßnahmen zur beruflichen Weiterbildung im vergangenen Jahr um fast die Hälfte gekürzt und damit die Wiedereinstiegsmöglichkeiten in den Arbeitsmarkt begrenzt. Das System Hartz IV führt indes weiter zu Entmenschlichung und Gewalt. An den Schreibtischen sitzen sich nun nicht mehr Menschen, sondern Sachbearbeiter und “Fälle” gegenüber, eine Situation, die immer wieder eskaliert.
Krise als Dauerzustand
SERBIEN/BELGRAD Mein zweiter Tag und ich habe bereits eines begriffen: Die Krise gehört hier zum Alltag. Denn sie begann Ende der 1980er als Jugoslawien wirtschaftliche Probleme bekam. 1991 bis 1995 folgte der Bürgerkrieg, das Wirtschaftsembargo, Der NATO Angriffskrieg 1999, Die „Revolution 2002. Darauf folgte eine Staatskrise zwischen Serbien und Montenegro und seit 2007/2008 befindet sich das Land, wie der Rest Europas, in einer Wirtschaftskrise.
Um die aktuelle Tagespolitik und die Probleme der Menschen festzuhalten,

“Jugostalgiker” gibt es in Belgrad noch immer.
habe ich mir einige Tageszeitungen besorgt und mit Passanten auf der Straße gesprochen. Die Zeitungen sind randvoll mit Nachrichten über Korruptionsverdacht, das serbische Haushaltsdefizit, niedrige Löhne und einem Thema, das immer wieder an die Oberfläche tritt: das Kosovo im Zusammenhang mit dem EU-Beitritt. Die Menschen haben in diesem Land kein Vertrauen mehr in die Politik. Jede Woche gibt es Fälle von Korruption: „Politiker krallen sich alles unter den Nagel“, erzählt mir eine jüngere Belgraderin. Firmen wurden systematisch heruntergewirtschaftet, um sie dann für wenig Geld zu verkaufen. Jobs werden nur an Bekannte und Verwandte vergeben und in mehreren staatlichen Banken sind Fälle von Prämienbetrug aufgeflogen. Ich möchte hier jedoch einer Stereotypisierung seitens der Leser_Innen entgegenwirken: Genau dieselben Phänomene gibt es auch in Deutschland. Vom Amigo-System Bayerns bis zu Managerprämien für Leiter von Pleite-Banken. Diesen Beitrag weiterlesen »
Chile 40 Jahre danach – Die Gegenwart einer diktatorischen Vergangenheit
Vor 40 Jahren, am 11. September 1973, wurde Salvador Allendes Volksfront-Regierung durch Augusto Pinochets Militärputsch zunichte gemacht. Siebzehn Jahre lang herrschte eine der brutalsten Militärdiktaturen Südamerikas: Über tausend Folterzentren und Konzentrationslager waren aktiv, tausende Menschen wurden ermordet, gefoltert oder ins Exil gezwungen. Der Ausnahmezustand bestimmte den Alltag der Menschen und legitimierte die Anwendung einer institutionalisierten Gewalt.
Diese historische Grenzerfahrung, unter der die Einführung des neoliberalen Wirtschaftssystems und eine neue Verfassung – die bis heute gültig ist – gefeiert wurde, veränderte die Gesellschaft und das Zusammenleben des südamerikanischen Landes von Grund auf. Obwohl der Übergang zur Demokratie vor über 20 Jahren begann, sieht sich Chile auch heute noch mit bislang ungelösten Problematiken konfrontiert: die Mehrheit der Täter bleibt unbestraft, tausende Menschen sind noch verschwunden, ehemalige Konzentrationslager und Folterzentren sind in Vergessenheit geraten, und obwohl keine post-diktatoriale Regierung die Barbarei der Diktaturzeit geleugnet hat, fehlt es an einer Erinnerungs- und Aufarbeitungspolitik, die der Post-Diktaturzeit ein Ende setzt.
Die Veranstaltung „Chile 40 Jahre danach“ widmet sich diesen Problematiken und bietet einen Blick auf die gegenwärtige Lage eines post-diktatorialen Chiles.
Programm
19:00 Uhr
- Eröffnung der Ausstellung grafischer und malerischer Werke von Israel Encina: „Memoria imaginada. La complicidad de las bestias“. Ausstellungseröffnung durch eine Performance: ein 6 m langer und 50 cm breiter Holzschnitt wird in einer nach innen gerichteten Kreisform im Zentrum des Raumes aufgehängt. Von der Kreismitte aus interpretiert Victor Bustamante auf der Violine das grafische Werk.
19:20 Uhr
- Vortrag: „Die Aufarbeitung der Diktatur und ihres Erbes im zeitgenössischen chilenischen Roman“, Leonor Abujatum (Berlin), Doktorandin und Stipendiatin der Rosa Luxemburg Stiftung
20:00 Uhr
- Vortrag: „Von der Colonia Dignidad zur Villa Baviera – vom Folterlager zum Tourismuszentrum“, Dieter Maier, Frankfurt am Main
20:30 Uhr
- Konzert Streichtrio Triolin (Mainz): Victor Bustamante (Violine), Tatiane Lopes (Viola), Sebastián Gamboa (Cello). Interpretation emblematischer Musikstücke aus der Zeit der Unidad Popular
Pause
21:15 Uhr
- Lesung: Leonce Lupette (Frankfurt am Main) liest aus seinem lyrischen Werk
21:45 Uhr
- Konzert: Roberto Andrade Pesoa (Gitarre), begleitet durch das Streichtrio Triolin. (Mitwirkung der brasilianischen Sängerin Diana Wittkowski)
- Ausstellung / Kultu
24.05.2013 | 19:00 Uhr bis 22:30 Uhr
Antiquariat am Ballplatz, Mainz
Mit Israel Encina, Victor Busmate, Leonor Abujatum, Dieter Maier, Tatiane Lopes, Sebastián Gamboa, Andrade Pesoa, Leonce Lupette und Diana Wittkowski
Das Märchen der Deutschen – Austerität und Fiskalpakt bald auch in Deutschland?
Die Financial Times titelte am 12. Januar 2012, daß die nächsten Rettungspakete nicht in Athen, Lissabon, Madrid und Dublin ausgepackt würden, sondern in Frankfurt und London. Die griechischen Schulden sind seit Beginn der Rettungsmaßnahmen um über 25 Milliarden Euro gewachsen. Man hätte im Übrigen auch von den großen Handelsungleichgewichten, die der deutschen Exportstrategie geschuldet waren und die auf der drastischen Netto-Lohnsenkung beruhten, wissen können, hat es aber bewußt ignoriert.
Irgendjemand scheint also Öl ins Feuer zu gießen und sogar dem Zentralorgan des deutschen Finanzkapitals wird inzwischen Angst und Bange. Am 29. November 2012 fragte die Frankfurter Allgemeine, „wo sind die Milliarden geblieben?“ und gab gleich selber die Antwort: „es wäre von erheblichem Interesse, Genaueres über die Auswirkungen der privaten Gläubigerbeteiligung zu erfahren“. Es ist ganz einfach, es wurde und wird umverteilt, wie meistens, von unten nach oben. Der rechtsgerichtete Spanische Ministerpräsident wehrte sich zunächst dagegen, daß sein Land unter den Rettungsschirm schlüpfen sollte und argumentierte völlig logisch, daß die Schulden ja nicht der Staat, sondern die Banken gemacht hätten. Der Bundesverband der deutschen Privatbanken bestürmte daraufhin Finanzminister Schäuble, die Spanier zurechtzustutzen. Nur wenige in der deutschen Opposition scheinen das Spiel durchschaut zu haben.
Spanien, das einen Schuldenstand von 76% des BIP verzeichnet und prozentual somit weniger als Deutschland, welches die 60% – Maastricht-Kriterien mit über 82% verletzt, hat vorgemacht, wie man sich aus der Bredouille zu winden versucht: man greift in die Rentenkasse. Genau dieses, haben Bundesfinanzminister Schäuble, aber auch SPD Kanzlerkandidat Steinbrück durchblicken lassen, wird auch in Deutschland stattfinden, ist zu befürchten. Wer will denn auch bestreiten, wenn die Medien vermelden sollten, daß die harschen Austeritäts-Mechanismen in Griechenland, Portugal und Spanien erste Erfolge gebracht hätten, dies rechtfertigen könnte erneut mit der Kettensäge durch das soziale Netz zu gehen und auch hier das Rentenniveau weiter abzusenken und die Pflegebedürftigen am besten sich selber zu überlassen?! Diesen Beitrag weiterlesen »





