Archiv für Juni 2010

Wie antwortet man Rassisten?

Man ist es inzwischen schon fast gewohnt, dass von allen Seiten auf die “achso bösen Muslime” eingedroschen wird. Selbst Mitglieder von Parteien, die sich klar gegen Rassismus und Vorurteile aussprechen, können sich diesem Trend nicht widersetzen und spielen mit hohlen Phrasen. Gemeint ist natürlich der sehr geehrte Herr Sarrazin und seine Kommentare zu dummen Ausländern. Das seine Hetze noch nicht zu einem Parteiausschluss geführt hat, ist mehr als traurig, wenn man sich die wohl höchst lobenswerte Geschichte der Sozialdemokratie einmal anschaut. Die Hoffnung bleibt, dass er damit in seiner Partei und der Gesellschaft nicht auf zu viel Zustimmung stößt.

Es geht auch anders

Allerdings gibt es auch Beispiele wie Politiker engagiert und ehrlich gegen antimuslimischen Rassismus vorgehen. Ein gutes Beispiel dafür ist der SPD Bundestagsabgeordnete Sebastian Edathy, dieser stellt sich, genau wie andere Abgeordnete auch, auf den Fragen der Bürger dieses Landes.
Normalerweise werden die Fragen die an die Politiker gehen auch geprüft. Allerdings kommt es ab und an auch mal vor, dass eindeutig von vorurteilenbehaftete Fragen durchkommen.
Hier ist nun eine Frage, die Herrn Edathy gestellt wurde.

Sehr geehrter Herr Edathy,

am heutigen Tage wurde der Bericht des Verfassungsschutzes veröffentlicht, der mir doch etwas Sorge macht, denn er zeigt vermutlich nur die Spitze des Eisberges auf, der eine Bedrohung unserer Demokratie darstellt. Etwas polemisch und vielleicht auch zynisch kann man schlußfolgern, dass 36.000 gewaltbereiten Islamisten bei einer durchschnittlichen Anzahl von 8 Personen 4.000 Flugzeuge kapern und damit Menschen und Gebäude nur aus dem Grund umbringen, weil sie ungläubige Hunde und Schweine sind, die kein Recht auf Leben haben. Hinsichtlich des angegebenen “hohen Niveaus” der Straftaten “rechts” wurde keine nähere Erläuterung getroffen (aus eigener Erfahrung weiß ich, dass jede 2-cm-große Hakenkreuzschmiererei auf dem Schulklo als PMK-Rechts erfasst wird), die Erhöhung der PMK-Links einschl. der damit verbundenen Gewalt und vor allem der damit verbundenen Gefahr für Leben und Gesundheit von Menschen (egal welchen polit. Ansichten diese anhängen oder auch nur zum Schutz von grundgesetzlich geschützten Versammlungen eingesetzt) sind für mich erschreckend. Deshalb möchte ich Sie fragen, wie Sie persönl. ganz konkret gegen jeglichen Ansatz von Gewalt von Seiten der dem Islam anhängigen Personen (denn “islamistisch” stammt nun mal dem Wortstamm nach von “Islam”) und der eindeutig von “links” ausgehenden Gewalt vorgehen werden. Würden Sie sich dafür einsetzen, zum Schutze vor weiteren Opfern in diesem Land, die Täter auch aus diesem Land zu verweisen ? Setzen Sie sich als MdB dafür ein, gerade bei dieser festgestellten Gewalt PMK-Links, dass diese Täter langjährige unbedingte Haftstrafen erhalten, indem Sie z.B. Gesetzesinitiativen einbringen, die es den Richtern unmöglich machen, geringere Strafen auszusprechen ? Mir ist bewußt, dass Sie meine Frage sicher als populistisch betrachten, trotzdem werden Sie gebeten, mir diese konkret ohne “Allgemeinplätze” (z.B. Probleme entsanden hier u. müssen hier gelöst werden…) zu beantworten.

MfG. L. Milker

Diese Frage enttarnte Herr Edathy eindeutig als rassistisch und konnte sie auch schnell dem PI-Umfeld zuordnen, diese fallen durch Hetze gegen Muslime auf und versuchen sich damit zu profilieren.(Auf eine Verlinkung zu PI wird aus Gründen des guten Geschmacks und des Gewissens verzichtet.)
Die Antwort von Herr Edathy mag zwar etwas knapp sein, dennoch sehr deutlich.

Sehr geehrter Herr Milker,

Sie bitten mich, Ihre Eingabe “konkret ohne ´Allgemeinplätze´ (z.B. Probleme entsanden hier u. müssen hier gelöst werden…) zu beantworten” (Zitat).
Mache ich gerne.

Spielen Sie bitte weiter auf “pi-news”. Meine Zeit ist mir für Leute wie Sie zu schade. Warum Sie es mit Ihrer Zusendung durch den Moderations-Code von abgeordnetenwatch geschafft haben, weiss ich nicht. Klar ist für mich nur, dass Ihre vermeintliche Besorgnis absolut vordergründig ist und es Ihnen im Kern darum geht, manifeste Vorurteile zu artikulieren.

Sie wollen sich doch gar nicht von einer anderen Meinung als der, die Sie haben, überzeugen lassen, und missbrauchen daher dieses Forum. Ohne mich!

MfG,

Sebastian Edathy, MdB

Herr Edathy kann als Beispiel für einige seiner Parteigenossen stehen.

Intelligenztest für Einwanderer

„Wir müssen bei der Zuwanderung Kriterien festlegen, die unserem Staat wirklich nützen” äußerte sich Peter Trapp, innenpolitischer Sprecher der Berliner CDU. Damit meint er allerdings nicht, dass der Deutschunterricht gefördert werden soll oder eine bessere Integration der Zuwanderer unterstützt werden soll. Herr Trapp fordert einen Intelligenztest für Zuwander, damit könnten nur die intelligenteren nach Deutschland kommen, wodurch nicht mehr nur noch die Deutschkenntnisse sowie der Wille zur Integration entscheident wären.

Sarrazins Idee

Mit diesem Vorschlag wird eigentlich Sarrazins Vorstellung von “dummen Migranten” aufgegriffen, welche der deutschen Gesellschaft schaden würden. Sarrazin hatte behauptet, dass die Migranten zur Verdummung der Gesellschaft beitragen würden.
Unterstützung für diese Idee kommt aus der Schwesterpartei der CSU. Dies scheint ein Thema zu sein, bei dem die beiden Unionspartei “endlich” mal wieder einig sind.

Antirassismustest für Politiker

Auf verständlicherweiße wenig Gegenliebe stieß dieser Vorschlag bei Grünen und SPD. Der Geschäftsführer der Grünen Bundestagsfraktion, Volker Beck forderte statt einem Intelligenztest für Einwanderungswillige einen Antirassismustest für Politiker. Durch diesen würde gezeigt, dass die Politiker auch wirklich frei von Vorurteilen und Ressentiments sind.

Die Frage nach einem Antirassismustest dürfe die Union nicht länger tabuisieren

sagte Beck in Anspielung auf die Äußerungen Trapps.
Olaf Scholz von der SPD fand ähnlich deutliche Worte

“Der Forderung nach Intelligenztests für Zuwanderer hat nichts mit einer vernünftigen Steuerung der Zuwanderung zu tun, sondern mit Ressentiments”

.

Keine Besserung in Sicht – Israel blockiert weiter

Nachdem der internationale Druck auf Israel,infolge der Ermordung von Teilnehmern des Hilfskonvoi des Free Gaza Movements, immer weiter zunahm, kündigte Israel eine Lockerung der Blockade des hermetisch von der Außenwelt abgeriegelten Gazastreifens an. Diese ist auch dringend notwendig, denn nach den Zerstörung, die das israelische Bombardement im Gaza-Krieg anrichtete, mangelt es immer noch an Waren zum Wiederaufbau.
Die Lockerung dieser Blockade wurde vom rechtsnationalen israelischen Premier Nethanjahu mit Tony Blair ausgehandelt.

Mehr Schein als Sein

Diese angebliche Lockerung ist allerdings mehr zur Verbesserung des international angeschlagenen Rufes Israels gedacht als zur wirklichen Verbesserung der Situation der Bevölkerung. Nun soll die Liste von Waren, die nicht geliefert werden dürfen, einfach durch eine Liste mit Waren, die geliefert werden dürfen, ersetzt werden.
Auch finden sich auf der neuen Liste weder Zement noch Metallrohre, diese, so die fadenscheinige Begründung, würde die Hamas für Anschläge verwenden.
Wenn nun also Zement in den Gazastreifen gelieft würde, würde die Hamas damit Bunker bauen, so die Begründung. Die israelische Regierung geht nicht davon aus, dass die Bevölkerung ein Interesse daran haben könnte, die durch israelisches Bombardement zerstörten Häuser wiederaufzubauen. Und selbst wenn damit Bunker gebaut würden, so würde das doch Menschen retten, falls es zu einer erneuten Bombardierung des Gazastreifens käme.
Auch Metallrohre werden nicht geliefert, weil damit Raketen gebaut werden könnten, dass die Zivilbevölkerung diese allerdings benötigt wurde bei den Verhandlungen anscheinend nicht berücksichtigt.

Gaza als iranischer Hafen

Die Seeblockade des Gazastreifens wird weiterhin aufrecht erhalten, damit, so die israelische Regierung, der Gazasteifen nicht zu einem iranischen Hafen würde.
Die Kontakte zwischen der sunnitischen Hamas und der schiitischen Regierung in Teheran sind allerdings mehr als dürftig, was auch an der radikalen und falsch verstanden Auslegung der Religion auf beiden Seiten liegt.
Ein vollständiges Ende der Blockade fordern verschiedenste afrikanische, asiatische, lateinamerikanische und europäische Staaten. Diese Forderung wird von verschiedensten Hilfsorganisationen wie dem Roten Kreuz oder der Menschrechtsorganisation Amnesty International unterstützt.

Bildung = Intelligenz? Die Geschichte von Herrn S.

Lange haben wir nichts von ihm gehört, man könnte fast sagen es war zu still, um den rechtsaußen Ausleger der SPD und Bundesbankvorstand Thilo Sarrazin. Doch nun meldete er sich wieder zu Wort.
Der ehemalige Finanzsenator Berlins äußerte sich mal wieder zu seinem Lieblingsthema, den “dummen Migranten”. Auf einer Tagung des südhessischen Unternehmerverbandes sagte er:

Wir werden auf natürlichem Wege durchschnittlich dümmer.

Dies begründet Herr Sarrazin mit dem Zuzug von Migranten, welche eine niedrigere Intelligenz aufwiesen als Deutsche – wieder in seinem Blickfeld Migranten aus dem Nahen Osten und der Türkei. Nachdem er diesen schon vorgeworfen hatte, nur kleine Kopftuchmädchen zu produzieren und nicht mehr zu erreichen, als den Job als Obst- und Gemüsehändler, wirft er diesen nun mangelnde Intelligenz vor.

Mangelnde Bildung?

Dass diese durchwegs weniger intelligent seien als Deutsche, erkennt er daran, dass sie niedrigere Bildungsabschlüsse erreichen als deutschstämmige Mitbürger.
Nun fragt man sich, warum er denn Bildung mit Intelligenz gleichsetzt?
Natürlich ist es für eine weniger begabte Person schwieriger das Abitur erfolgreich abzuschließen, ob diese nun Migrant ist oder nicht, sollte dabei relativ irrelevant sein.
Der Grund, warum Mitbürger mit Migrationshintergrund niedrigere Schulabschlüsse erreichen, liegt nicht darin, dass diese dümmer sind, sondern ihnen die sprachlichen Fähigkeiten fehlen. Dabei kommt eine Integrationspolitik zum tragen, welche besonders in den 60ern bis 80er Jahren nicht die wirklich langfristige Integration zum Ziel hatte, sondern nur die auf Arbeitskraft der “Migranten” fokussiert war.
Wenn man nun diesen Menschen und ihren Kindern eine bessere Perspektive bieten will, sollte man die deutsche Sprache stärker fördern und diese Menschen nicht zusätzlich auch noch diskriminieren.

Wir werden dümmer?

Wenn man wie Herr Sarrazin Bildung nun mit Intelligenz gleichsetzt, muss man ihm dennoch widersprechen. Während 1960 nur knapp 8% der westdeutschen Schulabgänger die Schule mit einem Abitur oder Fachabitur verließen, waren es 2006 43,1%. Dies bedeutet einen deutlichen Anstieg der Absolventen des höheren Bildungsweges und sollte sogar für Sarrazin erkennbar sein. Eine sinkende Bildung kann man daraus sicherlich nicht ableiten.
Die Zahl der Abiturienten ist deutlich gestiegen, woraus die Vertreter der “Bildung=Intelligenz Theorie” einen deutlichen Anstieg der Intelligenz erkennen sollten, was allerdings ebenso fraglich ist wie die Behauptung von der Verdummung der Gesellschaft.
Der Anteil der Migranten unter den Abiturienten ist relativ gering, dies zeigt, dass es noch ein langer Weg zur Chancengleichheit ist. Bemühen sollte man sich nun um mehr und bessere Angebote zur Förderung der Sprache schon im Vorschulalter.

Mangel an sozialer Kompetenz

Es gibt allerdings einen Teilbereich der Intelligenz sowie der Bildung an dem es wirklich mangelt. Dieser Bereich ist die soziale Kompetenz sowie die Erkenntnis, das Intelligenz nichts mit der Herkunft eines Menschens zu tun hat, was schon in frühester Schulzeit vermittelt werden sollte. Man sollte doch die Lehre gezogen haben aus einem falschen Menschenbild, welches Menschen aufgrund ihrer Herkunft diskriminiert und diesen pauschal Eigenschaften zuordnet. Auch Herr Sarrazin sollte wissen, dass es überall mehr oder weniger begabte Menschen gibt, die Herkunft spielt dabei keine Rolle. Nun hängen Intelligenz und Bildung nicht zwingend voneinander ab, wodurch auch weniger begabte sehr gebildet sein können und begabtere weniger gebildet, wenn ihnen zum Beispiel die Chancen zu einer umfassenden Bildung fehlen.
Auch sollte man Menschen, die eine schlechtere Perspektive haben z.B. durch die nicht perfekt beherrschte Sprache, ermutigen ihre Situation zu verbessern und sie möglichst dabei auch unterstützen und sie nicht beleidigen.

Rassismus im Fußball

Sport und Ausgrenzung passen nicht zusammen, dennoch ist es leider immernoch ander Tagesordnung, neben der Freude über die schöne WM ein Ausblick auf die Probleme des Sportes.
Im Sport hat Rassismus genauso wenig zu suchen, wie irgendwo sonst.
Leider ist er dennoch häufig an der Tagesordnung, besonders während der Fußball WM sollte man darauf aufmerksam machen.
Für ein faires Spiel, für ein friedliches Miteinander.

Liberal und Gläubig – Interview mit einem der Gründer des Liberalen-Islamischen Bundes

Passend zur Gründung des Liberal-Islamischen Bundes führten wir ein Interview mit Arne List, einem der Gründer. Als bisher unorganisierter säkularer Muslim, erschien ihm die LIB E.V. ein passender Verein, um seine religiösen Ansichten und sein Weltbild zu vereinen. Bericht über die Gründung.

Freiheitsliebe:Hi Arne List, du bist einer der Mitgründer des LIB e.V. Wie kam es dessen Gründung und welche Idee steckt dahinter?

Arne List: Der LIB gründete sich um Lamya Kaddor und Rabeya Müller herum, den beiden Autorinnen des “Kinderkorans”. Lamya hat in ihrem Buch “Muslimisch, weiblich, deutsch” die Vereinsidee vorformuliert, und so war es nur folgerichtig, dass wir uns zusammengesetzt haben.

Die Idee ist, Muslimen eine Heimat zu bieten, die sich von keinem der bisherigen Islamverbände vertreten fühlen. Das mag teilweise mit deren konservativen Islamverständnis zu tun haben oder einer landsmannschaftlichen Ausrichtung. Es geht jedenfalls nicht um Abgrenzung von den anderen Muslimen, sondern um eine Bereicherung der Szene durch “Liberal-Gläubige”. Damit ist nicht Beliebigkeit gemeint, sondern ein Pluralismus auf Grundlage unserer Verwurzelung in der deutschen Gesellschaft.

FL: Ein wichtiger Aspekt scheint auch die Anpassung der Religion an den sozialen Kontext zu sein, was genau kann man sich darunter vorstellen?

Arne List :D ie Lebenswirklichkeit in Deutschland und anderen hochentwickelten Industrieländern unterscheidet sich ja von traditionelleren Gesellschaften in der sog. Islamischen Welt. Wir haben andere Formen der Arbeitsteilung und des Familienlebens. Nicht zuletzt haben wir unterschiedliche politische Systeme und als religiöse Minderheiten auch einen anderen Status.

Aber nehmen wir mal ein konkretes Beispiel, das Kopftuch. In der arabischen Welt hatte es sicherlich eine Schutzfunktion. Die hat es in unserer Gesellschaft so nicht mehr, im Gegenteil fällt eine Frau damit auf. Natürlich soll sie es tragen, aber sie tut es dann viel bewusster als eine Art Selbstverwirklichung in einer Welt, wo man sich auch anders entscheiden kann.

FL :D ie Stellung der Frau in der Religion ist ein weiterer Punkt, der bei dem LIB einen hohen Stellenwert genießt. Die Idee, dass auch Imaminnen für Männer predigen können, stößt allerdings auf viel Kritik bei anderen Verbänden. Wie kommt es, dass ihr es trotzdem erlauben wollt?

Arne List: Ich sehe da keinen hohen Stellenwert, weil es dazu bisher noch keine Beschlusslage gibt. Dass Imaminnen auch vor Männern predigen, ist auch nicht das Problem, sondern das Vorbeten. Das stößt bei den allermeisten Musliminnen und Muslimen auf Ablehnung aus praktischen Gründen, denn der Vorbeter verbeugt sich ja mit dem Gesäß zur Gemeinde. Daher beten Frauen in der Regel auch hinter Männern. Es gab aber bereits Versuche in den USA, es so zu machen, und von daher kann es sein, dass es künftige Initiativen geben wird. Ich sehe darin aber nicht mein Hauptanliegen als Mann.

FL: Ein weiterer Unterschied ist auch die Tolerierung von gleichgeschlechtlichen Parnerschaften, wie reagieren die anderen Verbände darauf?

Arne List
: Mir ist bisher nichts zu Ohren gekommen, und es würde mich auch wundern, wenn die Islamverbände in Deutschland etwas gegen die bewährte Praxis der eingetragenen Partnerschaften sagen würden. Unlängst stellte sich Aiman Mazyek vom Zentralrat der Muslime hinter die Forderung nach einem Diskriminierungsverbot für Schwule und Lesben im Grundgesetz. Dem kann man sich nur anschließen. Dass ansonsten im Islam keine Homo-Ehe vorgesehen ist, sollte allerdings auch klar sein. Aber wer weiß, wohin die gesellschaftliche Entwicklung geht. Vieles, was wir heute haben, war früher undenkbar.

FL :D er Islamunterricht ist etwas, was es heute noch nicht gibt, aber vielleicht irgendwann eingeführt wird. Wie steht ihr zum Islamunterricht an Schulen und wie würdet ihr eine Einführung fördern?

Arne List:Islamunterricht gibt es bereits in verschiedenen Bundesländern, aber nicht als bekenntnisorientierten Unterricht, sondern als islamkundlichen. Aber das Hauptproblem ist, dass er nicht flächendeckend ist und so nur wenige muslimische Kinder und Jugendliche in den Genuss kommen. Für die Integration ist es wichtig, wenn die Eltern das Gefühl haben, sie können ihre Kinder getrost in den staatlichen Religionsunterricht schicken. Und natürlich ist dieser Unterricht auf Deutsch, was dabei hilft, den Islam als eine Weltreligion zu entdecken, die überall zuhause ist.

FL: Arne, wir danken dir für das Interview.

Liberal islamisch modern – Islam ohne Dogmen

Vor wenigen Tagen wurde in Duisburg der Liberal-Islamische Bund (LIB e.V) gegründet, dieser steht vor allem für einen weltoffenen und toleranten Islam. Mitbegründerin dieses Vereins ist unter anderem Lamya Kador, die sich schon als Autorin des ersten deutschsprachigen islamischen Schulbuches einen Namen gemacht hatte.
Der Islam, den dieser Verein vertritt, steht klar für demokratische Werte und sieht sich als in Deutschland beheimatet an. Er fällt auch dadurch auf, dass es irrelevant ist, aus welchem Land der Gläubige stammt, was einen Unterschied zu Organisationen wie Ditib macht.

Vernunftoffene Gläubigkeit

Der Liberal-Islamische Bund fordert von seinen Mitgliedern nur das Bekentnis, dass “Es nur einen Gott gibt und Mohammed sein Gesandter ist”, ansonsten sollen die Mitglieder sich ihre eigene Gedanken machen, denn “der Verstand ist ein Geschenk Gottes”. Es soll keine Einschränkungen geben und der Islam soll nach eigenem Ideal gelebt werden.
Grenzen des Denkens und Handelns sollen durch die eigene Vorstellung und Auslegung der Religion gegeben werden. Die Mitglieder des Vereins werden ermutigt, sich in der deutschen Gesellschaft zu integrieren.

Erweiterung des Spektrums

Die Gründung dieses Bundes stellt eine wesentliche Erweiterung des Spektrums des deutschen Islams dar. Während dieser bisher fast ausschließlich von relativ konservativen und/oder staatlichen Organisationen geprägt wurde, wird es nun erweitert um eine Organisation, die ein ausdrücklich pluralistisches Weltbild fördern möchte. Als wichtiges Merkmal dafür steht die dogmafreie Auslegung des Islams und des Koran. Auch der klare Grundsatz der Geschlechtergleichheit, zeugt von einer Erweiterung des Spektrums.
Während bisher überwiegend Verbände das Bild prägten, die die Rolle der Frau sehr fragwürdig interpretierten und die Stellung von Frau und Mann aus einem konservativen Weltbild ableiten, so will der LIB e.V. Geschlechtergerechtigkeit zu einem seiner Hauptmerkmale erheben.
Frauen sollen die Möglichkeit erhalten, als Imaminnen tätig zu sein und Predigten sowohl vor Männern als auch Frauen halten zu können. Mit dieser Forderung steht die Organisation momentan zwar noch relativ allein innerhalb der islamischen Gemeinschaft. Auch innerhalb anderer Religionen hat sich dies bislang noch nicht durchgesetzt, wenn man sich die katholische Kirche anschaut.
Dennoch vertritt der Verein, so ließen seine Gründer verlauten, die überwiegende Mehrheit der in Deutschland lebenden Muslime, die sich bis jetzt noch keiner Organisation zugehörig fühlen.
Diesen soll durch die Gründung des LIB e.V die Möglichkeit gegeben werden, ihr Weltbild im religiösen Kontext zu vertreten.

Flattr auf Freiheitsliebe.de

Flattr? Was kann man sich unter diesem komischen Namen vorstellen? Flattr ist ein Micropayment-Dienst. Micropay-was?

Die Funktionsweise von Flattr ist wie folgt: Ein Benutzer, der sich auf flattr.com registriert hat, legt einen monatlichen Betrag von sagen wir 5€ fest, den er bereit ist für Blogbeiträge, Nachrichten oder sonstigen Inhalt bezahlen möchte. Inhalt wohlgemerkt von Leuten, die ebenfalls bei Flattr registriert sind und den kleinen orange, weiß, grünen Button auf ihrer Seite eingebunden haben.

Klickt der Nutzer nun auf diesen Button, weil ihm der Inhalt des Anderen gefallen hat, bekommt dieser am Ende des Monats einen kleinen Obolus.

Als Beispiel: Ihr legt wie oben gesagt 5€ im Monat fest, die er an Leute verteilen wollt deren Inhalt euch zusagt. Nun lest ihr einen Monat auf verschiedenen Seiten. Beispielsweise auf diefreiheitsliebe.de, taz.de und spreeblick.de, natürlich sind die Seiten beliebig austauschbar, und klickt bei den Seiten insgesamt 5 Mal auf den flattr Button. Sagen wir einmal bei freiheitsliebe, 2 Mal bei der Taz und 2 Mal bei Blog von Spreeblick.
Dann würden am Ende des Monats 1€ von eurem festgelegten Betrag der Freiheitsliebe auf dem Konto gutgeschrieben und der Rest auf den anderen Seiten verteilt.
Warum genau 1€? Da ihr fünf Euro festgelegt haben, werden die am Ende des Monats durch die Anzahl eurer “geflattrten” Beiträge geteilt. Legt ihr also 5€ fest und klickt 5 Mal bekommt jeder begünstigte einen Euro. Klickt ihr 10 Mal bekommt jeder 50Cent. Einfachste Mathematik.

Wie funktioniert dieser Dienst?

Dieser Dienst funktioniert nur in dem ihn möglichst viele Leute benutzten und auch bereit sind einen gewissen Beitrag im Monat für Inhalt auszugeben, ansonsten schieben sich nur die verschiedenen Anbieter von Inhalt gegenseitig Geld zu.

Wir haben uns nach einiger Überlegung nun doch entschieden diesen Button einzubauen, da probieren ja bekanntlich über studieren geht und wir auch privat bei flattr.com registriert sind.

Parteisoldat gegen Stasiuntersucher – der kritische Blick

Die CDU hat nach dem überraschenden Rücktritt von Horst Köhler den amtierenden niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff als Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten vorgeschlagen. CSU und FDP verzichten auf einen eigenen Kandidaten. SPD und Grüne dagegen haben den parteilosen und unabhängigen Joachim Gauck nominiert

Wulff ist ein Parteisoldat

Wulff ist sicherlich nicht das, was man sich unter einem unabhängigen Bundespräsidenten vorstellen würde. Er ist in der CDU die Karriereleiter empor geklettert und gilt als loyaler Parteisoldat. Ehrliche Kritik an der aktuellen Regierung oder seiner Partei sind von ihm wohl eher nicht zu erwarten. Wulff galt zwar stets als Konkurrent Merkels, widersprach jedoch selten öffentlich ihrer Position.
Anfangs wollten sich die Parteien auf einen parteiübergreifenden Kandidaten einigen, diese Hoffnungen sind mit dem Parteisoldaten Wulff jedoch gestorben.

Der Stasiuntersucher

Joachim Gauck hat sich einen Namen damit gemacht, dass er als Leiter der Stasi-Unterlagen-Behörde in so gut wie allen politischen Kreisen der Republik aufgefallen ist, da er alle Stasivorwürfe untersuchte.
Joachim Gauck gilt als eine Person, die beste Beziehungen ins bürgerliche Lager pflegt und auch nicht davor zurückgeschreckt wäre, von diesen nominiert zu werden. Zu seinen persönlichen Freunden kann er auch Bundeskanzlerin Angela Merkel zählen, die an seinem diesjährigen Geburtstag eine 20-minütige Laudatio für ihn hielt.

Stimmenfang bei den Bürgerlichen

Gauck kann sich auch Sympathien aus dem bürgerlichen Lager sicher sein. Es ist auch möglich, dass er in der Bundesversammlung Stimmen von diesen bekommt. Besonders in der FDP rumort es, dass man mit Wulff keinen überparteilichen Kandidaten geholt hat, sondern einen Christdemokraten.

“Mit Wulff, von der Leyen, Lammert und Schäuble standen von Anfang an nur CDU-Parteisoldaten zur Auswahl”

so der Generalsekretär der thüringschen FDP. Sein Landesverband habe noch nicht entschieden, welchen der beiden Kandidaten man unterstützen werde. Auch die FDP in Sachsen, Bayern und Sachsen-Anhalt äußerten sich kritisch gegenüber Wulff. Diese Landesverbände zeigten, dass bei ihnen noch keine Entscheidung darüber gefallen ist, ob man nun Wulff oder Gauck unterstützen werde.
Doch selbst in der CDU stieß es auf Unverständnis, dass man sich nicht auf Gauck einigen konnte.Der ehemalige brandenburgische CDU-Vorsitzende Jörg Schönböhm, welcher an der Bundesversammlung teilnehmen wird, zeigte sich enttäuscht, dass man sich nicht auf Gauck einigen konnte.

Kandidat der Vergangenheit

Die Linke steht den beiden Kandidaten verständlicherweise kritischer gegenüber. Wulff ist für deren Mitglieder ohnehin nicht wählbar, Gauck wird allerdings als Kandidat der Vergangenheit betitelt.
Die Nominierung Gaucks sei ein deutlicher Affront in Richtung der Linken, welche sich einen gemeinsamen Kandidaten aus dem linken Lager gewünscht hätte. Gauck steht mit seiner ehemaligen Tätigkeit als eine Person da, welcher nur aufgrund seiner Arbeit in der Vergangenheit nominiert wurde und somit nicht für eine gemeinsame und einheitliche Zukunft stehen würde.
Die Linke plant die Nominierung eines eigenen Kandidaten.

Schlechte Chancen für Gauck

Trotz allem Unmut aus dem bürgerlichen Lager über den Kandidaten Wulff, stehen die Chancen für diesen doch wesentlich besser als für Gauck, denn von den 1224 Mitgliedern der Bundesversammlung entfallen zwischen 644 -646 Sitze auf das bürgerliche Lager. Wenn Gauck nun Bundespräsident werden will, muss er mehr als 20 Mitglieder des bürgerlichen Lagers für sich gewinnen sowie die Stimmen des gesamten linken Lagers auf sich vereinen.

Türkischer Bischof ermordet

Am Donnerstagabend wurde der türkische Bischof Luigi Padovese im Garten seines Hauses in Iskanderun ermordet. Er wurde aber nicht, wie in den ersten Berichten angenommen, Opfer eines politisch oder religiös motivierten Verbrechens.
Der 63 Jahre alte Padovese erlag noch auf dem Weg zum Krankenhaus seinen Verletzungen.

Der Täter soll der Fahrer des Bischofs gewesen sein. Murat A., welcher seit einigen Jahren im Dienst des Bischofs stand, soll auch seit einiger Zeit in psychiatrischer Behandlung gewesen sein. Er wurde nach kurzer Flucht von der Polizei festgenommen und befindet sich seither in Untersuchungshaft. Der Täter gab bisher die Tat noch nicht zu. Murat A. gehört der katholischen Kirche an.

Gouverneur trauert

Mehmet Celalettin Lekesiz, der Gouverneur der Provinz Iskanderun, verurteilte den feigen Mord an seinem langjährigen Freund Padovese. Persönlich empfinde er tiefste Trauer und sprach den Angehörigen und der Gemeinde sein Mitgefühl aus. Er versprach genaueste Untersuchungen des Falles. Im Vatikan löste die Ermordung des Bischofes Bestürzen aus. Auch der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, zeigte sich geschockt von dem feigen und hinterhältigen Mord an seinem Bruder im Glauben.

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